Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at
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Authentizität: Wie du du selbst bist
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How To Not Be A Chameleon

Authentisch sein ist für manche schwieriger, für andere leichter. In jedem Fall sparst du viel Energie, wenn du dich nicht verstellen musst. Wie du an diesen Punkt gelangst, wie du dich selbst beobachtest und was das Ganze mit Chamäleons zu tun hat, erfährst du in diesem Artikel.

Was passiert, wenn ein Chamäleon in den Spiegel schaut? Nein, nein, das ist nicht der Anfang von einem mittelschlechten Dad-Joke – versprochen. Jetzt mal ernsthaft: Glaubt ihr, es bleibt in seinem ursprünglichen Farbkleid oder zieht sich im Angesicht seinerselbst um und macht sich damit quasi unauthentisch? Die Antwort ist lustigerweise Zweiteres. Es wechselt von Braun (natürliche Ausgangsfarbe) zu Grün – (Farbe des Erschreckens). Wohl zu viel Selbstreflektion für ein Tier, das es gewohnt ist, sich ständig anzupassen und zu verstellen.

Das Chamäleon macht das, um zu überleben, und im übertragenen Sinne auch wir Menschen – um dazuzugehören, akzeptiert zu werden, oder das Jobinterview zu meistern. Nicht du selbst zu sein, ist anstrengend und entzieht dir auf Dauer Energie und Lebensfreude, sodass du eines Tages wie das Chamäleon erschrickst, wenn du in den Spiegel schaust. Authentisch sein heißt, dich zu kennen und effizient dein Ding durchzuziehen. Gar nicht so einfach – und passiert vor allem nicht von heute auf morgen. How to not be a chameleon – let’s go!

Was heißt es, authentisch zu sein? 

Menschen, die authentisch sind, wirken ungekünstelt, machen ihr Ding und sind dabei stets offen und entspannt. Sie kennen ihre Werte, bleiben sich selbst treu und handeln danach. Sie sind quasi mit sich selbst im Reinen und dadurch belastbarer, weil sie ihre Schwächen und Fehler akzeptiert haben.

Numero 1: Lerne dich kennen 

Jedes Menschenleben ist wie ein unförmiger Marmorstein, der so lange behauen werden muss, bis irgendwann (hoffentlich) die echte, authentische Person zum Vorschein kommt. Was rauskommt, stellen wir uns mal wie so eine nackte römische Statue vor. Sie muss ja keinen Adonis-Körper haben, aber stolz drauf zu sein macht all den Unterschied. Bist du dir deiner Rolle nicht klar – oder nicht zufrieden mit der Person, die du bist – setzt du der Statue vielleicht eine venezianische Faschingsmaske auf, oder einen Lendenschurz. Das Problem dabei: So lernst du dich nicht kennen. Manchmal schmerzhaft, hundertprozentig zielführend: Nackig machen! Du bist der Marmor, nicht die Kleidung.

Also ja – gleich vorweg: Sich wirklich kennenzulernen ist ein großer erster Schritt. Und zudem ein Prozess, der nie abgeschlossen ist. Erwarte nicht eines Tages aufzuwachen und zu rufen: „Ha, jetzt weiß ich wer ich bin!“. Denn drei Stunden später wirst du dir dann hochmütig vorkommen, weil das Leben dir ein noch nie dagewesenes Problem in den Weg legt, während es dich hämisch angrinst und deine Reaktion auf die Waschbärfamilie am Dachboden erwartet.  

Manchmal ist es leicht, sich in Projektionen darüber zu verfangen, wer wir sind – den Kontakt zu unseren Grundwerten, Bedürfnissen und Wünschen zu verlieren. Und wenn du dich selbst nicht sehr gut kennst, ist es schwierig, einen Lebensweg zu wählen, der dich glücklich und erfüllt macht. Vielleicht gerätst du auch in Beziehungen, die nicht wirklich zu dir passen, oder du fühlst dich einsam, weil niemand wirklich dein „wahres“ Ich kennt. Dann sind da noch die Dinge, die die Gesellschaft und Familie von uns erwarten. Hach, viel zu tun. Aber das geht alles so viel einfacher, wenn du es schaffst, immer das gleiche, ehrliche Gesicht aufzusetzen.

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Vom unförmigen Marmor zum träumenden Meisterwerk. (Foto: Pexels/Andreea Ch)

Persönlichkeit bringt Klarheit 

Deine Persönlichkeit kannst du allein durch Nachdenken besser verstehen, aber um zielgerichtet darüber zu reflektieren, schnapp dir Stift und Papier und stell dir folgende Fragen: 

  • Welche 5-10 Eigenschaften definieren mich?
  • Welche 5-10 Wörter würden andere wählen, um mich zu beschreiben? 
  • Welche Rolle spiele ich in meinem Freundeskreis? 
  • Wie würde mich ein Fremder sehen? 
  • Was möchte ich, dass andere über mich denken? 

Denke außerdem über die wichtigsten Entscheidungen nach, die du im Leben getroffen haben, sowohl gute als auch bedauerliche.  

  • Warum hast du diese Entscheidungen getroffen?  
  • Welche davon waren authentische Ausdrücke dessen, wer du bist?  
  • Welche sind auf Druck anderer entstanden? 

Überlege auch, wie deine Vergangenheit dein derzeitiges Selbst geprägt hat, und gib deinen frühen Lebenserfahrungen besonderes Gewicht. Oft spielt das, was wir als Kinder durchmachen, eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von Mustern, Vorlieben und Bedürfnissen für die Zukunft. Aber nicht nur das: Als Kind warst du noch so riiichtig authentisch. Also nimm die Zeitmaschine zur Kindergartenzeit und beobachte, welche Rolle du damals mit anderen Kindern eingenommen oder wie du dich beschäftigt hast? Warst du immer mitten im Geschehen oder hast du dich gerne alleine beschäftigt? 

Alternativ kann es nicht schaden, einen Persönlichkeitstest zu machen. Es gibt da mehrere: Myers-Briggs, DISG oder Scheelen – um nur ein paar zu nennen. Deine Persönlichkeit wird dabei in einen von vier Grundtypen eingeteilt: Rot für Dominant, Grün für Stetig, Gelb für Intuitiv und Blau für Gewissenhaft. Diese Tests gehen mal tiefer und genauer, mal sind sie oberflächlicher und manchmal auch völlig daneben. Generell sind sie aber dennoch ein guter Anfang um zu formulieren, was du oft bereits wusstest, aber nie genau aussprechen konntest. Den Link zu diesen Tests findest du am Ende des Artikels.

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Wo dich dein authentisches Ich wohl hinführt? (Foto: Pexels/Anastasia Petrova Xu Wyjek)

Auf der nächsten Seite lernst du u.a. wie du authentisch mit Krebs umgehst…

Über die Serie

Was ist Glück? Was bedeutet es, glücklich zu sein? Ist Glück eine Veranlagung? Wie wird man glücklich? Existentielle Fragen, die einerseits höchst individuelle Antworten bergen, aber andererseits wissenschaftlich ergründbar sind. Glücksforschung ist ein gut gelauntes Metier der Wissenschaft, das noch gar nicht so lange existiert. Die “positive Psychologie” rückt zum Beispiel die schönen Gefühle in den Mittelpunkt. Und dafür gibt es gute Gründe: Denn vorbeugen ist leichter als heilen, das gilt auch für psychische Erkrankungen. Kaum etwas macht dich so gesund wie eine optimistische Lebenseinstellung!

Also: keine Esoterik, Quacksalberei oder falsche Versprechen. In dieser Serie findest du ausschließlich wissenschaftlich bewiesene Glücklichmacher – inklusive Tipps und Tricks für dein eigenes Wohlbefinden.

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