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BECKENKAMMBIOPSIE – WERNER ACHS – Leben mit seltenem Krebs

Werner M. ACHS

KURVENKRATZER – InfluCancer

LEBEN mit seltenem KREBS

 

BECKENKAMMBIOPSIE

Gestern am Dienstag, 05. November 2019 war es mal wieder soweit. Meine bereits 3. Beckenkammbiopsie seit meiner Ersterkrankung 2015 stand an.

Und da ich haargenau wusste, wie sowas abläuft, hatte ich auch schon etwas Bammel davor. Na ja, oder sagen wir mal einen gewissen Respekt. Oder man kann es auch ein bisschen Angst nennen. Ich gebs eh zu.

Wenn man vorher schon weiß, dass diese Untersuchung schmerzhaft enden wird, kann man schon ein bisschen ängstlich sein. Aber uns Männern wird ja von Haus aus nachgesagt, wir seien sehr wehleidig. Ja, wird schon stimmen. Aber diese Beckenkammstanze, wie sie auch genannt wird, hat es wirklich in sich. Und das steht auch in der Information, die man vorher noch unterschreiben muss. Das AKH muss sich ja auch absichern, eh klar. Ich weiß aber nicht, ob es einen Unterschied ausmacht, ob ein Mann oder eine Frau diese Untersuchung mit Einem durchführt, aber ich bild mir auf jeden Fall ein, dass da Frauen sensibler dabei vorgehen. Lehrt mich zumindest die Erfahrung.

 

Liegend in die Zukunft starrend? Der Anblick einer Wand reichte auch…

 

Meine erste Knochenmarksentnahme im KH Eisenstadt

Meine erste Beckenkammbiopsie, bei der Knochenmark entnommen wird, fand in unserer Landeshauptstadt statt. Da kann ich mich noch gut erinnern, da sie mir in sehr schmerzhafter Erinnerung geblieben ist. Sie wurde von einem schon etwas älteren Herrn Professor durchgeführt und der ging nicht gerade zimperlich mit mir um.

Zuallererst musste ich mich auf einem Bett auf den Bauch legen. Danach wurde ich am Hintern bzw. dort wo der Beckenknochen ist, rundherum betäubt. Ich denke mit einer Spritze, genau gesehen hab ichs ja nicht. Nur gespürt. Wie kleine Mückenstiche. So weit, so gut. Und so nebenbei machte sich dann auch die Angst breit. Der Professor meinte ja, es werde einen kurzen, sehr schmerzhaften Stich geben, wenn er das Knochenmark herauszieht. Der Schweiß rann mir schon vom Kopf wie ein Wasserfall. Ich kam mir vor wie eine Schildkröte, die am Rücken liegt. Ich lag aber am Bauch und konnte auch nicht aus. Die Schwester bemerkte sofort wie es um mich geschehen war und sie versuchte mich abzulenken. Sie fragte, ob ich einen Golser namens Matthias Achs kenne? Einen ziemlich großen Mann. Natürlich!! Sicher kannte ich ihn. Wir sind sogar um ein paar Ecken verwandt irgendwie. Aber genau in diesem Moment mochte ich nicht so recht an ihn denken!!! In voller Erwartung des Schmerzes. Und der schlug auch ein wie ein Blitz, wie ein Donnerschlag!! Da half auch kein Ablenken der Schwester, die mit Matthias mal zu Jugendzeiten in Eisenstadt unterwegs war. Aber es war ja gut gemeint. Half aber leider nicht. Aber ich überstand es und hoffte nie wieder sowas machen zu müssen. Danach wurde die Wunde versorgt bzw. versiegelt und ich musste 2 h im Krankenbett mit zwei Sandsäcken auf meinem Rücken, liegend am Bauch, verharren. Und meine Mutter, die ich als Fahrerin mithatte, da ich nicht selbst fahren durfte, musste leider auch solange auf mich warten. So lief es im Landeskrankenhaus ab.

 

Das Werkzeug des Teufels… Nein!!! Aber man kommt sich vor wie beim Mechaniker 😉

 

Meine zweite Beckenkammbiopsie – dieses Mal im AKH Wien

Meine zweite Erfahrung mit einer Beckenkammbiopsie fand ca. 3 Jahre später, also vor ungefähr einem Jahr statt. Ich musste schon mal tief durchatmen, als ich hörte, ich müsse wieder so eine wundervolle Untersuchung machen. Die Angst davor war wieder mehr als nur präsent. Auch nicht unbegründet, wie mich ja die Erfahrung von der ersten Biopsie lehrte. Sie lief ja im Prinzip auch fast gleich ab. Nur das es dieses Mal kein Mann, nein, dieses Mal machte meine Professorin die Untersuchung selbst. Da 2 Wochen davor ein Vertretungsprofessor kläglich versagte bzw. er aus fadenscheinigen Gründen (irgendein Blutwert fehlte) die Biopsie bei mir nicht durchführen wollte. War aber so eh besser. Sogar die Krankenschwester, die als Beihilfe bei solchen Biopsien abgestellt sind, lobte meine Frau Professorin, wie super sie das gemacht hatte. Am Bauch liegend, wurde ich rundherum um den Beckenknochen betäubt und dann wurde nach kurzer Wartezeit gleich wieder gebohrt. Schmerz verspürte ich da ja auch nicht wirklich. Ich wusste zwar, dass Frau Professor hinter meinem Rücken umwerkte, tat mir aber nicht wirklich weh. Der Schmerz sollte erst kommen. Kurzer Schnitt mit dem Skalpell, so ca. 1 cm lang, dann wurde auch schon gebohrt. Und durch das gebohrte Loch kam dann eine Hohlnadel rein, mit der das Knochenmark abgesaugt werden sollte. Und genau das verursachte bei mir dann einen heftigen, kurzen, aber wirklich intensiven Schmerz. Das war, wie wenn ein Blitz in meinen Körper fuhr. Genau von der Stelle wo gebohrt wurde, bis in meine große Zehe. Echt irre und natürlich schwitzte ich wieder. Aber nicht ganz so arg wie beim ersten Mal in Eisenstadt. Und froh und dankbar war ich, als ich das Ganze wieder überstanden hatte und in der Hoffnung, dass nie, nie, nie mehr wieder machen zu müssen.

 

Galgenfrist wegen einer Verkühlung

Denkste… Am 7. Oktober erläuterte mir Frau Professor, dass wir ein PET-CT machen müssten…. und…. der Kanditat hat 100 Punkte… eine Beckenkammpunktation… Pffffff!!!! Na ja, was bleibt mir schon übrig. Was sein muss, muss eben sein. Auch wenn ich nicht gerade begeistert davon war. PET-CT macht mir im Gegensatz zu dieser Untersuchung ja überhaupt nix. Oder eine Bestrahlung, die ist ein Klacks dagegen. Wir fixierten für 24. Oktober diese, für mich leidvolle Untersuchung. Und dann kam auch schon der Tag. Aber…. da ich etwas verkühlt war…. verschoben wir um zwei Wochen diese Beckenkammbiopsie. Da war ich irgendwie doch etwas froh, noch einen Aufschub zu bekommen bzw. Galgenfrist. Aber ich wusste auch, dass sie mir nicht erspart blieb. 🙁

 

BECKENKAMMBIOPSIE Nummero TRE 🙂

Und vorgestern, am 5. November wars dann wieder soweit. Beckenkammbiopsie Nr. 3 stand an. Es gab kein Entrinnen mehr. Davor war ich noch eine halbe Stunde auf der Abteilung für physikalische Medizin, zum Bewegungstraining wegen meiner Polyneuropathie (taube, brennende Füße – Chemonebenwirkung). Das Training war eigentlich teilweise sehr angenehm. Teilweise… Physiotherapeuten verursachen meist Schmerzen, aber damit die ursprünglichen Schmerzen weniger werden bzw. ganz verschwinden. Man muss sich dazu auch immer etwas Entspannen. Und genau dieser Entspannung bei der Bewegungstherapie hab ich es zu verdanken, dass ich fast ohne Schmerzen bei der Beckenkammbiopsie davongekommen bin. Der Ablauf war ja im Prinzip derselbe wie bei den vorangegangen zwei Biopsien, die ich in meinen letzten Jahren, durchmachen musste. Bauch legen, betäuben rundherum um den Beckenknochen und dieses Mal auch doppelte Vereisung. Keine Ahnung, ob ich die letztes Mal auch hatte. Frau Professor werkte wieder hinter meinem Rücken und erzählte mir auch genau was sie machte. Ich gebot ihr Einhalt und meinte, es wäre besser sie würde es mir nicht sagen und einfach rumwerken. Wir unterhielten uns über andere Dinge und ich war wesentlich entspannter. Und ich denke, genau diese Entspannung half mir und ich verspürte dieses Mal keinen wirklichen Schmerz oder Stich oder auch Blitz in mir. Auf einmal war sie fertig. Ich war natürlich etwas verduzt, aber auch heilfroh, dass Alles wieder vorbei war. Das hatte sie echt super hinbekommen!! Einsame Klasse!!! Für mich ein Champions-League-Sieger!!! Glorreich und ungeschlagen!!! Meisterhaft!!! Mir gehen hier die Superlative aus, so begeistert war und bin ich noch, wie toll das meine Professorin hinbekommen hat. Und das nimmt mir auch etwas die Angst vor einem nächsten Male. Dem seh ich jetzt lockerer und entspannter entgegen.

 

Dieses rote Ding stammt aus meinem Knochen (!!)

 

Wozu überhaupt eine BECKENKAMMBIOPSIE?

Zu einer Diagnose und Verlaufskontrolle eines Plasmozytoms – Blutkrebs (in meinem Fall zur Verlaufskontrolle – es gibt verschiedene Formen von Leukämie, wo das auch angewendet wird).

 

ZUVERSICHTLICH und cool – Warten auf das Ergebnis

Klar, könnt ich jetzt noch zittern, ob des Ergebnisses der Untersuchung meines Knochenmarkes. Aber da bin ich genauso zuversichtlich wie bei dem PET-CT-Befund, auf den ich auch warte. Was soll da schon Großartiges noch sein? Ich fühl mich fast gesund (bis auf die Polyneuropathie und ein paar Kleinigkeiten) und schon ein bisschen fitter. Obwohl ich gestern erst in der Früh so richtig k.o. war. Keine Ahnung, ob dass jetzt eine Nebenwirkung ist, von der Punktation, aber ich bin erst so gegen halb zehn Uhr aufgestanden, weil ich so müde und erledigt war. Aber ich denk mal. Durfte ja auch 1-2 Tage nicht baden bzw. duschen wegen der Wundverheilung und auch nicht ins Fitnessstudio gehen oder mich sonst irgendwie überanstrengen. Bis jetzt (Anm. 00:38 Uhr) gehts mir ganz gut dabei. Ausser das mich jetzt auch eine gewisse Müdigkeit überkommt. Aber bestimmt normal nach so einer Untersuchung. So ist auf jeden Fall das Ganze abgelaufen und ich hab es auch wieder überlebt bzw. überstanden!! 🙂

VERDAMMT, ICH LEBE NOCH!!! 😉 Was für eine Freude. Aber auch wenn ich es dieses Mal wirklich gut überstanden habe, hege ich doch eine gewisse Abneigung gegen die Wörter “Biopsie” bzw. “Punktation”. Diese Beiden verbinde ich leider immer wieder mit Schmerzen. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Krebspatienten, gehts mir eigentlich ganz gut. Zumindest fühl ich mich halbwegs so und das ist bestimmt auch ganz gut so.

Das Ergebnis der Beckenkammbiopsie geb ich auf jeden Fall spätestens am 4. Dezember bekannt. Und natürlich auch das des PET-CTs. Und NEIN, ich hab keine Angst vor dem Ergebnis, da meine letzten Blutwerte vielversprechend waren.

 

Zuversichtlichst EUER … 😉

 

Werner M. Achs

KURVENKRATZER – InfluCancer