Allerheiligen – Allerseelen und die Frage des Altwerdens

Werner ACHS

KURVENKRATZER – InfluCancer

 

ALLERHEILIGEN – ALLERSEELEN (Totengedenken)

und die Frage des ALTWERDENS

Video zum Text:

ALLERHEILIGEN

Meine Gedanken zu Allerheiligen? Man gedenkt den Heiligen der Kirche. Als strenggläubigen Lutheraner fallen mir auf Anhieb eigentlich gar nicht so viele Heilige bei uns ein bzw. eigentlich gar keiner. Der heilige Martin… Landespatron vom Burgenland, der seinen Mantel geteilt hat und einem Armen gegeben hat. Der heilige Thomas, Namenstag am 21. Dezember und nach dem unser Golser Jahrmarkt benannt wurde. Aber was der getan hat???? Da muss ich mal googeln. Hmmm…. er war einer der Jünger (Apostel), der seine Hand in die Wunde von Jesus legte. Und für den 21. Dezember gibts da dann eigentlich viele Bräuche, die nicht nur an den Thomastag bzw. die Thomasnacht gedenken.

Hier in Wikipedia nachzulesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomastag

Unter Heiligenlexikon.de steht mal Folgendes dazu: “Für Protestanten ist also die Verehrung von Heiligen ob ihrer Lebensleistung – die letztlich immer Gnadengeschenk ist – unbedenklich. Jegliches Handeln, das einer Anbetung nahekommt, ist aber zu verwerfen, weil dies Gottes Exklusivität beeinträchtigt.”
Aha, also gibt es in der evangelischen Kirche nur GOTT als HEILIGEN, ok. 🙂

Ich glaub da gibt es bei der katholischen Kirche sicher weit mehr. Aber keine Ahnung warum. Da werden eben gute Menschen in den Heiligenstand erhoben. Aber ich hab da keinen Dunst wie das so abläuft bzw. ob das der Papst oder irgendein Gremium bestimmt.

 

ALLERSEELEN

Der Tod ist allgegenwärtig. Kommt mir zumindest so vor. Meine Mutter ist erst vor Kurzem verstorben und ich verbringe daher jetzt einige Zeit mehr im Friedhof als mir lieb ist. Ich denke täglich an sie. Auch an meinen Vater (2011 verstorbenen) oder an meine Großeltern. Einen Großvater durfte ich ich leider nicht mehr kennenlernen und an den Zweiten hab ich auch kaum mehr Erinnerungen. Ich kann mich nur mehr erinnern, dass er gern mit seinen Freunden Karten gespielt hat und im Winter immer eingeheizt hat, dass das Ofenrohr geglüht hat. Nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes sondern tatsächlich. Ihm war immer kalt. Lag wahrscheinlich daran, dass er schon mit 18 Jahren als SS-Soldat nach Karelien (Norwegen) in den Krieg musste. War sicher nicht einfach und wer weiß, was er dort noch so alles Schreckliches erlebt hat. Überhaupt wenn ich an meine eigene Zeit beim Bundesheer zurückdenke. Ich hätt mir dort sicher in die Hose gesch…. Ich war zwar auch an der Grenze und habe Diese verteidigt, aber dass ist ganz sicher weit mit absolut nicht heute vergleichbar. Aber wenn ich zu Allerseelen am Grab stehe, kommen in mir solche Erinnerungen hoch. Und zu jedem lieben Menschen, den ich verloren habe bzw. der im Laufe meines 42jährigen Lebens verstorben ist, kommen da die schönsten Gedanken in mir hoch. ZBsp das mir meine Großmutter imme Eis kaufte, ich bei ihr “Mister Ed” oder “The Munsters” im deutschen TV schauen durfte (das wir uns damals nicht leisten konnten) oder sie mir Geschichten von damals erzählte. Das waren immer schöne Erinnerungen. Oder das ich für meine andere Oma immer zum Greißler einkaufen fahren durfte und ich mir da immer auch was kaufen wurde. Ich ihr im Garten beim Pflanzen helfen durfte, im nahegelegenen Weingarten Trauben und auch anderes Obst naschen durfte. Oder das ich mit Papa oft aufs Feld mitfahren durfte, sei es beim Anbauen oder bei der Ernte. In die Weingärten fuhr ich nie so gerne. Aber ich denke er auch nicht. Kellerarbeit war uns immer lieber. Daher fuhren wir beim Lesen auch immer gemeinsam zum Abladen und kosteten auch immer gleich den frischen Sturm vor Ort (als ich älter war). Oder wie ich mit Mamas Tante und Onkel immer zu den Bienen fuhr. Zur Bärenhöhle nach Winden oder zur Zigeunerhöhle nach Jois. Oder einfach auch nur einen Ausflug mit dem Fahrrad zu den Bienen und dann auf ein Eis zum Friedrichshof. Diese Gedanken schwirren mir vor ihren Gräbern so meist durch den Kopf. Erinnerungen über Erinnerungen. Hat jetzt zwar eigenlich mit Krebs nichts zu tun, lenkt aber vom Gedanken ab. Wobei ich auch dazusagen muss, dass wir natürlich auch andere Krebsfälle als mich in der Familie hatten. Aber davon kann man natürlich nicht ausgehen, dass es jetzt Vererbung ist. Erstens wurde das ganz früher ja nicht so genau untersucht und zweitens hatte bestimmt keiner einen ähnlichen Krebs wie ich. Das sag ich so mit einer Gewissheit, da ich doch weit ein seltener Vogel bin. Multizentrisches Morbus Castleman (Lymphdrüsenkrebs) ist ja sehr, sehr selten und in Kombination mit Plasmozytom (Blutkrebs) habens das ja noch nicht mal im AKH Wien gehabt. Also warum sollte das Einer meiner lieben Verwandten gehabt haben, denen ich dieser Tage gedenke?? Ich hab halt einfach nur PECH…. oder was weiß ich. Das werden wir nie erfahren, aber was solls. Ich werd schon damit zurechtkommen, was bleibt mir auch übrig. 😉

Ich geh eigentlich irgendwie gerne hie und da in den Friedhof und dreh u.a. mit meinem Onkel Fritz Moser 😉 eine Runde. Er erzählt mir dann auch von irgendwelchen längst verstorbenen Leuten interessante Geschichten bzw. seine Erlebnisse, Erfahrungen und Erinnerungen mit ihnen. Da lausch ich immer sehr gerne zu. Und so gedenken wir Beide nicht nur zu Allerseelen unseren Toten, nein, auch an sonstigen Tagen des Jahres. Und das sollte man auch.

Klar, für Allerseelen bringen wir Gestecke, Blumen und Kerzen ans Grab um sie so in Erinnerung zu behalten bzw. Ihrer auch zu gedenken. Aber das sollte man auch das ganze Jahr über machen, egal jetzt ob im Friedhof oder anderswo. In unseren Herzen werden sie auf jeden Fall immer sein.

 

Die Frage des Altwerdens…

Ja, natürlich stell ich mir als Krebspatient, an solchen Tagen, diese Frage. Daher auch heute dieses, von mir präparierte, Titelbild. Ich, als alter Mann. Klar, wär das schön, mal so alt zu werden und noch viel mit meinen Freunden zu erleben. Aber wie sind meine Aussichten mit zwei seltenen Krebsarten? Eine die immer wieder kommen wird und eine Zweite die bis dato unheilbar ist. Schwer zu beziffern bzw. in Prozenten zu sagen. Meine Professorin ist zuversichtlich, da sie meint, ich wäre ja noch “jung” und “sehr sportlich”.

Eigentlich bin ich ja ein fauler Sack und mein innerer Schweinehund lässt sich nur sehr schwer überreden Sport zu machen. Da geht es sicher nicht nur mir so. Klar geh ich so oft ich kann (und mag) wandern. Aber das ist ja nicht jede Woche oder täglich. Ich mache viel zu wenig, meiner Meinung nach zumindest. Ich möchte mehr tun, kann mich aber schwer dazu überwinden. Ist ja auch nicht so einfach.

Und daher hab ich mich jetzt in ein Fitnessstudio in unserem Nachbarort eingeschrieben und zwinge mich hiermit dazu, mein Leben etwas zu verlängern bzw. was zu tun. Ich bekämpfe somit den inneren Schweinehund und habe mit heutigem Tage zum Trainieren angefangen. Ich hab mich auch wesentlich frischer und gesünder als an anderen Tagen gefühlt. War aber trotzdem zu Mittag genauso müde wie immer. Fatigue lässt grüßen. Das hält Einem, bei Blutkrebs, ja bekanntlich 10 Jahre lang (nach der Stammzelltransplantation) in Atem. Super Aussicht und sehr lange Zeit. Und ja, ich hab die Angst, dass das zurückkehrt, wobei ich ja noch in Ungewissem bin, ob die Stammzelltransplantation geholfen hat oder nicht. Hab ja noch kein Ergebnis vom zuletzt gemachten PET-CT und auch das Ergebnis der Beckenkammbiopsie liegt noch nicht vor. In vier Tagen ist es aber dann soweit bzw. ich muss sie ja erstmal machen. Musste ich ja zuletzt wegen einer Verkühlung verschieben. Und ja, ich hab auch etwas Angst davor, weil ich haargenau weiß, wie weh das tut bzw. tun wird. Aber damit muss ich zurechtkommen und das bleibt mir leider nicht erspart. Den genauen Ablauf werd ich sicher in ein paar Tagen schildern, wenn ich sie wieder (hatte ich bereits zweimal) hinter mir habe. Aber ich hab doch schon etwas Bammel bzw. einen gewissen Respekt davor, dass ist aber normal. Ich weiß ja, wie die abläuft und das ist schon ein kleiner Vorteil, der Schmerz beim Entnehmen des Knochenmarks bleibt mir aber leider nicht erspart.

Wie auch immer und ich schätz mal, auch dabei, werde ich mir die Frage des Altwerdens stellen. Und auch da wird sie mir genauso unbeantwortet bleiben. Wie jedem anderen Menschen auch und das ist wahrscheinlich gut so.

Aber möchte ich überhaupt alt werden? Das ist natürlich auch eine Frage die man sich stellt. Wenn ich manche alte Menschen im Altersheim oder im Rollstuhl sehe, denk ich mir natürlich oft, dass das ein Horror für mich wäre, wenns mir auch so gehen würde. Oder wenn ich an die Zukunft unseres Landes denke, da wird mir gleich schlecht. Ich will jetzt sicher nicht schwarzmalen, aber irgendwie kommt es mir vor, als würde Alles immer schlechter oder teurer werden. Kann aber natürlich auch Einbildung sein. Eine liebe Cousine von mir meint auch, ich sehe viele Dinge immer etwas zu schwarz und zu negativ. Durchaus möglich. Dabei sind wir eh in einem tollen Land geboren und aufgewachsen. Wir hättens auch weit schlechter treffen können. Aber darüber könnte man ja ewig philosophieren und ich will euch ja nicht weiter langweilen. Ich wollte einfach nur mal meine Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen mit euch teilen.

Und ob ich jetzt alt werde oder nicht, ich kann durchaus sagen, dass ich bis jetzt ein ganz gutes Leben hatte, von dem Viele nur träumen können. Glück und Pech liegen oft nahe beinander oder halten sich die Waagschale. Und ich hatte doch auch viel Glück in meinem Leben, auch wenns momentan nicht so aussieht. Auch wenn ein gewisser Jemand meint, er hätte weit mehr erreicht als ich, nur weil er eine Familie und ein Haus (selber bezahlt – mit Schulden) hat, so muss ich ihn enttäuschen. Mein Leben ist eben nur weit anders verlaufen als Seines und ich habe ebenso genug erreicht, von dem er gar keine Ahnung hat oder er das vielleicht anders sieht. Sicher hätte ich es mir auch zeitweise anders vorgestellt, aber es läuft eben nicht immer so, wie man es sich wünscht. Man ist zwar seines Glückes Schmied, doch kann man es nicht immer beeinflussen. Es hätt auch weit schlimmer verlaufen können, daher bin ich eben zufrieden, so wie es ist. Auch wenn ich momentan nicht die besten Voraussetzungen habe und an einem Altwerden eher zweifle. Und daher werd ich mich auch nicht verstecken und mein Leben leben, wie wenn jeder Tag mein Letzter wäre.

In diesem SINNE 😉

Euer

Werner M. ACHS

KURVENKRATZER – InfluCancer