Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Vera Käflein: Ihr wart mein Licht in dunklen Tagen. Meine drei Kinder, der Krebs und ich

Ich empfehle das Buch für alle,

die sich in der Akuttherapie befinden und sich fragen, wie sie das mit kleinen Kindern schaffen sollen. Zudem ist es empfehlenswert für recht junge Krebspatientin, die noch im Studium oder erst am Anfang des Berufslebens stehen.

Kurz und knapp: Worum geht´s?

Frau Käflein ist nach der Geburt ihres dritten Kindes inmitten der WM 2014 (das Buch startet kur vorm Anpfiff eines Spiels der deutschen Nationalelf) kein unbeschwertes Familiensommermärchen vergönnt, sondern sie befindet sich mit 27 Jahren plötzlich im Schilddrüsenkrebsnirvana. Im Buch berichtete sie von ihrer zweijähriger Erkrankungszeit mit Operationen, Klinikaufenthalten und der Strahlentherapie. Als sie dann endlich wieder gesund ist, entdeckt sie am Hals ihres Sohnes einen entzündeten Lymmphknoten. Eine erneute Krankenhausreise – mit positivem Ende – beginnt.

Ich mag das Buch, weil..

es so leise, fast poetisch daherkommt. Frau Käflein hat einen wunderbaren Schreibstil und schafft es, völlig unaufgeregt und ohne sich zur Heldin zu machen, von ihrer unsagbar großen Mutterliebe zu schreiben. Dennoch bringt sie auch ganz klar ihre Kritik am Verhalten mancher Ärzte vor. Nicht zuletzt gefällt es mir, weil ich in Freiburg studiert habe, wo das Buch spielt und weil Frau Käflein zum Jung&Krebs e.V. gefunden hat, der mittlerweile mit dem „Team Wutachtal“ einen Ableger bei „uns hier oben im Schwarzwald“ hat und von einem Krebsbetroffenen (Huhu, lieber M.!) und mir ins Leben gerufen wurde (https://jung-und-krebs.de). Ich bin froh, dass ich über einen Zeitungsartikel in meiner Heimatzeitung auf dieses wunderbar sanfte, liebevolle und warme Buch gestoßen bin.

LESEPERLEN aus „Ihr wart mein Licht an dunklen Tagen“

Herrlich ehrlich!

Dr. Heideg wirkte nun genervt. „(…) Ich sage Ihnen, dass es völlig unbedenklich ist, bis Weihnachten zu warten.“ (…) Ich spürte wie geballte Abneigung in mir aufstieg. Mein Herz klopfte stark vor Wut. „Ich habe mich entschieden, dass ich das so für mich niht gebacken bekommen möchte. Ich were keine vier Monate warten. Und ich werde mich auch nicht von Ihnen operieren lassen.“

Genau so ist es… 

Umso toller, dass Carlos [im echten Leben: Carsten Witte] diesen Verein gegründet hat, der mir (…) viele eindrücklich Erlebnisse, einen intensiven Austausch und inzwischen viele langjährige Freundschaften schenkte. Das Gefühl nicht allein zu sein, mit einer solchen Extremsituation, das Wissen, dass andere einst genau denselben Schockmoment und ähnliche Therapien durchlebten wi man selbst, war und ist unglaublich viel wert. Da gibt es ein automatisches Verständnis füreinander. 

Sprachliche Fundstücke

Entenorakel = bevor Vera zum MRT muss, wartet sie im Klinikpark und beoachtet eine Entenschar. Sie bestimmt: „Liebe Ente, läufst du jetzt zu meiner Bank, dann wird alles gut!“ Leider kommt ein kleiner Dackel dazwischen und es funktioniert nicht. „Panik statt Erlösung“…

Traumforderung = bei der Besprechung ihrer MRT-Bilder wünscht sich die Autorin, dass beim Begriff „Raumforderung“ ein Buchstabe fehlt. Sie möchte lieber „einen Traum einfordern und danach gleich aufwachen.“

Dr. Comedy = selbstgefälliger, dauergrinsender Chefarzt mit solariumgebräuntem Gesicht 

Wildsau-Wahnsinn = Überschrift des 9. Kapitels, in dem Vera nach möglichen Ursachen ihres Krebses fragt und hierauf eine unverschämte Antwort von Dr. Comedy erhält: „Ham´se vielleicht zu viel Wildsau in Bayern gegessen? Die sind doch alle so verstrahlt.“

Kalziumkrise = nach der Operation ist Veras Kalziumspiegel viel zu niedrig

in den Schlaf gescannt = Vera muss zwei Tage völlig isoliert in einem Zimmer verbringen, da sie eine radioaktive Kapsel geschluckt hat. Mithilfe eines Discmans und einem Grönemeyer-Album schottet sie sich komplett ab, um keine Geräusche von außen zu hören und selbst nicht in Panik zu geraten

Humor statt Tumor

Während [der Arzt in der Strahlenklinik mir den Zugang legte, erinnerte er mich daran, dass ich, sobald ich die [mit radioaktivem Jod-131 gefüllte] Kapsel geschluckt habe, (…) saure Bonbons lutschen [solle], das würde meinen Speicheldrüsen helfen. (…). Dann beugte ich mich übers Bett [und öffnete die Papiertasche, die für mich abgegeben worden war]. Vier oder fünf Zeitschriften steckten in einem Meer verschiedenster Packungen mit sauren Bonbons, sauren Zungen, Stäbchen und Lutschpastillen. Als der sympathische Stationsarzt zurück ins Zimmer kam und all die Bonbons entdeckte, die verteilt auf meinem Bett lagen, musste er grinsen. „Okay, ich glaube, die sollten für die nächsten achtundvierzig Stunden reichen.“

 Gänsehautmoment

Als die Jungs ins Kinderzimmer gingen, nahm [meine Mutter] mich in den Arm und sagte: „Das darf nicht sein, Vera. Das darf einfach nicht wahr sein.“ Ich nickte nur und verfolgte mit meinen Augen , wie die Kinder sich gerade ein Schiff aus Kartons bauten, mit dem sie davonsegeln wollten. „Irgendwohin, wo es ganz viel Eis und keine Ultraschalle gibt“, erklärte Lukas. Nur zu gerne nahmen wir neben ihm Platz auf seiner Jolle aus Karton lund da saßen wir dann beisammen. Im selben Boot Auf der Flucht vor Schall und Knall.

Positive Brillengläser

Wahrscheinlich ist es normal, dass sich die Sichtweise auf manche Dinge ändert, wenn man bereits einmal so kurz davor war, das Leben zu verliefen. Auch wenn ich mich natürlich für all jene von Herze freue, die dies bisher noch nicht durchmachen und verstehen lernen mussten. 

Mehr über die Autorin:

In der Online-Ausgabe der Brigitte findet sich ein lohnenswertes Interview mit der lieben Vera.  

https://www.brigitte.de/aktuell/stimmen/krebs-mit-27–als-mama-von-drei-kindern-12264834.html?

Instagram-Account der Autorin: https://www.instagram.com/caraverola/

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