Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at
Kurvenkratzer-Interview

Sanaso: Die Psychoonkologie ist im digitalen Zeitalter angekommen

Sanaso hat sich auf die Fahnen geheftet, qualifizierte psychoonkologische Beratung für Krebsbetroffene und ihre Angehörige zu vermitteln. Das Motto: “Psychoonkologie jetzt.” Im Mittelpunkt der Idee steht dabei der einfache und vor allem rasche Zugang zu qualitativ hochwertiger seelischer Unterstützung in herausfordernden Zeiten. Philipp Albrecht, Geschäftsführer von Sanaso, hat uns mehr erzählt.

Philipp, erzähl uns doch ein bisschen von Sanaso. Was steckt dahinter?

Sanaso ist eine neue, digitale Initiative im deutschsprachigen Raum. Ganz konkret geht es um “Tele-Psychoonkologie”. Sanaso bietet Menschen, die an Krebs erkrankt sind und ihren Angehörigen raschen Zugang zu psychoonkologischer Begleitung und Therapie. Auf der Sanaso-Plattform können sich interessierte Betroffene und Angehörige sehr einfach bei Sanaso melden und zwar mittels e-mail oder direktem Anruf. Das ist der Startschuss für unser Sanaso-Team! Wir melden uns umgehend bei den Betroffenen und organisieren in den nächsten 2 bis maximal 7 Tagen eine online stattfindende Beratungseinheit mit zertifizierten PsychoonkologInnen.

Diese erste Beratungseinheit ist kostenlos. Es ist ja ganz wichtig, das die Chemie zwischen den Ratsuchenden und den BeraterInnen stimmt. Das kann im ersten, kostenlosen Termin gut überprüft werden. Auch die Folgetermine können wir mit Euro 40,– für eine Beratungseinheit von 60 Minuten günstig anbieten. Warum ist das möglich? Wir haben letztes Jahr für unser Projekt eine Start-Finanzierung vom Austria Wirtschaftsservice erhalten. Das ist toll und wir sind auch weiterhin auf Suche nach Förderungen und Sponsoren, denn unser Ziel ist es, psychoonkologische Begleitung leistbar und niederschwellig für viele Betroffenen anzubieten.

Wie kommt man als Start-up Gründer aus dem MedTech Segment auf die Idee eine Initiative wie diese zu gründen?

Als Gründer und CEO der HappyMed beschäftige ich mich intensiv mit Gesundheitsthemen. Die Idee für die HappyMed Videobrille – eine Kinobrille für Patient*innen, die für Ablenkung und Entspannung während schmerzhafter medizinischer Eingriffe sorgt – ist durch ein persönliches Erlebnis entstanden: Ich hatte eine sehr schmerzhafte Wurzelbehandlung bei meinem Zahnarzt, in mehreren Sessions wurde da “interveniert” und ich hab mir damals einfach gedacht, das gibt es doch nicht, dass ich da mit meinem Schmerz alleine bin, so kam es mir jedenfalls vor. Ich habe dann mit einer kleinen Gruppe an begeisterten FreundInnen und KollegInnen solange an dieser Idee gefeilt, dass schließlich ein Business daraus entstanden ist. Mittlerweile haben wir damit über 100.000 PatientInnen geholfen und sind in mehreren europäischen Ländern vertreten. Unsere Philosophie war dabei immer Psychologie, Wissenschaft und Technik sinnvoll zu kombinieren.

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Philipp Albrecht, Geschäftsführer bei Sanaso

Bei schmerzhaften Prozeduren zeigt sich z.B., das PatientInnen durch die Anwendung der Videobrille weniger Schmerzmittel oder Medikamente zur Sedierung benötigen. Das ist ein tolles Ergebnis. Es gibt auch zahlreiche Studien, die die positive Wirkung beim Einsatz audiovisueller Methoden belegen. In den Krankenhäusern sind wir mit der HappyMed-Videobrille daher in Schmerzzentren und Anästhesieabteilungen vertreten. Unter anderen wurden wir dann auch in Richtung Onkologie-Abteilungen empfohlen, denn auch hier gibt es zahlreiche “Prozeduren” wo sich PatientInnen eine Ablenkung wünschen würden, von der alle profitieren. Um die Bedürfnisse in diesem für uns neuen Bereich besser zu verstehen, haben wir uns mit Betroffenen und Angehörigen, mit BehandlerInnen und Pflegepersonal auseinandergesetzt um einen möglichst guten Einblick zu erhalten. Es hat sich schnell herausgestellt, dass neben einer optimalen medizinischen Behandlung der seelische Bereich für Krebsbetroffenen einen großen Unterschied machen kann. Wenn man so will sind wir mit der Videobrille im Akut-Bereich tätig und mit Sanaso und der Tele-Psychoonkologie möchten wir die Lebenssituation von Betroffenen und Angehörigen langfristig und dauerhaft verbessern! Das ist unser Ziel.

Was möchtest du mit Sanaso verändern?

Der Zugang für Betroffene und Angehörige zu qualitätsvoller psychoonkologischer Begleitung und Therapie ist oftmals kompliziert. Es gibt einfach nicht genügend PsychoonkologInnen verglichen mit der Anzahl an Betroffenen. Dann kommt noch hinzu, dass es vielen Menschen gibt, die aus unterschiedlichsten Gründen ihre Wohnung oder ihr Haus nicht verlassen können. Vielleicht sind sie ganz einfach körperlich zu schwach oder sie möchten ihre Angehörigen nicht zu sehr belasten, das ist auch ganz oft ein Thema. Für alle diese Herausforderungen ist die Etablierung einer Online-Videosprechstunde eine gute Sache. Wir bieten allen Interessierten in kürzester Zeit einen Termin an. Und wir legen ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung unserer PsychoonkologInnen! Bei Sanaso sind ausschließlich BeraterInnen beschäftigt, die über eine zertifizierte Ausbildung und eine mehrjährige Erfahrung in Beratung und Therapie von Betroffenen haben. Wir wollen mit Sanaso die Versorgungslandschaft von Krebserkrankten ein Stück weit verbessern und Ihnen eine Hilfe an die Hand geben, die besonders leicht und einfach zu erreichen ist.

Mir ist natürlich klar, dass es so etwas wie eine technisch Hürde auch noch dabei geben kann. Daher ist das bei Sanaso so organisiert, dass wir jeden Schritt, der zu machen ist, telefonisch begleiten können, so notwendig. Außerdem wird eine sehr einfache Software verwendet. Es müssen keine eigenen Programme oder Apps heruntergeladen werden. Und sollte es eine interessierte Betroffene oder einen interessierten Betroffenen geben, der kein entsprechendes Gerät zu Hause hat, dann stellen wir gerne einen Rechner mit integriertem Internet für die Beratung zur Verfügung. An dieser Stelle ist es mir auch wichtig zu erwähnen, dass alle verwendeten Systeme zertifiziert und datenschutzkonform sind und somit allen Ansprüchen der DSGV entsprechen.

Wer ist das Team hinter Sanaso und wie habt ihr zueinander gefunden?

Unser Team hat sich in den letzten Wochen und Monaten zu einer feinen Gruppe entwickelt, die sich mit großem Willen, Herzenskraft und Motivation für die Initiative einsetzt. Einige von uns sind schon seit sieben Jahren mit an Bord. Für die Initiative Sanaso haben wir außerdem ExpertInnen in den Bereichen Psychoonkologie sowie Marketing & Öffentlichkeitsarbeit mit eingeladen, uns in unterschiedlichen Phasen des Projekts tatkräftig zu unterstützen. Uns allen gemeinsam ist auch der Spaß an der Sache, der tagtäglich nicht zu kurz kommen darf.

Was wird die Zukunft bringen, was ist deine Vision für Sanaso?

Unsere Vision für Sanaso ist die langfristige Schaffung eines Hafens für Betroffene und Angehörige. In diesem Hafen soll das eigene Schiff, das individuelle Lebensschiff wieder auf Vordermann gebracht werden, damit es seinen Weg wieder fortsetzen kann und wieder Fahrt aufnehmen kann. Das ist unsere bildhafte Vision, die wir gemeinsam im Team erarbeitet haben. Im Hafen gibt es einige ExpertInnen, die unterschiedliche Fähigkeiten rund um das Thema Psychoonkologie bündeln und vermitteln können.

Die HappyMed und Sanaso Teammitglieder verstehen sich als BotschafterInnen für einen neuen Ansatz im Gesundheitswesen. Wir wollen bestehende Herangehensweisen challengen und alternative Möglichkeiten aufzeigen. Dabei verbinden wir neue digitale Möglichkeiten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, u.a. aus dem Bereich der Psychologie. Wir hören zu und sehen hin, denn wir wollen Erfahrungen im und mit dem Gesundheitssystem für PatientInnen – letztlich für uns alle – neu gestalten.

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