90 Tage nach der Stammzelltransplantation – WERNER ACHS

WERNER M. ACHS

LEBEN MIT SELTENEM KREBS

KURVENKRATZER  – INFLUCANCER

 

BILANZ – 90 Tage nach der Stammzelltransplantation

Ja, die Zeit vergeht wahnsinnig schnell, schneller als Einem wirklich bewusst wird. Daher die Frage, was ist Alles in den letzten 88 Tagen passiert? Auf- und Abs… Sonne und Regen… Tod und Trauer… Thats life, könnte man jetzt schreiben. Ja, es ist ja wirklich so, man ist immer mit Höhen gesegnet und Tiefen geplagt. Das macht jeder Mensch durch. Und bei Manchen fällt es leider auch extremer aus… und ich denk mir oft, dass ich so Einer bin, wo es so ist…

 

AKH Wien – meine Lebensretter?!?!

 

29. Juli 2019 – Tag meiner Wiedergeburt ?

bzw. der Tag an dem ich meine lebensrettenden Eigenstammzellen (zuvor natürlich präpariert und aufbereitet) wiederbekam.

Der Tag verlief eigentlich nicht wirklich besonders. Frühstück in der Früh wie immer. Und um 9 Uhr sollte es dann losgehen. Der Doc kam, fragte nach meinem Befinden und schon gings los. Die Krankenschwester hatte mir natürlich noch einen Zugang gelegt. Ich war aber überrascht, wie schnell das ablief. Weit schneller als bei meinen sonstigen Infusionen bzw. Therapien, aber ziemlich gleich. Draußen vor der Tür stand ein riesiges Gerät bzw. eine mobile Maschine. Es stellte sich heraus, dass damit die eingefrorenen Eigenstammzellen aufgetaut werden. Wirkte interessant. Quasi ein mobiler Mirkowellenherd. 😉  Ich bekam je 3 Beutel mit 0,2 l meiner Eigenstammzellen. Das sah aus wie eine hellrote, schon fast mehr ins orangeliche übergehende Tomatensuppe. Pro Beutel 12 Minuten und die Messe war gelesen. Nach 36 Minuten war die ganze Hexerei vorbei. Ich fühlte mich nicht anders als sonst. Weder schlecht noch schwindelig, eigentlich ganz gut. Aber das sollte noch kommen… Tag NULL, also der Tag meiner Wiedergeburt verlief problemlos und ganz normal ab. Alle 3 Stunden wurde mein Blutdruck kontrolliert, Fieber gemessen und auf die Sättigung geachtet. An Schlafen war da eher wenig zu denken. Kaum schlief man, schon wurde man wieder geweckt und die 3 h waren schon wieder um. Aber dagegen konnte man nichts machen, dass war halt so und ich musste das so eben zur Kenntnis nehmen. Es ging ja um meine Gesundheit.

 

Tag 1 – der Tag danach

Ja, der war schrecklich. Es fing an mit leichten Kopfschmerzen. Übelkeit und Schwindel gesellten sich dazu. Natürlich verzichtete ich dadurch aufs Frühstück… und das nicht nur an diesem Tag. Keinen Hunger… keinen Durst… ich nahm auch nicht meine Medikamente, da ich befürchtete, wenn ich was trinke, dass mir das retour kommt… ich wollte nur allein sein in meinem Zustand. Ich krümmte mich zusammen wie ein kleines Baby und probierte nur zu schlafen um den Tag schneller zu überbrücken. Kein Netflix… Nix!! Nur einfach in Ruhe gelassen werden. So ging es den ganzen Tag über. Natürlich bemerkte das auch die Schwester. Sie redete mir auch gut zu. Aber es half nicht. Ich wollte einfach nicht. Ich fühlte mich an diesem Tag wie in einem Gefängnis. Eine sehr schlechte Einstellung…

 

Tag 2 – Die Sonne geht auf

Auch dieser Tag fing an, wie der Erste geendet hatte. Keine Lust auf gar nix. Doch dann kam wieder mein Pfleger aus Kärnten. Er sah mich an und fragte, warum ich nichts esse oder  trinke bzw. meine Medikamente nicht nahm. Ich erklärte ihm meinen elendigen Zustand. Er verstand das auch, aber er meinte es wäre momentan ein sehr schlechter Zeitpunkt um mit dem Absetzen der Medikamente anzufangen, da dies ja meine Verfassung noch verschlechtere. Und er baute mich weiter auf. Ich fing dann wieder an meine Medikamente (Schmerzmittel die zugleich auch Antidepressiva sind) zu nehmen und etwas vom Essen zu probieren. Und das war ganz bestimmt mein Schlüsselpunkt bzw. meine Kehrtwende. Ich änderte auch meine Einstellung. Anstatt Gefängnis sah ich es als Privileg im Spital sein zu dürfen, wo alles Menschenmögliche unternommen wurde um mein Leben zu retten. Und ja, das ist und war ein PRIVILEG, dass sicher nicht überall auf der Welt möglich ist! Wir können Gott danken in einem so hervorragenden Land wie Österreich zu leben und so eine super medizinische Versorgung zu haben!! Wir leben im gelobten Land!! Da bin ich mir sicher!! Und dann ging es mir auch von Stunde zu Stunde besser. Auch deswegen weil ich dann Mittel gegen Schmerzen, Übelkeit und Schwindel bekam. Ich änderte meine Strategie, ich verbrachte von da an meine Zeit mit der Netflixserie “Queen of the South” und schlief fiel. Dadurch verging die Zeit dort viel schneller und für mich ging wieder die Sonne auf…

 

Die erste Woche nach der Stammzelltransplantation

Dadurch das ich meine Einstellung änderte, ging es mir auch besser. Aber meist am Morgen kamen Schmerzen, Übelkeit und Schwindel retour. Und durch diese Ups and Downs wollte ich auch nicht wirklich Besuch. Ich wollte nicht, dass mich so wer sieht. Aber ich bekam dagegen Medikamente und es wurde von Tag zu Tag besser und die so wichtigen Leukozyten stiegen rasant an und an den folgenden Tagen ging es mir immer auch den Umständen entsprechend.

 

Tag 8 – Stimmung im Keller…. Vertragsauflösung per RSb ins Krankenhaus

06. August 2019 – Der Tag lief eigentlich wie jeder Andere auch. Die üblichen Untersuchungen, nichts Außergewöhnliches. Bis zur Mittagszeit…..

Auf einmal kam eine Schwester und sagte mir, ich solle Mundschutz, Handschuhe und Kopfschutz anlegen, ich bekomme Post. Post ins AKH????

Es kam ein Postler, in einer nicht gerade sauberen Postuniform, direkt von der Straße bzw. durch das Krankenhaus. Wo es nur so von Bakterien, Viren und Partikel und was weiß ich Alles wimmelte! Und er überbrachte mir einen RSb Brief. Ok, unterschrieb ich halt, was blieb mir übrig. War doch etwas überrascht. Auch davon, dass sie diesen Menschen DIREKT zu mir vorgelassen haben, wo ich doch abgeschirmt sein sollte. Das find ich auch heute noch mehr als ärgerlich, dass sie ihn soweit vorgelassen haben. Wozu bitte gibt es die Leitstelle??? Überhaupt auf einer so heiklen Abteilung??? Ist schon ein schwerwiegender Kritikpunkt gegen das AKH!! Aber ok, wie auch immer, dadurch wurde mein Leben schon schwer gefährdet!! Das seh ich auch heute noch so!!

Und da folgt auch schwere Kritik an den Absender!! Mein Dienstgeber….!! Schon echt ein Hammer mir meine Vertragsauflösung (hab schon davon gewusst, dass ich die bekomme) DIREKT ins KRANKENHAUS zustellen zu lassen. Zeitgleich wurde sie auch an meine Wohnadresse zugestellt. Wie wenn das allein nicht gereicht hätte?? Natürlich hatte ich eine Postsperre vor meinem AKH Aufenthalt bei der Post gemacht. Aber RSb Briefe wurden trotzdem hinterlegt?!?! Normal probiert man eine Zustellung an der Wohnadresse und dann an einer weiteren Adresse, die ich auch meinem ehemaligem Dienstgeber bekanntgegeben hatte. Und wenn man sich ein bißchen mit Postzustellungen auskennt, dann weiß man ja, dass eine Hinterlegung auch als Zustellung gilt. DAS wurde von meinem ehemaligen Dienstgeber ignoriert. Und daher finde ich auch die Art und Weise NICHT in Ordnung!! Und daher will ich von manchen Menschen dort auch gar nichts mehr wissen bzw. auch keinen Kontakt mehr!! Mit solchen Leuten will ich weder arbeiten (sind eh nur auf IHREN Vorteil dort bedacht und nutzen Andere aus!!) noch sonst mehr was zu tun haben. Ich hoffe, die lesen das hier auch und sparen sich jegliche weiteren Briefe an mich, in dem ich dann auf einmal der “liebe Werner” wäre und ich ihnen leid täte… Sowas können sie sich sparen! DANKE!! Mit diesem Tag hab ich mit meinem ehemaligen “Dienstgeber” abgeschlossen!! Eine Tür geht zu und andere Türen öffnen sich. So ist es halt im Leben. Ich bereue nur soviel Kraft, Willen und Einsatz investiert zu haben. Besser man schwimmt gegen den Strom und man regt sich öfter auf, dann geht es Einem auch besser… Alle die brav und ordentlich arbeiten werden nur ausgenutzt und bekommen noch mehr Arbeit! Und vielen DANK!!! Das hat auch wesentlich zu meinem Gesundheitszustand beigetragen!!! Kann man zwar nicht nachweisen ist aber ganz sicher so. Aber besser ich beschäftige mich jetzt nicht mehr mit meinem ehem. Dienstgeber…

 

Die Leukozyten stiegen an 😉 und die Haare wurden weniger

Die Leukozyten stiegen an , ab Tag 8 waren es 300, Tag 9 schon 580, Tag 10 dann schon 1500. Ab diesem Tag verlor ich dann auch meine Haarpracht, was mich aber nicht wirklich störte. Es sah aus wie ein Fleckerteppich und da der Pfleger keine Zeit hatte, rasierte ich sie mir gleich selbst ab. Und am Abend kaschierte mir noch die nette Schwester den Rest, wo ich nicht hinkam. Mut zur Hässlichkeit? War gar nicht so schlimm, nur halt ungewohnt. Am Tag 11 fuhr ich das erste Mal mit dem Ergometer 8 km in passablen 25:21 Minuten. Auf der Reha benötigte ich dafür 20 Minuten, nur so als Vergleich, aber ich war auf jeden Fall zufrieden. Am 11. Tag hatte ich bereits 13.000 Leukozyten und ich durfte erstmals mein Zimmer verlassen und zumindest mal am Gang spazieren gehen. Ich ging 7 Mal auf und ab. War mir aber dann irgendwie doch zu blöd und ich ging wieder freiwillig in mein Zimmer. 😉 Tags darauf am 13. Tag durfte ich dann erstmals wieder den Stock verlassen und ich ging hinaus auf den AKH Vorplatz. Ich holte mir ein Getränk aus dem Automaten und eine Zeitung und setzte mich auf eine Bank und verbrachte 1,5 h in Freiheit. 😉 Das tat sehr gut. Das Essen schmeckte mir zwar mittlerweile noch nicht so, aber ich kostete schon zeitweise. Und mein Pago Orange trank ich schon regelmässig zum Frühstück. Auf meinen heissgeliebten Kakao bzw. auf meine Milch hatte ich noch immer keine Lust bzw. sehr wenig.

 

Tag 14 – Der letzte Tag im AKH Wien

Dann kam endlich der Tag meiner Entlassung. Ich hatte noch ein Gespräch mit der Ernährungsberaterin, die mir eine sehr lange Liste mitgab, was ich essen durfte und was nicht und ich aß sogar die Mittagsspaghetti Bolognese, zumindest die Hälfte. Die letzte Woche im AKH empfing ich sogar noch ausgewählte Besuche. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals dafür. 😉 Ausgewählt daher, da mir immer noch sehr wenig an Besuchen lag und ich froh war, dass ich meine Ruhe hatte. Ist denk ich normal im Krankenhaus. Und ich war unendlich froh, als am 12. August 2019, um 14 Uhr endlich mein Freund Heli auftauchte und mich abholte. Unendlich froh wieder nach Hause zu fahren. 🙂

 

Dahoam is dahoam

sogn schoa die Bayern. Und ich sag das auch!! 🙂 Meine Mama verwöhnte mich mit Essen und ich wagte mich schon ein bisschen unter die Leute. Meidete aber Menschenmassen, dass heißt das Golser Volksfest 2019 war, wie auch bereits 2018 wegen einer OP, für mich gestrichen. Macht nichts, war aber ja eh schon 40 Jahre Stammgast dort. 😉 Und ich aß erstmals einen ganzen Teller. Es gab Spinat. Das hat ja schon Popeye Kraft verliehen. 😉 Und wirkte bei mir anscheinend auch.

Die nächsten Tage verliefen ohne besondere Vorkommnisse. An Tag 20 begann ich schon ein kleines Stückchen zu wandern. 5,38 km über den Golser Weinwanderweg. Ich sollte ja nicht gleich mit Gewaltmärschen anfangen sondern schön langsam steigern. Ich hielt auch mein Gewicht. Ich hatte so um die 93 kg.

An Tag 25 musste ich ins AKH zur Kontrolle. Blutabnahme. Laut Vertretungsprofessor alles in Ordnung. Ich war zufrieden. Einzig die lange Wartezeit störte mich. Musste aber sein da einige Professoren krank oder in Urlaub waren und es nur Einen (!!). Und ich musste halt über 3 h warten, wo es nur so von Viren und Bakterien wimmelte. Aber das ist leider normal im AKH.

An Tag 27 ging ich schon am Wandertag in unserer Nachbargemeinde mit. Insgesamt 19,15 km sollten es an diesem Tag werden. Ich war stolz aber auch erledigt. Kein Wunder. 😉

23,60 km waren es dann schon an Tag 32, beim Marc-Aurel-Marsch. Ging ich zusammen mit meinem Bruder. Den hatte ich letztes Jahr auch schon mit dem Wandervirus infiziert. 😉 Der ist momentan sicher konditionell weit besser drauf als ich, aber er hat ja auch andere Voraussetzungen als ich.

So nebenbei machte ich bereits auch Bewegungstherapie bei Ebene 5 L, was mir ja auch Reha bereits empfohlen wurde um meine Polyneuropathie in den Griff zu bekommen. Hat bis jetzt aber leider noch nicht gewirkt. Aber da muss man auch Geduld haben.

Am 35. Tag besuchte ich auch meine Selbsthilfegruppe in Eisenstadt. Tat gut wieder unter gleichgesinnten Menschen zu sein bzw. unter Menschen, die Einen weit besser verstehen, da sie auch Selbst betroffen sind.

Tag 38 und 39 verbrachte ich mit einem guten Freund am Meer. Das Meerwasser war auch sehr gut für mich und auf jeden Fall auch die Luftveränderung. Und auf jeden Fall wars auch eine Abwechslung für mich.

Tag 43 war ich mit Mama einkaufen und in einem guten Restaurant essen unterwegs. Eine sehr schöne Erinnerung.

Am 47. Tag war ich sportlich unterwegs. Ich fotographierte bei X-Cross Lake für ein Magazin in Podersdorf. Der Chefredakteur hat da aber leider meinen Artikel im Mail übersehen, sonst wär er abgedruckt worden. Hat er mir zumindest gesagt…

Und ich drehte erstmals ein Handyvideo mit mir als Hauptperson. Für den TALK ABOUT CANCER Day. Ist gar nicht so schlecht angekommen. 😉

Und danach besuchte ich noch mit einem sehr guten Freund ein Dorf-Fussball-Derby wo ich auch prompt noch den ersten Preis bei einer Verlosung machte. 😉 Einen tollen Geschenkskorb beim Spiel SK Pama – UFC Pama, dass 2:2 Unentschieden endete.

Tag 48 verbrachte ich großteils auf einer Pferderennbahn. Auch eine tolle Abwechslung.

An Tag 49 stand wieder eine Kontrolle im AKH am Programm. Bei der Blutkontrolle war wieder alles in Ordnung und der Vertretungsprofessor war sehr zufrieden mit meinem Gesundheitsverlauf. Er meinte aber, es wär nicht schlecht, wenn ich nochmals auf Reha fahren würde. Zum Muskelaufbau. Wir füllten gemeinsam einen Antrag aus. Bewilligung bis jetzt noch ausstehend. Wurde für Bad Ischl von ihm beantragt. Bin schon mal gespannt.

Tag 51 war ein toller Tag für mich. Ich wurde von Veronika Berghofer vom ORF Burgenland besucht und es wurde ein toller Beitrag über meine Krebsgeschichte gedreht. Vielen Dank nochmals an alle Beteiligte.

An Tag 52 nahm ich an der MedUni Wien an einem Myelom-Lymphom-Symposium teil. War teilweise sehr interessant für mich.

Tag 53 war wieder Sport angesagt. 23,07 km wanderte ich von Dr. Jahrndorf bis nach Wolfsthal auf dem bgld. bzw. noch ungarischer Jakobsweg mit meinem Bruder. War kurzzeitig etwas anstrengend. In Berg auf den Königsberg. Aber die Aussicht und der Turm entschädigte für Alles. Absolut sehenswert!!

Nach einem Tag Entspannung legte ich an Tag 55 nochmals 14 km bei der Waldquelle Wanderung in Kobersdorf mit Freunden nach. Bewegung hilft mir halt am meisten und tut mir immens gut.

Dann kam Tag 61. Im Nachhinein gesehen ein schrecklicher Tag. Und wenn ich die Zeichen zu deuten gewusst hätte, wär vielleicht Alles anders verlaufen. Ich nahm mit meinem Bruder am Little Mammut Marsch in Wien teil. Start 11 Uhr – 30 km waren zu bewältigen. Es regnete die ganze Zeit über… Normal geh ich bei so einem Wetter nicht und pfeif schon vor dem Start drauf. Keine Ahnung warum ich da gegangen bin… Nach 10 km stand ein Schild auf dem “WARUM” stand. Ja, dass kann man jetzt deuten wie man will, aber ich sehe und sah es als schlechtes Vorzeichen bzw. als Omen. Find ich vom Veranstalter (aus Deutschland) auch mehr als fragwürdig, sowas auf einem kräfteraubenden, weiten Marsch schon am Anfang zu platzieren. Normalerweise hör ich bei so einem demotivierten Schild sofort aus. Wenn ich anfange mich nach dem WARUM zu fragen, ist die Motivation dahin. Wer weiß das schon, WARUM man sich sowas antut? Überhaupt wenn die Kilometer mehr und mehr werden und sich bereits die ersten Schmerzen breit machten. Aber vor meinem Bruder konnte ich mir ja keine Blöße geben und ich marschierte im Regen weiter… auch wenn ich nicht mehr motiviert war… und ich kämpfte mich die gesamten 30 km im Regen durch. Auch um mir zu beweisen, dass ich sie schon schaffte? Wahrscheinlich. Unseren Triumpf wollte ich natürlich auch meiner Mama mitteilen. Ich rief gegen 18:15 Uhr bei ihr an. Doch es meldete sich niemand. Na ja, wer weiß, wo sie gerade ist. Wird schon zurückrufen… Ein Irrtum :-(((((

Tag 62 – Der besch…. Tag in meinem Leben!!!

29.September 2019 – Tag der Nationalratswahl. Ich war Ersatzwahlbeisitzer und war schon kurz vor 8 Uhr in der Wahllokal. Ordentlich in Nadel und Zwirn wie es sich gehört. Ich probierte nochmals meine Mama telefonisch zu erreichen. Niemand erreichbar. Na vielleicht war sie ja auch schon auf dem Weg ins Wahllokal. Wir waren ja sowieso im gleichen Sprengel. Mich überkam aber ein ungutes Gefühl. Das ließ mich nicht los und kurz nach 9 Uhr teilte ich meiner Parteikollegin mit, ich müsse bei meiner Mutter kurz nach dem Rechten schaun, da sie sich nicht meldete. Ich ging nach Hause und holte mein Auto  und die Hausschlüssel und fuhr zu meiner Mutter, da sie sich auf Nachfrage bei meinem Bruder auch noch nicht gemeldet hat.

Ich sperrte die Hoftüre auf, ging die Stiegen hinauf und öffnete ebenfalls mit dem Schlüssel ihre Eingangstüre. Ich sah bereits Licht und dachte meine Mutte würde frühstücken. Ein fataler Irrtum. Ich öffnete die Küchentür und ich erstarrte vor Schreck. 🙁 Meine Mutter lag auf dem Boden, zwischen Tisch und Bank und stammelte Unverständliches, da sie mich bemerkte. Ich lief sofort zu ihr und griff im gleichen Moment nach dem Telefonhörer. Ich rief sofort den Notarzt. Ich probierte sie noch zur Seite zu drehen, so gut ich eben konnte. Es war ein Bild des Grauens. Ich hielt ihre Hand fest. Mein linker Fuss zitterte wie Espenlaub. Echt der Wahnsinn. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis der Notarzt bzw. die Rettung eintraf. Mein Bruder war weit schneller, den ich in der Zwischenzeit auch noch schnell verständigte. Dann ging Alles sehr schnell. Auf die Notärztin will ich jetzt nicht weiter eingehen, die eigentlich vor der Rettung am Unfallort sein sollte…. Die war fürn A…. Aber der Chefarzt vom Rettungsauto war super. Die haben das wirklich sehr gut gemacht, aber sie stellten leider sofort einen schweren Schlaganfall meiner Mutter fest. :-(((( Was für ein Horror. Sie wurde schnellstens ins Rettungsauto verfrachtet, von diesem zum bereits wartenden Rettungshubschrauber Christopherus gebracht und in Hochgeschwindigkeit ins Krankenhaus nach Eisenstadt gebracht. Mein Bruder und ich fuhren natürlich sofort nach und verständigten einige unserer Angehörigen davon. Aber es spricht sich auch sehr schnell um, wenn in einem Dorf ein Rettungshubschrauber landet. Ein Tag des Schreckens für mich und dies sollte nicht viel besser werden in den nächsten Tagen. 🙁

Wir fuhren jeden Tag ins Krankenhaus. Es wurde auch kurz besser und wir hatten Hoffnung. Aber von der wurden wir bitter enttäuscht. Meine Mama verstarb am 65 Tag nach meiner Stammzelltransplantation, am 02. Oktober 2019. Psyche war natürlich am Boden und ist sie immer noch, wenn ich daran denke. 🙁

Am 70. Tag, an dem Tag an dem bei uns um 12 Uhr in der evangelischen Kirche das “Ausläuten” war, hatte ich einen AKH Termin inkl. Blutkontrolle. Zum Glück managte Renate, mein Engel vom Dienst, Alles so super, dass ich noch rechtzeitig dazu kam. Herzlichen Dank nochmals dafür!!! 🙂

Der 71. Tag war auch sehr schwer für mich und auch für all meine Angehörigen. Das Begräbnis meiner Mutter. Ein mehr als schwerer Gang für uns Alle. 🙁 Herzlichen Dank an Alle die uns auf diesem Weg begleitet haben. Mehr möchte ich nicht mehr dazu schreiben.

Am 73. Tag musste ich zum PINK RIBBON DAY meiner Selbsthilfegruppe in Eisenstadt. Etwas Ablenkung für mich und es war ja auch für die gute Sache bzw. es war eine Unterstützung im Kampf gegen Brustkrebs und Krebs im Allgemeinen.

Tag 74 war mein 42. Geburtstag. Ein Tag an dem mir nicht nach Feiern zumute war…. Da war ich lieber allein und ich wollte auch nicht wirklich Glückwünsche.

Am 75. Tag hatte ich wieder etwas Abwechslung am Genussfestival in der Villa Vita in Pamhagen. Ein Geburtstagsgeschenk, über dass ich mich sehr freute, mit meinen allerliebsten Verwandten und Bekannten. Es wurde ein wirklich schöner Tag, wo ich einigen Genüssen erlegen bin. 😉

Tag 80 verbrachte ich unter Freunden, Kinobesuch (Joker) allein am Abend inklusive.

An Tag 81 musste ich wieder mal ins AKH Wien. Aber ein besonders wichtiger Tag für mich. Das für mich entscheidende PET-CT stand an. Eine Untersuchung, bei der festgestellt wird, ob Lymphknoten angeschwollen sind. Leider noch bis heute noch kein Ergebnis bekommen.

Tag 82 lenkte ich mich mal wieder mit einem Einkaufsausflug ab.

Am 83. Tag fuhr ich mit Freunden zu einem meiner Lieblingsrestaurants nahe der Donau. Mit ihnen und der tollen Location verbringe ich sehr gerne viel Zeit. Dort ists auf jeden Fall wunderschön.

Tag 86 machte ich einen Ausflug zu meiner Psychologin nach Bad Sauerbrunn. War ein schöner Tag bzw. auch ein schöner Aufenthalt dort.

Am Tag darauf, also an Tag 87 musste ich wieder zur Blutkontrolle ins AKH Wien. Termin bei meiner Professorin, die auch eine Beckenkammbiopsie machen wollte. Mussten wir aber verschieben, da ich verkühlt war. Blutwerte ansonsten soweit in Ordnung. Weitere Behandlungen vorerst noch offen, da wir aufs Ergebnis vom PET-CT warteten und auch auf die Werte von meinem Knochenmark.

Tag 89 verbrachte ich wieder mit meinen Wanderfreunden Walter und Martin. Wir gingen am Nationalfeiertag wieder mit dem Hundeverein Apetlon mit. 8 km sind zwar keine Höchstleistung, schön wars aber trotzdem. 😉

Am 90. Tag testet ich auf Einladung von meiner Cousine Karin ein neues Restaurant. Befindet sich zwar noch im Ausbau, wird aber bestimmt auch toll. Zwar nichts für Vielesser, aber wird seiner Haube gerecht. Uns hats auf jeden Fall geschmeckt und ich denke, dass wir nächstes Jahr bestimmt wieder mal vorbeischauen werden.

 

Heute an Tag 92. war nicht wirklich was Besonderes und ich schreibe an diesem Bericht, den ich heute mal fertigstellen wollte. Schreib eh schon die ganze Wochen dran, da mir immer wieder irgendwer oder was dazwischenkommt. ;-)) Ich weiß schon, dass ich zuviel schreibe, aber so bin ich halt und auf jeden Fall HERZLICHEN DANK an Alle, die meine Berichte auch bis zum Schluss lesen.

Zusammenfassend kann ich sagen, die letzten 90 Tage waren für mich bestimmt alles Andere als einfach. Ich denke, da ist mir auch alles untergekommen was man in so einem Leben auch nur erleben kann. Von Freude, Glück, Trauer und dem Tod meiner Mutter, war leider wirklich Alles dabei. Ich hab also in den letzten 3 Monaten in meinem “neuen Leben” schon sehr viel mitgemacht und ich hoffe jetzt mal, dass ich wieder ein bisschen Glück haben werde. Hatte ich in meinem Leben zwar auch schon genug, aber jetzt würds mir mit dem Pech schon mal reichen. Ich komm mir wirklich schon vor wie der DONALD DUCK, einem Pechvogel sondergleichen. Bitte liebe Fortuna komm endlich wieder zurück!!! Wär schon mal Zeit!!!

Weiters möchte ich noch DOMINIK UNGER gedenken. Einem wunderbaren Menschen, der uns leider ebenfalls verlassen musste. Da muss ich wieder ans Schicksal denken, dass es mehr als ein mieser Verräter ist. Einen 28jährigen, jungen Mann, in der Blüte seines jungen Glückes so aus dem Leben zu reißen???

Da fragt man sich natürlich ob es einen Gott gibt und wo er da wieder war und warum er das zugelassen hat???? Das frag ich mich in letzter Zeit doch schon öfter… Schicksal ist nur eine Ausrede des Menschen um mit dem Geschehenen besser zurechtzukommen.

Aber sowas kann nur das Werk des Teufels sein, der da eingegriffen hat!!! Das Böse ist allgegenwärtig!! Ich bete jeden Tag dafür es zu verdammen!!! Scher dich zurück in die Hölle, wo du hingehörst und lass uns Menschen in Ruhe!!! Ich werde dir trotzen und dich bekämpfen wo es nur geht!!!

Ich hoffe, meiner Mama und Dominik, die bestimmt im Himmel sind, geht es jetzt besser und sie blicken auf uns herab. Sie werden ewig in unseren Herzen und in unseren Erinnerungen, in unserem Tun und Handeln weiterleben, dass ist gewiss.

Werner M. ACHS

KURVENKRATZER – INFLUCANCER