Entscheidungen zum ersten…
Entscheidungen zum ersten…
01.02.2026
An unserem Kühlschrank hängt eine Karte mit dem Text: « Ein NEIN ist manchmal für sich ein JA»
Was erneut an die Weisheiten auf Zuckerbeuteln od. aus WhatsApp-Nachrichten erinnert. Nicht das erste Mal erwähne ich hier diese kleinen, oft informativen Sprichworte, die doch manchmal so wahr sind. Manchmal lassen sie mich kalt, wie ich sie manchmal genauso leider wieder vergesse, aber dieser Kühlschrank-Text stimmt für mich so treffend.
Ich weiss ja eben nicht, wie lange ich noch lebe, wie zwar niemand. Aber das Damoklesschwert lässt sich bei meiner Diagnose nun mal nicht leugnen und damit ist meine Zeit knapper und dadurch für mich umso wertvoller.
Ich bin so zufrieden, dass ich mich auf mein soziales Netz verlassen kann, dass ich mich plötzlich in der Situation befinde, wo ich einfach nicht alles mehr annehmen kann und mich entscheiden muss, wann und wo ich sein möchte.
Uff, was ein Luxusproblem aussieht, löst bei mir nun aber ein schlechtes Gewissen aus.
Darf ich ‘Nein’ sagen, wenn ich merke, dass ich mich verpflichtet fühle, an ein Treffen zu gehen? Dass ich mich melde, an einen Jassabend zu gehen, wenn mir das Jassen gar nicht mehr gefällt? Ich bin eine Spielerin, die am liebsten mit Menschen spielt, aber notgedrungen vermehrt nun gerne auch auf meinem iPad.
Jassen ist in der Schweiz ein Volksport und ich liebte dieses Spiel, das auf Kombinieren, etwas Glück und viel Konzentration basiert. Und da ist der Hacken, ich kann es nicht mehr gut. Mein Loch im Gehirn schaltet nun anders, es fehlt etwas, was man mir immer noch kaum ansieht, ich umso mehr merke.
Es erzeugt bei mir Druck, weil ich realisiere, dass ich nicht mehr gut spiele und da man bei diesem Spiel immer mit PartnerIn spielt gegen eine Gegenpartei, wird der Druck noch grösser. Dass unsere Gruppe seit über 30 Jahren gemeinsam jasst und dass wir schon viel zusammen erlebt haben, macht die Sache nicht leichter.
Ich höre eine Stimme, die mir sagt, “was solls? Was ist so wichtig an einem Spiel, macht was Anderes!”
Ist ja wahr, aber wer sagt das meinen Gefühlen? Muster sind nun mal schwer aufzulösen.
Ich könnte aufgrund meiner Krankheit Müdigkeit vorschieben, aber das lässt meine Ehrlichkeit nicht zu. Getestet wurde ich dann als ich meine Zusage gebe, bevor ich eine Viertelstunde später die Mails lese und das Programm meiner Alphorngruppe bekomme.
Ich habe mal gelesen, dass im Februar in der Alphorngruppe was zu Stande kommt, wusste aber nicht an welchem Datum. Als ich dann lese, dass es das gleiche Datum ist, wie dieser Jassabend, war für mich zuerst klar, was zuerst kommt und da ich schon zugesagt habe, ist dies nun prioritär. Punkt.
Dann kommen die Zweifel. Eigentlich möchte ich Alphorn spielen. Erschwerend kommt dazu, dass ich bei diversen Terminen im Programm nicht dabei sein kann. Weiter als zwei, drei Monate hinaus plane ich nichts mehr. Davor bin ich, wenn alles gut kommt und mein Zustand stabil bleibt, mal wieder unterwegs.
Mein Mann macht die Sache mit einer Frage klar: «Warum meldest du dich nicht wieder ab?» Mein erster Impuls war, das gehe doch nicht, Verpflichtung ist verpflichtend.
Ich gehe in mich und merke, was für mich wichtig ist. Ich hätte mir viel Energie sparen können, wenn ich von Anfang an erst überlegt hätte, bevor ich zu etwas zusage. «Ein NEIN ist manchmal für sich ein JA»
Während ich das schreibe fühle ich mich befreit. Ich habe ev. Menschen enttäuscht, aber ich bin für mich eingestanden, ein gutes Gefühl.
Lange Rede, kurzer Sinn. Gerade jetzt mit dieser Diagnose muss ich lernen, bei einer Anfrage zuerst zu überlegen: «Will ich dahin, fühle ich mich gut dabei, halte ich es aus, dass dann ev. so schnell niemand kommt mit einer anderen Anfrage?» Dann erspare ich mir auch das schlechte Gewissen, dass ich relativ kurzfristig absage und mich für das Andere entscheide. Loslassen und aushalten, wenn halt dann nichts los ist und/oder ich selber aktiv werden soll, ist eigentlich nun meine Devise. Ich bin mir selber gut genug und ja, ich habe das Glück einen Mann zu haben, der ja manchmal auch noch da ist. Weniger ist manchmal mehr 😉
Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.
