Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at
Experten der Krise

Die Isolationstipps der Krebsblogger

Ängste. Sorgen. Isolation. Das Coronavirus stellt die Menschheit vor ungewohnt neue Aufgaben. Als KrebspatientIn musst du jetzt vielleicht schmunzeln. Denn das, was wir alle zurzeit durchmachen, war oder ist für dich der ganz persönliche Alltag. Wir haben euch gefragt, wie ihr mit der aktuellen Situation umgeht.

Daheim sitzen, wenn man eigentlich lieber draussen wäre. Sich schonen müssen, wenn andere aktiv sein dürfen. Krankenhausaufenthalte statt Schwimmbadbesuche. Infusion statt Eiscreme. Kotzen statt Lachen. Quarantäne statt leben.

Viele von euch haben solche und ähnliche Situationen schon durchmachen müssen. Ihr seid daran fast verzweifelt, habt vielleicht sogar den Mut verloren, weiterzumachen.

Das Leben ist verdammt unfair.

Aber wisst ihr was? Ihr seid daran auch gewachsen. Habt Chancen ergriffen, wo andere nur Verzweiflung gesehen haben. Habt aus eigener Kraft Hoffnung geschaffen, wo euch gesagt wurde dass es keine gibt.

Ihr seid die ExpertInnen der Krise. Denn ihr wisst um die Gefahr, seid aber nicht hysterisch. Ihr informiert euch, ohne euch verrückt zu machen. Ihr bleibt ruhig, wenn andere verzweifeln. Aus diesem Grund haben wir euch gefragt, wie es euch mit der aktuellen Situation geht, wie ihr die nächsten Wochen verbringt und was ihr gerne mit anderen teilen möchtet.

Eure Botschaften waren überwältigend.

ISABELLA

„Die derzeitige Situation ähnelt der Situation, in der ich mich die letzten Jahre befand. Ich selbst war während meiner Stammzellentransplantation drei Monate lang in einem Isolierzimmer eingesperrt und danach 1,5 Jahre stark immunsupprimiert.

Keine Restaurants.
Kein shoppen gehen.
Keine Cafés.
Keine Menschenansammlungen.
Keine Besuche von Freunden.

Von den unzähligen Hygienevorschriften, die wir zuhause einhalten mussten, fange ich gar nicht erst an. Es gab für mich zwei Jahre kein soziales Leben. Ich musste mich vor allen Viren, Keimen, Schmutz und Staub schützen.

In dieser Zeit war ich todkrank. Mein Fokus richtete sich einzig und allein auf das Überleben.
Ich bastelte ich mir ein „Visionboard“. Auf dieses Board klebte ich Bilder mit Dingen, die ich irgendwann wieder machen und erleben werde. Gedanklich begab ich mich oft in diese Welt „danach“. Und ich fühlte mich hinein, wie schön es wieder werden wird.

Magazin Isabellas_Isolationstipps
Isabella vor der Chemo
Magazin Isabellas_Isolationstipps Scaled Aspect Ratio
Magazin Isabellas_Isolationstipps Scaled Aspect Ratio

Auch heute fokussiere ich mich auf das „Leben danach“: Ich stelle mir vor, wie schön es sein wird, wenn ich wieder meine Freundinnen sehen oder in ein Café gehen darf und wie unfassbar lustig es wieder werden wird.

Eines kann ich euch da draußen versprechen: Auch diese Krise geht vorbei. Und danach wissen wir alle zu schätzen wie schön es ist, wenn man wieder ein soziales Leben haben darf. Das Gefühl, als ich nach zwei Jahren das erste Mal mit meinen Freundinnen unterwegs war, war einfach unbeschreiblich. Und noch heute ist es für mich unfassbar schön, wenn ich wieder ohne Gefahr in ein Kaffeehaus gehen darf.

Was mir damals und heute hilft ist ein Kapitel aus dem Mentaltraining. Damals und auch heute halte ich mich mental stark. Dazu nutze ich Affirmationen. Das sind positive, powervolle Aussagen für dein Unterbewusstsein. Mit Affirmationen kannst du neue, positive Gedanken in deinem Unterbewusstsein verankern und gezielt positive Gefühle erzeugen.

Ich bin von der Kraft der Gedanken auf unseren Körper überzeugt. Wenn sich die DNA durch Gedanken und Gefühle verändert, dann hat es auch Auswirkungen auf unsere Zellen und den ganzen Körper (Was ja heute schon wissenschaftlich belegt ist).

Damals war es mein einziger Wunsch zu überleben und gesund zu werden. Ich weiß noch, in meiner Zeit während ich im Isolierzimmer eingesperrt war, affirmierte ich rund um die Uhr. Ich stellte mir gedanklich vollste Gesundheit vor. Dachte gar nicht mehr an Krankheit und Krebs. Was eigentlich völlig absurd war, denn ich hatte Krebs im Endstadium und wurde von den Ärzten schon abgeschrieben. Aber der Glaube versetzt ja schließlich Berge.

Heute sage ich mir gezielt: Es geht vorbei. Ich bin sicher. Ich bin immun. Wir schaffen das. Ich bin beschützt. Natürlich geht es mir auch manchmal schlecht. Denn ich gehöre zur Risikogruppe.
Ich muss ehrlich zugeben, es kommen viele Bilder aus meiner immunsupprimierten Zeit wieder hoch. 2020 wäre für mich das erste Jahr (seit 2017) ohne Einschränkungen gewesen. Da mein transplantiertes Immunsystem noch nicht 100%-ig arbeitet und meine Lunge durch die unzähligen Chemos gelitten hat, habe ich natürlich auch Angst.

Was hilft mir da?
Ich mache Atemübungen. Ich atme ganz fest in meinen Bauch hinein. Mache einen „Bodyscan“ und verbinde mich wieder mit mir selbst. Ich fokussiere mich auf meinen Atem. Diese Art der Meditation lässt sich gut durch die App „Headspace“ erlernen.

Ansonsten gibt es noch viele andere Meditationen wie z.B. eine Traumreise, mit der ich mich gedanklich in einen Ort begebe, wo ich mich so richtig wohl fühle. Mein ganz persönlicher Kraftort. Ich denke es ist wichtig Ängste und Sorgen zuzulassen. Ja sie sind da, das ist okay, aber es sind nur Gedanken. Danach verabschiede ich diese Gedanken wieder und nutze meine positiven Affirmationen. Und sollte ich mal wieder einen Angstschub haben, dann gibt es noch die EFT-Klopftechnik. Hierbei klopft man gezielt bestimmte Meridiane. Man klopft die Ängste einfach weg.

Musik höre ich zudem am allerliebsten. Das habe ich auch damals in meinem Isolierzimmer getan. Ich lachte und tanzte mit meinem Infusionsständer. Das erzeugt Glückgefühle und macht Spaß.

Und wisst ihr was? Oft hilft es, einfach mal alles aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Heute möchte ich ohne die Erfahrungen, die mir mein Krebs beschert hat, nicht mehr sein. Ich bin ein völlig anderer Mensch, der ich ohne meine Krankheit nie geworden wäre.
Und auch in der Corona-Krise gibt es positive Seiten.

Versucht es doch mal mit einem Dankbarkeitstagebuch: Schreibt euch jeden Tag drei Dinge auf, wofür ihr dankbar seid. Das kann alles sein: Von der Familie über Essen bishin zu Wohnung oder Kleidung, … Das erzeugt nachweislich ebenfalls positive Gefühle. Während meiner 2-jährigen Quarantänezeit habe ich das jeden Tag gemacht. Und ich tue es noch heute. Man wird dann einfach dankbarer für das Wesentlichste im Leben. Und plötzlich sieht man alles aus einem anderen Blickwinkel. Man sieht all die schönen Dinge, die wir haben.

Fokussiert euch auf die Konstanten, die ihr trotz allem habt. Auch mir ist es gelungen, trotz Krebs und schwerer Krankheit immer positiv zu bleiben und Dinge zu finden, für ich dankbar sein kann. Vom Sudern und Jammern wurde noch niemand gesund. Im Gegenteil: Das erzeugt nur negative Gefühle, die alles nur noch schlimmer machen.

Und zu guter Letzt: Fakten JA, Schlagzeilen NEIN. Ich höre mir die Fakten von Corona an. Alle unnötigen Schlagzeilen in den Zeitungen meide ich bewusst.

Ich wünsche Euch alles Liebe. Haltet durch, es wird sich lohnen.“

Isabella

Isabella – New Life Loading

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