Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at
Das Seitenstettener Manifest

Sicherstellung der onkologischen Versorgung in Österreich

Technologischer Fortschritt reformiert das Gesundheitswesen. Die Bevölkerung wächst. Das System versucht Schritt zu halten – partiell gelingt das nur bedingt. Wie kann eine solidarische onkologische Versorgung in Österreich sichergestellt werden?

Das österreichische Gesundheitssystem verfügt vergleichsweise über einen sehr guten, niederschwelligen Zugang zu medizinischer Versorgung. Gleichzeitig gibt es an vielen Stellen massiven Anpassungs- und Aufholbedarf. Eine vorausschauende und ganzheitliche Sichtweise auf das System ist unabdingbar.

Das PRAEVENIRE Gesundheitsforum versteht die Komplexität des österreichischen Gesundheitssystems. Trotzdem möchte PRAEVENIRE Impulse setzen, um mit vorhandenen Ressourcen bestmögliche Ergebnisse für die Menschen zu erzielen. Ein zentraler Fokus wird dabei auch auf die Sicherstellung der onkologischen Versorgung in Österreich gelegt.

Sicherstellung der onkologischen Versorgung in Österreich

Die Lage der onkologischen Versorgung in Österreich ist ein heiß diskutiertes Thema. In diesem komplexen medizinischen Teilgebiet ist Österreich, was die Zugänglichkeit von innovativen Therapien für jedermann angeht, aktuell weltweit im Spitzenfeld. Gleichzeitig lässt sich am Beispiel der Onkologie diskutieren, wie es um die Innovationsleistung der österreichischen Forschung bestellt ist, wie Früherkennung und Rehabilitation neu gedacht werden können, wie die vertrackte Kostendebatte konstruktiv geführt werden könnte und was die aktuellsten Entwicklungen von Big Data für Veränderungen bringen werden.

Magazin Seitenstettener_Manifest
Das Seitenstettener Manifest soll die Zukunft der onkologischen Versorgung in Österreich sicherstellen

Im Rahmen des zweiten PRAEVENIRE Gesundheitsforums in Seitenstetten verständigte sich ein ExpertInnenkreis daher gemeinsam über dieses wesentliche Thema. Das Ergebnis: Ein unterstützenswertes Manifest, das sich der Zukunft der onkologischen Versorgung Österreichs widmet. Und das sind die Ergebnisse:

1.
Österreichs onkologische Versorgung agiert im weltweiten Spitzenfeld. Wenn wir wollen, dass das so bleibt, müssen wir jetzt handeln.

2.
Durch den demografischen Wandel besteht eine Riesenherausforderung in der onkologischen Versorgung. Um das Jahr 2030 wird jeder vierte Österreicher über 65 Jahre alt sein. Wir werden medizinisch immer besser versorgt, darauf können wir stolz sein. Umgekehrt bedeutet das, dass wir immer mehr Krankheiten – auch Krebserkrankungen – erleben, die uns das Alter erschweren.

3.
Eine intensivierte und sachkundige Investition in Früherkennung ist dringend nötig. Desto eher wir Krebs erkennen, desto weniger Zerstörung (und Kosten!) kann er anrichten.

4.
Wir engagieren uns dafür, dass jeder Patient die sinnvollste Therapie zum richtigen Zeitpunkt erhält. Eine gesamtgesellschaftlich nachhaltige Krebsmedizin kann es sich nicht leisten, Behandlungsstandards zu akzeptieren, bei denen – aufgrund von nur ökonomischen Gesichtspunkten – wirksame Behandlungen nicht stattfinden. Auf der Strecke bleibt dabei der Mensch.

5.
Es besteht eine gesellschaftliche Verantwortung für alle Stakeholder, konstruktiv und behutsam über „Value“ zu diskutieren und „akzeptable“ Kosten vorzuschlagen, damit in einem breiteren gesellschaftlichen Diskurs über definierte „wünschenswerte“ Benefits geredet werden kann. Wir wollen uns vor dieser Frage nicht mehr „drücken“ – und laden die Stakeholder des Gesundheitssystems ein, es uns gleichzutun.

6.
Der Forschungsstandort Österreich ist unterfinanziert. Wir müssen dringend in die – auch klinische – Krebsfor­schung investieren. Eine Krankheit kann nur bezwungen werden, wenn man sie verstanden hat. Wir verfügen über gute Ansätze, den Krebs zu besiegen – das ist dem Fortschritt der Forschung in den letzten beiden Jahrzehnten zu verdanken. Jetzt die Forschung (aus Kostengründen) zu vernachlässigen, wäre ein fataler und kurzsichtiger Fehler. Das schadet den Patienten und schwächt den Forschungsstandort nachhaltig.

7.
Damit Medizin in der klinischen „Routine“ gut sein kann, braucht sie gute Innovation und Forschung. Wer einen vermeintlichen Gegensatz zwischen dem Stand der Kunst in ihrer „täglichen Anwendung“ und der klinischen Forschung herbeiredet, verkennt, dass Therapiestandards dynamisch sind und sein müssen und nur durch Integration von Klinik und Forschung eine patientenorientierte Weiterentwicklung des Gesundheits­wesens stattfinden kann.

8.
Wir brauchen Rahmenbedingungen, um die neuesten methodologischen Innovationen in den alltäglichen Kampf gegen Krebs zu integrieren. Nur wenn wir die Möglichkeiten von Big Data nutzen, können wir valide Vergleichsdaten bereitstellen, um die optimale Therapie für jeden Patienten zu gewährleisten. Die Daten stehen zur Verfügung, es liegt an uns sie intelligent nutzen. Wir müssen Big Data zu Smart Data veredeln.

9.
Die Rehabilitation der Krebspatienten muss unbedingt weitergedacht werden. Ein Mensch mag nach der Therapie organisch gesund sein, die Angst vor dem Rezidiv bleibt aber immer bestehen. Damit belastet die Krankheit wesentlich die Psyche. Wir müssen die Menschen dabei unterstützen, wieder ins Leben und nach Wunsch in die Arbeitswelt zurück zu finden. Dafür müssen umfassende neue Konzepte entwickelt werden.

10.
Eine optimal arbeitende Onkologie – in Innovation und Versorgung – ist von allgemeinem Interesse. Es lohnt sich, weiterhin mit allen Mitteln für eine nachhaltige Reduktion des Krebsproblems in der Gesell­schaft zu kämpfen. Dieses Ziel wird im 21. Jahrhundert für die Menschheit erreichbar werden. Therapieerfolge und Lebensqualität von Krebspatienten gehen uns alle an – in der einen oder anderen Form werden wir alle in unserem Leben mit Krebs konfrontiert werden.

Structure follows strategy

Anstatt Symptomkuren am System vorzunehmen beschäftigt sich das PRAEVENIRE Gesundheitsforum im Rahmen der PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 mit der Frage eines modernen, zukunftsorientierten Gesundheitssystems. Die Themen müssen anders angegangen werden als bisher – nämlich nicht nur zu schauen, was erhaltungswürdig, sondern was in der Zukunft notwendig ist und es gilt sich entsprechend darauf vorzubereiten. Mit dem Seitenstettener Manifest setzt das die Initiative einen wichtigen Schritt für die Zukunft der onkologischen Versorgung in Österreich.

Wir finden diese Arbeit wahnsinnig wichtig – wenn auch du das Seitenstettener Manifest unterstützen möchtest, kannst du das ganz einfach mit deiner Unterschrift tun! Jede/r Unterstützer/in bringt uns einen Schritt näher in Richtung solidarischer onkologischer Versorgung.

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