Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Rückfälle und Zusammengehörigkeit

21.01.2026/25.01.2026 

Die elektronische Agenda erinnert mich daran, dass ich vor einem Jahr aus dem Spital austreten konnte, wo ich notfallmässig für 5 Tage eingetreten war.
Ich war am Nachmittag schon recht müde und wollte eigentlich zu Hause bleiben. Mein damals noch nicht angetrauter Mann wollte ebenfalls zu Hause bleiben, weil es ihm nicht wohl war beim Gedanken, dass ich alleine blieb. Wir hatten vor wie jeden Donnerstag an unserem Stammtisch zu gehen, wo wir normalerweise auch zu Abend essen. Weil ich stur sein kann, wollte ich halt dann doch mitgehen, weil ich ja weiss, dass es ja auch bequem ist, wenn man sich nicht selber verpflegen muss.
Kurz nach dem Essen merkte ich, dass mir die zunehmend die Worte fehlten und mehr und mehr Mühe hatte mit dem Sprechen. Ich hatte im Kopf, was ich erzählen wollte, doch es kam einfach nichts raus. Ein Freund und mein Liebster reagierten recht schnell, schoben den Tisch weg und ich wollte einfach nur nach Hause. Selbstverständlich mit dem Velo, ich mal wieder…

Zu Hause verschlechterte sich mein Zustand und so telefonierte mein Teuerster mit dem Dienstarzt des Spitals. Dieser empfahl mir aufgrund meiner gespeicherten Daten schnellst möglich zu kommen und so kam ich per Taxi auf die Notfallstation. Dann ging es rasant schnell. Ich kam gar nicht nach, wie schnell ich untersucht und umgezogen worden bin, mein Liebster mühte sich noch mit den Formalitäten. Sprechen konnte ich gar nicht mehr und meine Aussagen wurden immer wirrer, wie mir berichtet wurde. U.a. ‘Apraxie’ las ich später im Bericht. Weil der Verdacht war, dass es ein Hirnschlag sein könnte, wurde ich auf die Stroke Unit Abteilung verlegt, wo am nächsten Tag auch ein MRT veranlasst wurde. Vor dem MRT hatte ich zuerst eine unglaubliche Angst davor, was man entdecken könnte. Doch dank Atemtechnik kam ich zur Ruhe und dachte nur noch, wenn es halt ein Rezessiv wäre, dann hätte ich den neuen Computer halt vergebens gekauft….
Noch auf der Überwachungsstation kam der Onkologe zu mir und berichtete mit Freude, dass alles OK, also kein Rezessiv zu sehen sei. Vor lauter Freude und Entlastung wollte ich ihm erzählen, dass wir vorhätten in der folgenden Woche zu heiraten, doch ich bekam die Worte immer noch nicht flüssig über die Lippen. Mein Verlobter, was er ja eigentlich mittlerweile war, ergänzte meinen unklaren Bericht. Er gratulierte uns und seine Freude für uns kam von Herzen.
Ich wurde dann auf die ‘normale’ Bettenstation gebracht und es kam schlussendlich heraus, dass es wohl ein epileptischer Anfall war, einfach eher ungewöhnlich, weil ich keine Krämpfe hatte. Die Medikation der Antiepileptika wurde zu meinem Leidwesen erhöht, rsp. durch ein zweites Mittel ergänzt.

Doch nach der Entlassung haben wir 3 Tage später tatsächlich geheiratet. Wir haben es niemandem sonst erzählt, nur unsere Trauzeugen waren dabei. Wir sind seit Ende Juli 1992 zusammen und wir hatten nie das Bedürfnis zu heiraten. Wir waren glücklich im Konkubinat. Doch der Knockout, die Diagnose und die schweren Entscheidungen, die mein Mann trugen, haben bewirkt, dass es mit einer einzigen Unterschrift doch einfacher sei, als sich durch die Formulare zu wühlen, die nötig sind, um uns abzusichern. Keine romantische Entscheidung, nein.
Trotzdem ist der 24.01.2025 für uns nun ein Datum, das auf einer tiefen Verwurzelung unserer Beziehung ihren Höhepunkt fand. Unsere Trauzeugen haben alles dafür getan, dass es ein wunderschöner Tag, rsp. zwei schöne Tage, waren. Weil ich ja noch im Spital war und an nichts wirklich dachte und mein Mann auch gestresst war, haben sie den Tag gestaltet, wie es für uns perfekt passte. Sogar einen Brautstrauss haben meine Trauzeugen für mich besorgt. Als ich das sah, flossen die ersten Tränen.

Nun, als ich den Bericht nochmals durchlese und ergänze, ist bereits der 1. Hochzeitstag vorbei. Wir hatten eigentlich nichts geplant, doch es war ein schöner Tag geworden. Einfach wir zwei mit Aktivitäten, wie wir es gerne machen, Holzofenpizza beim Lieblingsitaliener, die gar keine Italiener sind, inklusive.

Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.