Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Auf dem Gipfel?

14.03.2026

Vor knapp zwei Wochen habe ich gesehen, dass Bryan Adams mal wieder in die Schweiz kommt und ein Konzert veranstaltet. Als ich das Datum sehe, 27.11.26, lasse ich es gleich bleiben. Was soll ich so weit in die Zukunft planen? Das haben wir früher schon selten gemacht und jetzt kommt es für mich schon gar nicht mehr in Frage.
So ganz lässt es mich aber doch nicht in Ruhe. An meinem 16. Geburtstag habe ich damals von einem guten Freund eine LP mit seiner Musik erhalten und seit ich diese gehört habe, lässt mich seine Musik nicht mehr los. ‘Kids wanna Rock‘, ‘Heaven’, Summer of 69’ und weitere auf dem Album ‘Reckless’ lassen mich tanzen, träumen und die Zeit vergessen. (Hihi, ja so alt bin ich schon).
Manchmal kommt er auch wieder in Vergessenheit, doch ganz weg ist er nie weg gewesen mit seiner Musik, auch seine neueren Titel haben seinen Charme. Ich erzähle dies meinem Mann und auch er, der ja selber nur ungern in die Zukunft plant, ist gleich angetan und so bestelle ich im Presale des Anbieters Tickets für diese Konzert. Ich habe keine Ahnung, ob und wie ich da noch lebe, noch fit bin od. ob ich doch gehen kann. Aber was soll’s, wenn ich keine Tickets kaufe, kann ich erst recht nicht hingehen.
Puh, ein fixes Datum im November in meiner Agenda…
Doch es kam noch intensiver. Beim bereits erwähnten Kontrolltermin in der Onkologie kamen wir auch auf das Thema Komplementär Medizin. Ich äusserte den Wunsch noch ergänzend für mich, meinen Körper, mein Immunsystem etwas zu tun. Da das Universitätsspital eng mit der Klinik Arlesheim zusammenarbeitet, überwies mich ‘mein’ Arzt für einen Termin dahin.
Vor zwei Tagen hatte ich nun diesen Termin und in einem für mich ungewohnten Gesprächsverlauf kamen wir auf die Misteltherapie. Ich war eigentlich darauf vorbereitet, dass ich viele Fragen bekam, die ich beantworten sollte, aber plötzlich war ich in der Rolle, dass ich die Fragen stellen musste und der Arzt beantwortete dann alles, was ich wissen wollte. Am Ende fragte ich dann noch, wie lange die Therapie etwa gehen sollte. Da äusserte er diese Aussage, die mich immer noch verfolgt, 2 bis 5 Jahre!
Da war ich mehr als platt. Ich bin wirklich pragmatisch mit meiner Diagnose umgegangen, ich bin mir meiner Prognose irgendwie im Klaren und da kommt einer und spricht davon, dass die Therapie 2 bis 5 Jahre dauern könnte. Boing. Was Andere wohl erschreckt, löst bei mir Hoffnung aus. Wir haben es im Verlaufe des Gespräches noch von meiner statistischen Lebenserwartung. Auch er ist sich meiner Diagnose bewusst, hat die Berichte erhalten, aber wie auch immer der Weg gehen wird, die Hoffnung stirbt erst dann, wenn man selber gestorben ist. ‘Hoffe auf das Beste, doch rechne mit dem Schlimmsten’ kommt mir da in den Sinn und äussere dies im Gespräch auch. Mit einem Lächeln bestätigt er mir diese Aussage.
Wow, 2-5 Jahre. Ich sitze auf meinem Gipfel und weiss, dass ich irgendwann wieder hinunter muss. Ich werde jetzt nicht euphorisch und denke, dass ich plötzlich fliegen kann. Aber wie der Weg hinunter gehen soll, weiss ich nicht. Vielleicht stürze ich, vielleicht finde ich einen gemütlichen langsamen Weg, ich weiss es nicht. Ich habe letztlich keine Kontrolle über die Zukunft, es gibt keine absolute Sicherheit, also lasse ich los und geniesse den Ausblick solange es noch geht.

Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.