Warten von Termin zu Termin? — Werner Achs – Leben mit seltenem Krebs

Warten von einem Termin zum Nächsten?

 

Kurvenkratzer – InfluCancer

27. August 2019 – Tag 28 nach der autologen Stammzelltransplantation

Warten von Termin zu Termin?

Ja, wem geht es nicht so? Kaum ist ein Termin vorüber, wartet man schon auf den Nächsten. Oder gibt es doch eine Zeit dazwischen? Irgendwie vergehen die Tage ja immer sehr schnell und ehe man sich versieht, muss man schon wieder zur nächsten Kontrolle oder wie ich zum Beispiel am Donnerstag, zur Bewegungstherapie. Und was soll man in der Zeit zwischen diesen Terminen wirklich machen??

Einladung von der BVA in Eisenstadt

Ende Februar 2019 war ich bei der Chefärztin, von der BVA Versicherung, zu einem Gespräch eingeladen (nicht vorgeladen). Sie wollte sich mal ein Bild von mir machen und reservierte mir sogar eine ganze Stunde Gesprächszeit mit ihr. Normalerweise gibts dort nur 15 Minuten Termine. Muss ihr anscheinend sympatisch gewesen sein. 😉 Auf was ich eigentlich hinaus will, sie fragte mich, ob ich einen geregelten Tagesablauf hätte? Ich guckte sie erstmal verduzt an, bevor ich dann checkte, was sie überhaupt meinte. Die Frau Doc wollte damit sagen, ich soll mich nicht zu Hause einsperren, in Depressionen versinken und einfach viel unter die Leute gehen. Je mehr Kontakt zur Außenwelt, desto besser. Kein Verstecken oder so. Und das machte ich auch. Aber auch schon vor unserem Gespräch. Und das ist gut so.

Hinaus in die Welt!!

Warum auch soll ich mich verstecken? Ich hab nichts Ansteckendes, bin kein Aussätziger oder kein Biest (leider momentan ohne Beauty) dass man meiden muss. Anfangs wollte ich mich mit meiner Glatze und meinem Mundschutz auch wenig sehen lassen, aber da mich in facebook (wo ich die Leute sowieso darauf vorbereitet habe, wie ich aussehe) ja eh Viele sehen, ist es auch schon egal. Und  hat momentan sogar den Vorteil, dass ich mich schon fast 3 Wochen nicht rasieren musste. 😉 Klar, werd ich hie und da etwas komisch angesehen, aber dass berührt mich auch nicht mehr wirklich. Zeitweise muss ich sogar drüber lachen.

Lustiges Erlebnis beim Einkaufen

War vor 2 Wochen, also den ersten Tag als ich heimgekommen bin, ging ich zum Billa einkaufen. Ich war gerade fertig und begab mich zum Ausgang. Da kam eine junge Mutter mit ihren zwei kleinen Mädchen rein. Ich schätz mal, die waren so um die zwei Jahre alt. Sprechen konnten sie schon. Ich natürlich mit Baseballcap und dem Mundschutz unterwegs gewesen. Da sah mich Eines der kleinen Mädchen an und meinte zu ihrer Mutter: “Du Mama, der Mann hat ein Aua am Mund”. Da musste ich herzlich lachen, ich fand das irgendwie witzig. Sie sagte das irgendwie so liebevoll und besorgt. Auf jeden Fall sehr süß von ihr. 🙂

Den Mutigen gehört die Welt!!!

Momentan sollte ich ja nicht wirklich viel unter die Leute gehen, da ich ja erst vor 28 Tagen die Stammzelltransplantation hatte, aber da der Professor letzten Freitag gesagt hat, dass er mit meinen Blutwerten und auch sonst sehr zufrieden ist, wage ich mich wieder mehr unter die Leute. Und ich werde mutiger und habe zwar den Mundschutz immer mit, setz ihn aber nicht immer auf. Erst wenn ich merke, dass viele Menschen um mich sind bzw. irgendjemand verkühlt oder verschnupft ist. Ich weiß, irgendwie bin ich blöd und leichtsinnig, sollte man auf jeden Fall NICHT auch machen.

Massenandrang im Kino? Leider nicht 🙁

OK, ich war auch noch im Kino, dass geb ich zu. Sogar zweimal, in zwei verschiedenen Orten. Irgendwie doch schöner als Netflix oder Amazon Prime. Beim ersten Mal im nahegelegenen Cineplex, dass zu unserer großen Shoppingmeile gehört, welche angeblich schon bald größer ist als die SCS in Wr. Neudorf. Ich dachte mir, da bei uns Volksfest ist, wird ja dort eh wenig los sein. Falsch gedacht!! Der Parkplatz war schon rappelvoll. Das hielt mich aber trotzdem nicht ab und ich spazierte ins Kino. Da gab es sowieso 7 – 8 verschiedene Kinosäle und eine große Auswahl an Filmen. Und ein schlauer Kopf, der ich bin, wählte ich natürlich einen Film, den es schon länger spielte und ich der Überzeugung war, dass da dann ja sowieso weniger Zuschauer sein werden. Damit lag ich dieses Mal goldrichtig. Bei “Leberkäsjunkie” waren grad mal 13 – 15 Leute drinnen. Und ich sagte gleich dazu, ich wolle einen Platz, wo ich allein sitzen kann. Mir wurden dann zwar 2 Leute danebengesetzt, aber egal. Die waren eh nicht krank, ansonsten hätt ich mich gleich weggesetzt. 2 h Lachen pur bei dem Film. Lachen hilft ja auch ganz gut. War also gut, dass ich gefahren bin.

Boden der Weltmeisterweine oder König der Löwen?

Zwei Tage später, wollt ichs nochmal wissen! Ich fuhr in ein nahegelegenes, kleines Seewinkeldörfchen, wo angeblich ein so guter Boden ist, der Weltmeisterweine keimen lässt. Aber wo soll schon besseren Wein geben, als im  größten Weinort Österreichs?? 🙂 Eben… 😉 Bei Einem nahe des Neusiedler Sees gelegenen, kleinen Tourismusörtchen? Kaum zu glauben… 😉 Auf jeden Fall haben sie ein Kino, und dass natürlich schon sehr lange. Immerhin und ja, dass Strandbad am See ist auch nicht schlecht!! Mit 3 Sälen, modernisiert und am neuesten Stand der Technik, präsentiert sich das Nationalparkkino. Und mit einer Betreiberin, jenseits der 70, die sich noch liebevoll um fast jeden Gast kümmert und auch zu seinem Platz bringt. Natürlich nur wenn es die Zeit erlaubt. Ist jetzt zwar sicher kitschig, aber ich hab mir die Realverfilmung von “König der Löwen” angesehen. Alleinsitzend auf 3D in der letzten Reihe am Platz in der Mitte. Keiner weit und breit der mich anhusten konnte. 🙂 Und der Film hat mir auch sehr gut gefallen. 😉 Und mit mir waren gerade mal 5 Leute im Kino. Also quasi fast eine Privatvorstellung. Wird mich bestimmt bald wiedersehen, da ja Quentin Tarantinos 9. Film ansteht bzw. schon angelaufen ist. Aber irgendwie bin ich von seinem neunten Streich nicht so überzeugt, auch wenn Leo die Caprio und Brad Pitt dabei sind. Na ja, schau ma mal…. wie der Kaiser Franz sagt. 😉

Raten Ärzte zu übertriebener Vorsicht??

Ich wagte mich noch mehr in die Welt hinaus. Am Samstag stand ein Besuch des Behindertenförderungsvereins am Plan. Da wurde ihr alljährlicher Basar abgehalten und den musste ich einfach besuchen. Allein schon wegen des Bruders meiner Schwägerin, der wär mir ewig böse gewesen, wenn ich nicht erschienen wäre. Der half da auch kräftig mit und tanzte sogar mit. Hat er echt toll gemacht, der Aaron. 😉 Und es war ja auch für einen guten Zweck. Klar, war es gefährlich für mich, da waren natürlich viele Menschen unterwegs, die mir ihre Keime und Bakterien entgegenschleudern konnten!?! Aber ich denke, im AKH, tags zuvor,  war es sicherlich ärger, wo ich drei Stunden unter vielen kranken Menschen verbringen musste. Da hätt ich mir auf jeden Fall eher was einfangen können. Da hat es aber absolut Niemanden interessiert, ob ich mir was einfange oder nicht. Ich musste genauso warten, wie andere Patienten auch.

Frust auf der Gartenlust oder der der räudige Straßenmusikant und die Chello-Dame?

Und am Nachmittag besuchte ich auch noch mit meiner Schwägerin die “Gartenlust”. Eine dreitägige Veranstaltung rund um Alles, was man so für den Garten brauchen kann. Oder auch nicht. Diese fand bei einem schönen Barockschloss nach der ungarischen Grenze statt bzw. rund um dessen wundervollen Garten. Sie hatten dort wirklich viele schöne und tolle Sachen, welche aber auch zum Großteil sehr teuer waren. Es waren natürlich auch hier sehr viele Leute unterwegs, aber das verteilte sich zum Glück alles und es gab keine großen Menschenmengen. Daher hatte ich auch da nicht wirklich Angst vor Keimen oder Ähnlichem. Und natürlich wurde ich auch nicht wenig von meinem Geld los. 100 Euro sind da schneller weg, als man schauen kann. Aber auf jeden Fall gut angelegt. Unter anderem hab ich mir eine Musik-CD eines Andauer Straßen- und Gartenmusikanten gekauft. Er könnte mit seiner Partnerin, die echt hervorragend Chello spielt, glatt als Gaukler durchgehen. Aber unsere heimischen Künstler muss man ja einfach unterstützen, bevor sie noch verarmen. Das kann ich ja dann auch nicht wieder verantworten. Sie haben ja auch einige hungrigen Mäuler zu stopfen. 😉 War auf jeden Fall schön sie zu treffen und ihren Worten zu lauschen. Vom Gesang hörten wir ja leider nicht viel, da wir sie gerade in einer ihrer ausgedehnten Pausen erwischten. 😉 Aber ich hab ja ihre CD, die ich mir auch schon mehr als die Hälfte im Auto angehört habe. Hab zum Glück vor lauter Lachen noch keinen Unfall gebaut, wär aber bei diesen Gstanzeln der Beiden kein Wunder gewesen.

Wozu Bewegungstherapie?

Ach ja, ich hab am Anfang ja was von Bewegungstherapie geschrieben. Na ja, ich habe leider als Nebenwirkung von der Chemotherapie (Oktober 2018, Bortezomib) Polyneuropathie bekommen. Das heißt, es fing ganz leicht an. Mit einem leichtem Kribbeln in den Füßen. Und auf einmal wechselte dieses Kribbeln in ein Stechen. Mitten in der Nacht, so gegen zwei Uhr. Wie wenn mir Jemand ein Messer in die Fußsohlen rammen würde. Das tat höllisch weh. Ich wußte ja nicht sofort, woher das kam. Ich schmierte Voltadol-Gel rauf und ich denke, die abkühlende Wirkung war wirklich gut dagegen und es ging wieder zurück. Für die eine Nacht, die Darauffolgende passierte wieder das Gleiche. Zum Glück las ich in Facebook-Gruppen, was dass sein konnte. Polyneuropathie. Ich teilte es meiner Professorin mit und die verschrieb mir zusammen mit einer anderen Professorin (von der Paliativmedizin) Pregabalin. Aber die halfen nicht wirklich. Ich erzählte es natürlich meinem Doc, der meine Fall schon ewig kennt und der mich auch operiert hat und der schrieb mir sofort eine Überweisung auf die Neuropathie-Abteilung. Dort wurde mir Duloxetin verschrieben. Damit war es dann besser und das nehme ich ich bis jetzt auch noch.

Taubheit der Füße bleibt mir erhalten 🙁

Aber wir hatten trotzdem noch ein Problem. Meine Fußsohlen wurden auch noch taub. Weder Einschmieren, noch Tabletten, noch Sonstiges half oder hilft dagegen bzw. sagte mir der zuständige Professor auch, dass man dagegen leider gar  Nichts machen kann. 🙁 Musste ich halt zur Kenntnis nehmen. Aber durch mein vieles Gehen bzw. Wandern wird es während der Bewegung doch besser. Daher auch dagegen Bewegungstherapie. Oder auch TENS-Elektrotherapie, was aber nicht wirklich hilft. Am Ärgsten ist es leider wenn ich schlafen gehe oder anderwertig die Füße hoch lagere. Wie wenn ich eine zweite Sohle an den Füßen hätte. Damit muss ich momentan halt mal leben. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich dieses Problem auch noch in den Griff bekommen werde.

Und ich werde mich auch weiterhin nicht scheuen, unter die Leute zu gehen. Natürlich mit gebotener Vorsicht, die 12 Tage werden auch noch vergehen. 🙂

Und macht es wie ich, denkt nicht an den nächsten Termin, nützt die Zeit. Für Sport, Veranstaltungen, Treffen mit Freunde, oder Sonstiges!! Geht einfach hinaus in die Welt und versteckt euch nicht!!

Wünsche allseits eine gute Nacht und schöne Träume.

Werner Achs

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