Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Ich feiere das Leben

Mit ein paar Worten lasse ich die letzten Monate nochmal Revue passieren und meinen Gästen und mir stehen die Tränen in den Augen. Wir lassen es uns gut gehen, essen lecker, stoßen an – auf das Leben, auf das wunderschöne Leben.

Nach meinem positiven PET-Befund habe ich meine Ärztin mit einem Blumenstrauß besucht. Sie hat so viel für mich getan. Nicht nur, dass sie mir und meinem Man mit sehr viel Ruhe und Empathie die vorläufige Diagnose mitgeteilt und sich für sämtliche Fragen Zeit genommen hat; sie war während der gesamten Therapiezeit für mich da. Manchmal mit klaren, strengen Worten, meist aber mit sehr viel Mitgefühl. Wir haben uns häufig am Telefon gehört, sie hat für mich Telefonate übernommen, bei Ärzten nachgefragt, mir Tipps zur Linderung von Nebenwirkungen gegeben, meinem Mann völlig unbürokratisch Pflegeurlaub ausgestellt, etc. Am Ende hätte sie mich sogar täglich besucht, nur um mich durch den letzten Zyklus zu tragen.

Es gibt auch in der Familie viel zu feiern, meine Schwester und meine Schwiegermutter feiern einen runden Geburtstag, mit Freundinnen verbringe ich ein Wochenende in der Therme und wir machen einen Busausflug zur Nacht der Ballone. Ich bin in Feierlaune, ausgelassen und – trotz fehlender Haare am Kopf und im Gesicht (und am Körper, aber das stört mich kein bisschen 😊) – einfach nur glücklich.

Ich schicke Dankeskarten per Post an alle, die mit mir mitgefiebert haben, die sich öfter mal hören ließen oder einfach mal ein „ich denke an dich“ dagelassen haben. Und: ich lade alle, die mich praktisch und emotional unterstützt haben, zu einer besonderen Dankesfeier zu mir nach Hause ein.

Alle Menschen, die mir auf Abruf die Kinder abgenommen, die Taxifahrten ins Krankenhaus übernommen oder spontan die Geburtstagsfeier von meinem Sohn ausgerichtet haben, weil ich zu schwach war; die Fahrten der Kids zu Musikschule & Sport gemacht, Essen vor der Haustür gestellt, aufbauende Worte und die Erinnerung, dass die Kids mehr aushalten können als ich glaube dagelassen haben; die mich beim Spritzen-Fiasko daheim unterstützt haben, mir nach jeder Chemo eine Postkarte geschickt haben, bei behördlichen Dingen mit Rat und Tat zur Seite standen, mit den Kids daheim gespielt und meinen Mann mental unterstützt haben.

Besonders ist dieser Abend auch deswegen, weil ich mich in diesem kleinen, geschützten Rahmen das erste Mal „oben ohne“ zeige. Meinen Kopf ziert ein feiner, weicher Flaum und allen, denen ich die Tür öffne, steht das Staunen im Gesicht und alle freuen sich für mich und mein kleines Fell am Kopf 😊 Bereitwillig lasse ich mich auf Anfrage „Darf ich mal?“ durchs ‘Haar’ streichen.

Mit ein paar Worten lasse ich die letzten Monate Revue passieren und meinen Gästen und mir stehen die Tränen in den Augen. Wir lassen es uns gut gehen, essen lecker und stoßen an – auf das Leben, auf das wunderschöne Leben.

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