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Tipps und Erfahrungen zur Bewältigung
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Trauern 101: Wie du mit dem Tod von Angehörigen umgehst

Schreib Tagebuch 

Manchmal ist es einfacher, zu schweigen, als die eigenen Gefühle auszudrücken. Alle Psychologen sind sich jedoch einig, dass es keine gute Idee ist, alles in sich hineinzustopfen. Wenn Kunst nicht dein Ding ist, nicht so schlimm. Ein Tagebuch zu führen ist ebenso eine großartige Möglichkeit, deine Emotionen zu verstehen, einschließlich der Trauer. Wenn wir unsere Emotionen in Worte fassen, konfrontieren wir sie head-on und kommen so häufig besser mit ihnen klar.  

Du musst dein Tagebuch ja mit niemandem teilen, und das gibt dir die völlige Freiheit, dich ungehemmt auszudrücken. Die Heil-Power des Tagebuch-Schreibens entfaltet sich besonders gut, wenn du über mehrere Tage, Wochen oder Monate hinweg deine Gedanken und Gefühle festhältst  

Ebenfalls therapeutisch wertvoll: Impulsives Schreiben. Genau in dem Moment, in dem das Gefühl sich zeigt, zückst du dein Tagebuch und schreibst ohne größeres Ziel und ohne Bewertung deine Gedanken auf – was raus muss, muss raus.

Trauern 101: Wie du mit dem Tod von Angehörigen umgehst
Fass den Wahnsinn einfach in Worte. Foto: Pixabay

Rituale 

Erstelle deine eigenen Rituale, um das Leben der verstorbene Person regelmäßig zu ehren. Nein, wir meinen damit nicht schamanistische Reinigungsrituale, für die du beschwerliche Reisen in den Amazonas unternimmst. Rituale können alles sein, was du möchtest. Denk daran, was der geliebten Person Freude bereitet hat, als sie noch am Leben war.  

Vielleicht hat sie eine bestimmte Teesorte wirklich genossen. Es kann wirklich etwas ganz Einfaches sein. Dann sitzt du nämlich da, vor einer dampfenden Tasse Pfefferminztee und schwelgst in positiven Erinnerungen zu am dieser Person, vielleicht allein schon aufgrund des Geruchs. Es spielt auch keine Rolle, woran du glaubst. Es geht hierbei bloß um die Möglichkeit, ihr Andenken zu ehren, so einfach wie es klingt.  

Warum Trauer etwas Positives sein kann 

So, jetzt komme ich mal als Subjekt zu Wort. Ich, der Autor dieses Artikels, habe vor einiger Zeit meinen Vater verloren und kann kaum widerstehen, diese Möglichkeit zu nutzen, und mir die Gedanken von der Seele zu schreiben. Immerhin ist das ja einer der Tipps, oder nicht?  

Auch für mich war die Trauer gerade am Anfang brachial überwältigend. Aber wie so vieles im Leben, hat diese Tristesse das Potential in etwas Wunderschönes umzuschlagen. Als bereits ein paar Monate vergangen waren, ich mir die Zeit fürs Verarbeiten genommen, schon viele Tränen geheult, Gedankenprozesse gerendert, Vergebungen getätigt, und Realitäten angenommen hatte, kam irgendwann dieses Gefühl über mich. Mir blieb nur noch ungehemmtes Lachen übrig.  

Wie wunderbar stinknormal meine Situation ist. Fast zum Kotzen. Klar, Gevatter Tod agiert mal mehr, mal weniger tragisch (im Falle meines Vaters eindeutig nicht untragisch), aber nie im Leben (hah!) stellt er den ultimativen Grund zu verzagen. Das Trauerspiel hat mir vorrangig aufgezeigt, wie stark und engmaschig das Netz ist, in das ich mich fallen lassen konnte. Freunde, Familie, Lebensziele – alles rückte zusammen und in Perspektive, und ergoss sich in ein wohlverdientes Panorama.

Der Wert meiner Zeit stand plötzlich höher im Kurs als je zuvor.
David Splitt

Als hätte mich diese Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit auf eine Aussichtsplattform gehoben, nachdem ich Jahrzehnte im Nebel der jugendlichen Ignoranz herummäandert bin. Der Wert meiner Zeit stand plötzlich höher im Kurs als je zuvor. Wieso nicht nach meinen Träumen hechten? Papa hätt’s so gewollt. Und er wäre stolz auf mich, wenn er wüsste, dass sein Tod diese „Jetzt erst recht“-Attitüde hervorgebracht hat, die mich (hoffentlich) davor schützen wird, mein Leben mit faulem Sackgassendenken zu vergeuden. Ob der Tod das Ende ist, ob Energie für immer existiert, ob Engelchen auf Wölkchen Harfe spielen, ob das Fegefeuer wie ein Flugzeug anmutet, das nie abhebt – für mich scheißegal. Denn wissen werde ich’s nie.  

Nur der Moment zählt, und ich habe mich in einigen wichtigen Momenten dazu entschieden, all die Positivität zu bündeln, die mein Vater mir hinterlassen hat. Um mich resistenter zu machen, um das Vakuum der Verantwortung mit Stolz zu übernehmen und all die Scheiße in meinem Leben mit Optimismus und Verständnis niederzuschmelzen.  

Selbstverständlich gibt es nach wie vor Tage, an denen ich mich immer noch schwächer fühle als ein Origamihaus inmitten eines Vulkanausbruchs. Diese „Dog Days“ wird es immer geben. Und ich werde zumindest versuchen, sie zu nutzen, um mein Leben in Relation zu setzen und an meinen geliebten Vater zu denken. An solchen Tagen können die fünf Phasen der Trauer in wechselnden Reihenfolgen in nur wenigen Stunden auftreten. Turbulent, wie ein Vulkanausbruch eben. Und nachdem die Lava dann erstarrt ist, wird sie fruchtbar und mündet in der sechsten Phase: Erleuchtung. Oder so. 

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