Remission geschafft!
Remission geschafft!
Am 14.01. kehre ich ins Krankenhaus zurück. Ich habe einen Termin für mein mittlerweile 3. (und hoffentlich letztes) PET-CT, zum Abschluß-Staging. Ich melde mich an und setze mich in den Wartebereich. Ich spüre die Blicke der anderen Wartenden, was denken sie wohl über mich? Es ist mir optisch anzusehen, was ich die letzten Monate durchgemacht habe. Haben sie Angst davor, auch so auszusehen? Auch ich beobachte die anderen, ohne zu wissen, warum sie hier sitzen. Aber sich spinne mir die Geschichten im Kopf zusammen, welcher Befund sie wohl an diesen Ort führt. Welcher Weg noch vor ihnen liegen könnte. Ich bin einfach nur dankbar, da zu sein, wo ich jetzt bin.
Das Prozedere beginnt: ein schwach beleuchteter Raum, eine Liege, ein Infusionsständer. Ich werde zugedeckt und gewärmt, die radioaktiv angereicherte Lösung fließt in meinen Körper. Ich darf mich nicht bewegen, am besten nicht mal denken. Also – Augen zu. Nach einer guten halben Stunde ist alles drin, ich soll noch schnell meine Blase entleeren und dann werde ich unter einem riesigen Gerät positioniert. Ich fahre für 15min in diesem Gerät hin und her, wieder still sein. Und dann ist es auch schon geschafft. Ich verabschiede mich und hoffe auf ein baldiges Ergebnis.
Und das Ergebnis ist auch bald da. Bereits einen Tag später ruft mich meine Onkologin an. Es gibt wohl noch Bereiche in meinem Hals, wo mehr von der Lösung gespeichert wurde (was darauf hinweist, dass da noch eine ungewöhnliche Zellaktivität ist), aber das dürfte Narbengewebe sein. Meine Milz ist auch noch vergrößert (das weiß eigentlich noch immer keiner so genau, warum das so ist). ABER: es passt alles, keine Bestrahlung mehr nötig ist. Der Befund im Detail: „…im Vergleich zum Onko-PET-CT Vorbefund zeigt sich eine metabolische Vollremission.“ VOLLREMISSION!!!! Das heißt: keine Hinweise auf aktive Tumorzellen
Wir vereinbaren einen Termin zur genauen Befundbesprechung, sie wollte mir die gute Nachricht allerdings gleich mitteilen.
Tja, das wars dann.
Und jetzt?
Ich bin krebsfrei. Bin ich gesund? Ich fühle mich alles andere als gesund. Ich kämpfe mit den Nachwirkungen der Therapie. Ich bin wenig belastbar. Ich habe Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Ich habe Wortfindungsstörungen. Ich bin nicht stressresistent. Ich habe wenig Geduld. Mein Körper fühlt sich schwach, wenig Muskeln, schwabbeliger Bauch. Ich habe Herpes, entzündete Mundwinkeln, Hämorrhoiden, einen komischen Geschmack im Mund. Ich bin mit den Gedanken viel in der Zukunft: Wann werde ich mich wieder gesund fühlen? Wie fühlt sich das überhaupt an? Wie soll ich wissen, ab wann ich wieder wie „die alte Maria“ bin? Werde ich überhaupt wieder so sein? Will ich das überhaupt? Mein Abtauchen in den künstlichen Wechsel beschert mir regelmäßig Schweißausbrüche, ich habe trockene Haut, keine Kondition, der Haarausfall ist am Höhepunkt – die letzten Wimpern und Augenbrauen sind erst vor Kurzem ausgefallen. Ich habe tiefe Augen, dunkle Augenringe, mein Gesicht ist schmal und eingefallen. Ich sehe erbärmlich aus.
Ich brauche viel Energie für mich. Ich muss im Alltag bewusst langsam sein. Es ist schwierig, meinem Umfeld (und auch mir selber) klarzumachen, dass noch ein Stückchen Arbeit vor mir liegt, um wieder annährend dahinzukommen, wo ich vor der Therapie war.
Aber jetzt wird erstmal gefeiert!
