Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

… und zum zweiten

11.02.2026 

Wie ich ja auch schon erwähnt habe, bin ich nach wie vor in gutem Kontakt zu meiner Arbeitsstelle. In regelmässigen Abständen werde ich an Feste eingeladen, treffe mich mit den teaminternen Personalzuständigen, die u.a. auch ein Coaching bei der Krebsliga machten, besuche das Team gegen Ende der Teamsitzung und esse dann mit den Bewohnenden des Wohnheimes, wo ich arbeitete.
Ich habe auch im Laufe der Zeit meinen Pendenzenberg abgetragen und langsam sortiert. Nur ein Rest befindet sich nach wie vor weit unten in einem Schrank mit meinem Namen drauf.
Es war für mich eine gute Erfahrung, mich so nach und nach mit meiner Situation anzufreunden. Eine Wiedereingliederung wurde wie schon mal erwähnt, abgelehnt und wenn ich selber ehrlich war zu mir, hätte ich es auch nicht geschafft. Wie sollte ich weiterhin ‘Geben’, wenn meine Kraft gerade mal so für mich reichte.

So weit, so gut. Alles lief wie am Schnürchen, ich konnte mich glücklich schätzen, dass alles so gut lief.

Tja, manchmal forciert man Entscheidungen nicht, doch plötzlich gehen sie einen eigenen Weg. Als am Vortag wieder einmal so ein Besuch anstand, spürte ich, dass ich mich gar nicht so freute und mich fragte, was das langsam soll. Es sind nun bald 17 Monate her, dass ich weg bin. Zwar läuft das Krankentaggeld noch, doch was ist meine zukünftige Rolle?

Als ich dann an der Sitzung auftauchte, traf ich auf einen grossen fiktiven Elefanten. Nicht rosa, aber monströs. Die schlechte Stimmung war spürbar, auch wenn sich alle freuten, dass ich da war.
Ich war für meine Gelassenheit und meine klare Sprache bekannt und erstaunlicher Weise kam es mir dann wie von alleine aus meinem Mund.
Weil wirklich gerade Sturm war, waren meine Kollegen in einer ganz anderen Welt. Sie bemühten sich, mich das nicht spüren zu lassen, aber für mich nachvollziehbar konnten sie dies nicht so ganz.
So sprach ich aus, was eigentlich klar war. Ich fragte noch, ob es Themen gibt für mich, weil wir ja abgemacht hatten, dass nicht immer nur ich informierte und als nichts kam, liess ich los.

Ich berichtete, dass es nun wohl keinen Sinn mehr mache, dass ich noch weiters an die Teamsitzung käme. Es sei nun lange her und sie seien thematisch weitergezogen, wie auch ich. Ich sei dankbar, dass sie für mich da gewesen seien und in anderer Form auch da sein würden, aber es müsse sich wohl nun ändern.

Nach einer kurzen Stille kamen die ersten zu Wort und tatsächlich habe ich ausgesprochen, was nun auch die Anderen bemerkten. Es ist nun eine andere Phase eingeläutet od. wie man bei uns in Basel auch sagt, der Fährmann legt den Schwengel um und kehrt die Richtung.
Meine Kollegin äussert es auf ihre Weise, die Karawane ziehe weiters. Ich meinte nur noch, ob sie mir hoffentlich Wasser und den Platz in der Oase liessen, was ein erleichterndes Lachen auslöste.

Nach dieser Sitzung blieb ich noch beim Mittagessen, wo die Bewohnenden herzlichst meinen Kontakt suchten und auch einige vom Team, die dabei sassen. Ich verabschiedete mich schon mal, nicht ohne dass mir einige noch versicherten, sich zu melden und liess sie an die Krisensitzung mit dem Elefanten.

Dann machte ich mich an meinen letzten Stapel. Statt ihn durch zu sehen, liess ich nun alles durch den Shredder. Was jetzt nach so langer Zeit noch da ist, hat sich eigentlich längstens erledigt. Als alles durch geschreddert war, wechselte ich den Abfallsack und warf den Sack mit einem grossen Schwung in den Abfallcontainer.

Bye bye, nun ist es vorbei. Vielleicht habe ich noch die Aussicht, etwas Anderes zu machen. Doch ich hatte die Chance etwas zu beenden und gelöst und freudig erregt schwang ich mich auf mein Velo.

Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.