Ja diese Lebensqualität…?!
Ja diese Lebensqualität…?!
28.02.2026/13.03.26
Vor einem halben Jahr hatte ich ja diesen Termin in der Neurologie, wo es mal wieder um das Thema Medikamente ging.
Traurig, trotzig und angeschlagen hatte ich akzeptieren müssen, dass es nicht sinnvoll sei, die Medikamente zu reduzieren, rsp die Neurologin wollte sie sogar erhöhen.
Im Bericht, den ich ein paar Tage später erhielt und den auch mein Hausarzt erhielt, ging es nur um dieses eine Thema, Medikamente… Ich musste lesen, dass die Patientin, also ich, gegen den Ratschlag das Risiko aufnehmen wolle, die Medikamente nicht zu erhöhen. Was sonst noch besprochen wurde, erschien darin nicht.
Ein paar Wochen lebte ich mit diesem Bescheid. Ich leide seit der OP und den Folgen an einer latenten Aggressivität und diesem Schleier, der sich mal hell od. eben auch dunkler über mein Hirn legte.
Als ich nun erneut ein MRI hatte und danach die Besprechung des tollen Resultates (kein Rezessiv in Sicht, uff) bei ‘meinem’ Onkologen, erzählte ich unter anderem, dass ich immer etwa zur gleichen Zeit ein Tief habe. Nicht jeden Tag, aber doch mehr als die Hälfte eines Monats. Weil ich das Gefühl hatte, dass es doch mit den Medikamenten zu tun hatte, gab mir mein Mann den Tipp ein Journal zu führen.
Dies erzählte ich ihm, nachdem wir die Bilder des MRI anschauten. Er fragt immer, wie es mir ergangen sei, nicht wie es mir gehe. Alleine die Art, wie er das fragt, löst bei mir die Zunge. Wenn ich gefragt werde, wie es mir gehe, kann ich zwar nicht sagen, dass es mir gut gehe, aber eben auch nicht schlecht. Doch diese Nachfrage nach dem Verlauf, wirkt ganz anders.
So kam ich auch auf das Journal meines psychischen Zustandes. Ich wollte es einfach nur erzählen, doch ‘mein’ Onkologe wollte es genauer wissen und meinte, er wolle zwingend mit der Neurologin sprechen. Das sollte nicht sein und sei es wert, das genauer anzusprechen.
Und siehe da, bereits einen halben Tag später erhielt ich ein Mail mit einem Rezept für ein anderes Antiepileptika. Wow, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich startete mit der Einnahme bereits am gleichen Abend, weil es bei diesem Medikament offenbar möglich sei, dass das ohne Ein- und Ausschleichen möglich sei.
Was soll ich sagen, beflügelt vom guten MRI-Resultat, vom frühen Frühling und der kommenden Fasnacht, glaubte ich zuerst nicht, dass es mehr als ein Placebo Effekt ist. Doch nachdem fast 10 Tagen der graue Schleier nicht mehr zurückkam und ich deutlich spürte, dass sich in meinem Hirn etwas gelichtet hat, glaubte ich langsam, dass es doch auf den Medikamentenwechsel schliessen liess. Voller Freude berichtet ich per Mail meinem Onkologen von der Wirkung, was ihn freute und auch ‘meine’ Onkopsychologin nahm es gleich auf, weil sie das nun doch schon öfters gehört habe.
Nun verging wieder etwas Zeit und ich wurde recht getestet in den letzten Tagen.
Ein Arbeitskollege, der schon länger auch mit Krebs leben musste, starb und mir war klar, dass ich bei der Abdankung sein wollte. Auch wenn es mich recht durchschüttelte, kam es für mich nicht in Frage da nicht hinzugehen. Dann wird die Situation bei meinen betagten Eltern zunehmend schwierig und da wird es wohl auf weitere schwierige Entscheidungen hinlaufen. Doch was soll ich sagen, spätestens da wusste ich, dass der Entscheid, die Medikamente zu wechseln der richtige war. Natürlich bin ich nach wie vor nicht gleich belastbar wie früher, doch der Schleier, der Druck im Kopf ist nach wie vor fast weg.
Es lohnt sich eben doch für sich einzustehen und ich bin sehr dankbar einen guten Arzt an meiner Seite zu haben, der sich für mich einsetzt. Ebenfalls sich die Mühe zu nehmen und ein Protokoll, ein Journal o.ä. zu führen hilft eben schon. So konnte ich in meinem Fall aufzuzeigen, dass da doch etwas war. Ich versuche auch nicht zu hadern, dass die Neurologin damals im Oktober nicht die Möglichkeit des Wechsels anging, aber ansprechen werde ich sie auf alle Fälle. ‘Meine’ Onkopsychologin wird es mit mir auch vorbereiten, im Wissen, dass es nicht nur ein angenehmes Gespräch für mich sein kann. Gerade, weil ich nicht so gut für mich einstehen kann. Doch wer weiss, ev. ist sie sogar offen und kann mir erklären, was ihre Beweggründe waren. Und als letzte Möglichkeit gibt es immer noch einen Arztwechsel. So gestärkt sollte ich es hinbekommen…
Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.
