Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Kontrolltag nach autologer Stammzelltransplantation – Werner ACHS – Leben mit seltenem Krebs

Tag 25 nach meiner autologen Stammzelltransplantation

3 h Wartezeit mit Schutzmaske

Freitag. 23.08.2019 – Auf ins AKH Wien

Um 7 Uhr werd ich von einer meiner Lieblingskrankentransportfahrerinnen von unserer Trafik abgeholt. Dort ist immer unser Treffpunkt. Ist nicht weit von meinem trautem Heim entfernt und ich brauch immer was zum Lesen mit im AKH, um die langen Wartezeiten zu überbrücken. Dieses Mal hoffte ich aber doch auf eine Kürzere, da ich ja doch erst die Transplantation hatte und mit Mundschutz wegen der Keime und Bakterien rumlaufen musste. Natürlich auch im Krankentaxi tragen, da ist es ja doch besonders heikel, weil viele kranke Menschen mitfahren. Daher war ich zuversichtlich, dieses Mal nicht so viel Zeit im AKH zu verbringen, was aber wieder mal ein Irrglaube war.

Wir kamen so gegen 7:45 Uhr, nach einer ziemlich problemlosen Fahrt, ohne viel Stau auf der A4, wohlbehalten im Krankenhaus, an. Das ist ja nicht immer selbstverständlich, da es einige Baustellen am Weg dorthin gibt und es auch oft vorkommt, dass Unfälle passieren, die dann kilometerlange Staus verursachen. Meistens ist es an Montagen so, daher versuche ich oft, keine Termine an diesem heiklen Tag zu bekommen. Auch weil ich an Montagen nicht mag. An “I don’t like Mondays” von Bob Geldof und seinen BoomTown Rats (1979) ist was dran.

Zum Reinhören: https://www.youtube.com/watch?v=-Kobdb37Cwc&feature=youtu.be

Wobei ich mit dem gestrigen Freitagstermin auch nicht gerade glücklich war, da am Wochenende ja viele Pendler von Wien ins Burgenland nach Hause fahren und meist Staus und Unfälle vorprogrammiert sind. War aber gestern zum Glück nicht der Fall.

Ich marschierte gleich schnurstracks zu meiner Stammabteilung, 6i Hämatologie, hin und meldete mich an. 8:30 Uhr Termin beim Vertretungsprofessor, Blutabnahme und Besprechung, an. Meine Professorin hatte einen Urlaubstag.

Blutabnahme in der roten Wartezone

Wie immer ab zur Blutabnahme in den roten Wartebereich. Ich sollte mich aber gleich in den seitlichen Bereich der Zone begeben, da dort weniger Menschen (Keime und Bakterien) sind. Die nette Dame von der Leitstelle meinte noch, sie werde meinen Akt markieren, damit ich früher drankomme… Bla bla bla… Ich wartete trotzdem eine geschlagene Stunde, also auch nicht viel weniger als sonst, bis ich endlich zur Blutabnahme aufgerufen wurde. Hatte ja zum Glück einige Zeitungen mit. Und es kamen einige Personen vor mir drann, die ganz sicher nach mir gekommen wären. Keine Ahnung, was die da immer für ein System haben, aber schneller ging da Nichts. Egal, neben mir wartete auch ein Ehepaar, wo der Mann ebenfalls eine Stammzelltransplantation hatte und wir kamen so nebenbei ins Plaudern, was uns auch etwas die Zeit verkürzte. War auch ein sehr interessantes Gespräch, ist immer wieder gut, sich mit anderen Patienten auszutauschen. Der Mann bekam von seinem Bruder eine Stammzellenspende und war insgesamt 6 Wochen auf Ebene 21 im roten Bettenhaus auf der KMT-Abteilung. Ich war froh, bereits nach 19 Tagen da endlich rauszukommen.

Warten auf die Besprechung beim Vertretungsprof

Nach der Blutabnahme (inkl. Harnabgabe) war wieder Wartezeit angesagt. Da war es schon nach 9 Uhr. Wozu ich einen Termin um 8:30 Uhr hatte, war mir rätselhaft. Das Ehepaar kam ziemlich schnell bei Professor K., von der Knochenmarksabteilung dran, und war so um halb zehn Uhr eine Staubwolke. Ich wartete weiter. Um zehn Uhr wurde es mir dann schon zu bunt, ich sprang auf und marschierte, auch wegen meiner Polyneuropathie (taube Füße), schon ungeduldig hin- und her. Sicher gut, so lange warten zu müssen, an einem Ort, wo es von Keimen und Bakterien nur so wimmelt. Mir reichte es schon, daher suchte ich mal die Leitstelle auf, um höflich nachzufragen. Der Professor hätte 3 Knochenmarkspunktationen, daher dauerte es etwas länger. Ich solle mal vor seinem Zimmer Platz nehmen, er habe sich schon einen Stoß Patientenakten geholt und es könne nicht mehr lange dauern. Geht in Ordnung.

Das “nicht mehr lange” dauerte noch eine weitere geschlagene Stunde und es war schon kurz nach 11 Uhr, als ich von Professor H. endlich aufgerufen wurde. Er fragte nach meinem Befinden und blätterte in meinem Akt. Dabei stellte der Professor fest, dass meine letzte Knochenmarkspunktation bereits im Juli 2018 datierte. “Oh Gott, bitte keine Punktation bei mir” dachte ich. Die Letzten hatte ich doch noch in sehr schmerzhafter Erinnerung. Wobei die im AKH nicht ganz so schlimm war, als die im KH Eisenstadt. Ist sicher ein Unterschied obs ein Mann oder eine Frau macht. Hier im AKH machte sie meine Stammprofessorin und die ist echt gut. Den stechenden Schmerz bis in die Zehenspitzen, konnte aber auch sie mir nicht nehmen. Zum Glück kam Professor H. von dieser Idee wieder ab und meinte dann, dass ein PET-CT für mich wichtiger wäre und füllte gleich ein Formular aus. Termin etwa so in 3-4 Wochen. Ablauf war mir eh bekannt, wäre ja nicht mein Erstes. Mit meinen Blutwerten war er sehr zufrieden und ging auch nicht näher drauf ein. Er gönne mir jetzt mal 3 Wochen Erholungspause und einen weiteren Termin soll ich mit meiner Professorin ausmachen. Nach dem PET-CT würde dann meine Therapie weitergehen. Zyklus 8 nehm ich jetzt dazu mal an. Er stellte mir noch ein Rezept mit Tabletten Duloxetin aus und wünschte mir noch einen schönen Tag und alles Gute. Ich bedankte mich, wünschte ihm Dasselbe und schon war ich dahin.

Home sweet Home 😉

Eine Stunde später sollte ich schon wieder in meinem geliebten Heimatort sein. Kurz noch einen Sprung in die Apotheke um meine Tabletten zu holen und dann Absetzung bei meinem guten Freund dem Kirchenwirt. Ich genehmigte mir ein Freitags-Fischmenü inkl. Leberknödelsuppe (obwohl ich wegen der Hygiene – Stichworte: Keime und Bakterien, ja eigentlich in Restaurants nichts Essen sollte). Ich war zu müde und zu erledigt, um zu Hause noch etwas zu kochen.

Um 14 Uhr fiel ich daheim ins Bett und schlief den Schlaf der Gerechten und war glücklich in meinen eigenen 4 Wänden zu sein. So ein Tag im größten Krankenhaus Wiens, schlaucht eben.

Somit hatte ich auch den bereits 45. Tag, im AKH in diesem Jahr, hinter mich gebracht.

Ich wünsche Allen ein schönes und vor Allem ein erholsames Wochenende! 🙂

Alles Liebe
Werner

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