Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Vom Davonlaufen, Weitergehen und Dranbleiben

Mit meiner Brustkrebsdiagnose wurde der Pause-Knopf in meinem Leben gedrückt und gleichzeitig begann sich alles schneller denn je zu drehen.

Am Ende kam ich mit raspelkurzen Haaren und ein paar Narben auf der Haut davon. Durfte weiterleben. Doch während das äußere Leben wieder in die alte Normalität überging, war innerlich irgendwie nur noch wenig so wie früher und irgendwie überhaupt nichts normal.

Wer war ich denn jetzt eigentlich? Die alte Annette?!? Eine neue Annette?!?  Eine Mischung aus der alten und der neuen?!? Himmelfhilf! Lange Zeit war ich lost, suchte, überlegte, dachte nach und spürte in mich hinein.

Hier in meinem ersten Blogtexts des Jahres 2026 nehme ich dich, liebe Leserin und lieber Leser, mit auf meine Reise der Namensfindung. Wir starten mit Baby Annette, verweilen eine Zeitlang im geistigen Niemandsland und machen einen kurzen Zwischenstopp bei einem Fotoshooting in Frankfurt, wo es dann in mir klickte. Auf den letzten Metern der Textreise wird es es dann noch sehr persönlich, wenn ich über mein herausforderndes Jahr 2025 sinniere.

Liebe Leserin, lieber Leser, LAUFE nicht DAVON,  sondern lass dich ein auf meine Spielerei mit Worten und meine persönlichen Reflexionen. Mach es dir gemütlich und BLEIB DRAN an meinem neuesten Blogtext.

Wie alles begann

Ich bin 1977 geboren. Wurde auf den Namen „Annette“ getauft. Es folgten Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, Studium. Ich war EINFACH DIE ANNETTE. Und das war gut so.

Dann stand ich das erste Mal vor einer Klasse. Plötzlich war ich „Frau Faiss“. Hui, das hörte sich schon anders an. Aber schnell gewöhnte ich mich daran und blieb unter Bluse und Pullunder EINFACH DIE ANNETTE.

Nach der Heirat dann änderte ich meinen Namen und war fortan „Frau Holl“. Doch auch die blieb bei genauerem Hinschauen EINFACH DIE ANNETTE.

Dann kam Kind Nr. 1 und mit ihm änderte sich so einiges. Aus EINFACH DIE ANNETTE wurde DREIFACH DIE MAMA. Es änderte sich so einiges, es blieb weniger Raum und Zeit für mich. Doch das war okay. Von EINFACH hatte ja schließlich auch keiner was gesagt, oder?

Meine Goldschätze wurden älter und wir alle groovten uns im Familienmanagement ein. Der berufliche Widereinstieg kam. Immer öfter gab es wieder Zeitfenster für Me-Time und Paarzeit.  Und immer häufiger blitzte im Mamasein EINFACH DIE ANNETTE durch.

Fullstopp in meinem Leben

Dann kam der November 2020. Die Welt stand kurz vorm zweiten Lockdown und meine Welt nach einer Brustkrebsdiagnose still.

EINFACH war gar nichts und wie die Annette fühlte ich mich überhaupt nicht mehr. Da wuchs ein Tumor in mir, der mich töten, meine Kinder zu Waisen und meinen Mann zum Witwer machen könnte.

Ich lernte Selbstmitleid und Todesängste kennen. War in ständiger Habachtstellung und Ungewissheit.

Stellte mir die Frage nach dem Warum. Drehte mich im Kreis. Rannte gegen die Wand. Am liebsten wäre ich DAVONgeLAUFEN. Denn EINFACH war absolut gar nichts mehr.

Doch wie in einem Tunnel GING ich WEITER. Durchlief mehrere Untersuchungen und dann war mein Weg klar: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung zwischen Homeschooling und Homeoffice.

EINFACH DIE ANNETTE konnte ich nicht mehr sein. Ich tat Dinge, die ich nicht tun wollte, aber plötzlich tun konnte, auch wenn sie schwer, unbekannt und teilweise einfach gruselig waren.

Die “starke Frau“ oder gar “die Kämpferin“, zu der mich viele in meinem Umfeld ernannte, spürte ich. Was hatte meine Situation mit einem Kampf zu tun? Mein Körper war erkrankt und ich unterstützte ihn mit Medikamenten, mentalen Tricks und viel Bewegung dabei zu gesunden. Das hatte nichts mit Stärke zu tun. Ich wollte leben und fürs Überleben wollte ich alles geben. Ich nahm jede Untersuchung in Kauf, nahm brav jedes Medikament ein und akzeptierte es notgedrungen, dass ich Angst hatte, Schmerzen spürte, Einsamkeit kennenlernte.

Für eine ganze Weile strich ich das Wort EINFACH aus meinem Vokabular. Ich war eine Krebspatientin, die medikamentengesteuert in einem Tunnel funktionierte, um zu überleben. Nicht mehr. Und nicht weniger. Ich machte WEITER, immer WEITER.

Das Ende der Akuttherapie ist da: Alles EINFACH?

Und dann, im Sommer 2021, war ich nach 2 Operationen, 16 Chemos, 28 Bestrahlungen, unzähligen Antikörperinfusionen mit dem Prädikat „keine Krebszellen mehr nachweisbar“ aus der Akuttherapie entlassen.

Für einen Minimoment fühlte ich mich wie eine „Heldin“. Doch das Heldinnencape zog ich schnell wieder aus. Denn eigentlich war es doch schlichtweg unsägliches Glück, das das Universum mir zuteil hatte werden lassen.

Zudem hing ich schon ein paar Tage später wieder am Infusionsständer und erhielt noch über viele Monate lang neben der Rückkehr in den beruflichen und privaten Alltag Antikörperinfusionen. Das hat wenig Heldinnenhaftes und tageweise weitaus mehr Krebspatientinnenmäßiges.

Ich war noch immer Patientin und GING meinen Weg WEITER.

Dufte ich mich nun wenigstens „Survivor“ nennen, wie Zeitungsjournalist*innen und Fernsehmoderator*innen Menschen, die nach einer Krebserkrankung in Remission sind, gerne nennen?

Hm, am heutigen Tag bin ich vielleicht eine Überlebende, ja. Aber … Krebs ist bekanntlich ein mieser Verräter und schon morgen kann ein Rezidiv oder eine Neuerkrankung meinen Survivorstatus in den Pausenmodus versetzen.

Also nein, der Begriff passte auch nicht.

Wer bin ich?

Hm… Wer war denn nun diese Person, die ich da im Spiegel mir gegenüber sah?

Meine Haare waren raspelkurz. Mein Port lag noch unter der Haut. Ich hatte keine Periode mehr. Einige Narben mehr und ein paar Lymphknoten weniger. Ich war Krebsbloggerin geworden und eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Ich fühlte mich seltsam fremd und gleichzeitig auch wohl in meiner Haut. Doch der insgeheim gehegte Traum, nach der Akuttherapie wieder EINFACH DIE ANNETTE zu sein, war ausgeträumt.

Entpuppte sich vielmehr als Seifenblase, die zerplatzte, aber auch schön schillerte.

Denn familiär, beruflich und auch freizeittechnisch war manches so wie früher, manches total anders und manches wiederum ein nettes Zwischending.

Ich sag´s euch: EINFACH war an diesem Zustand nichts.

Für eine recht lange Zeit war ich ein MISCHWESEN  aus NEUER ALTER ANNETTE. Aber diess Wesen blieb nicht stehen, sondern GING WEITER. Ich würde schon irgenwdann wieder bei mir ankommen.

Hurra, jetzt hat sie´s!

Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen. Mein Leben nach Krebs ist nicht das Leben vor Krebs, aber auch nicht das mit Krebs. Es ist anders.

Und ich? Ich bin eine Frau, die in ihrem gleichen und doch anderen Leben nach Krebs angekommen ist. Einem Leben, das immer normaler wird. In dem es wieder Streit, Schimpfwörter, schlechte Laune gibt. Einem Leben, vor dem ich nicht DAVONLAUFEN möchte.

Und dennoch war ich weiterhin auf der Suche nach einer Bezeichnung für mich.

Ich war und bin weder armes Ding noch starke Frau, weder Kämpferin oder Heldin, weder Survivor noch akut Betroffene. Weder „alte“ noch „neue“ und auf gar keinen Fall EINFACH DIE ANNETTE.

Dafür war zu viel passiert, mit mir passiert, in mir passiert, an mir passiert und nicht zuletzt auch in meiner kleinen Familie und in der großen Welt passiert.

Nicht zuletzt befand ich mich 5 Jahre nach meiner Diagnose weiterhin in der Antihormontherapie, um mein Rezidivrisiko gering zu halten. Ich werde meinen Weg n och einige Jahre mit medikamentöser Hilfe WEITERGEHEN.

Auf meinem Weg im Leben nach Krebs fand fand ich – Heureka! Halleluja und Juchuh! – schließlich die DRANBLEIBERIN in mir.

Ich gebe zu, diese Wortkreation ist nicht meinem genial-schreiberisch-kreativen Hirn entsprungen, sondern stammt aus der Marketingabteilung von Novartis und Peix Health. Ich darf als eine von drei Frauen in ganz Deutschland Teil einer Kampagne mit dem wundervollen Titel DRANBLEIBERIN sein und mich selbst eine DRANBLEIBERIN nennen. Ich bin überaus dankbar dafür, anderen Betroffenen Mut machen und Kraft geben zu können. Ein Leben nach Krebs ist dank Medikamenten möglich. Wenn auch nicht immer easy und mit einigen Anstrengungen und einem veränderten Lebensstil verbunden. Aber es ist möglich und zwar gut möglich.

Der Begriff der DRANBLEIBERIN oder des Dranbleibers stammt aus der Marathonszene. Er soll Läufer*innen dazu motivieren, an ihrem Training DRANzuBLEIBEN, auch wenn es regnet, wenn die Beine schmerzen, wenn der Kuchen zu verlockend ist und wenn das Motivationstief auf dem Weg zum Marathontermin kommt.

Das passt doch wie die Faust aufs Auge oder besser auf mein Krebsschicksal, oder? Rückblickend betrachtet BLIEB ich eigentlich schon von Tag 1 nach meiner Diagnose DRAN. Schließlich hat meine Diagnose mir gezeigt, dass es sich lohnt, DRANzuBLEIBEN.

Sie mobilisierte meine Kräfte fürs Weitermachen in einer sehr herausfordernden und ausweglos scheinenden Situation.  Sie schärfte meinen Blick für die Endlichkeit und weckte eine unbändige Lebenslust in mir.

Und an dieser BLEIBE ich DRAN. In schlaflosen Nächten und wenn eine Hitzewallung anrollt. Mit schmerzenden Gelenken und trockenen Schleimhäuten. Im Dauerstress oder an entspannten Urlaubstagen. Vor Nachsorgeterminen oder in Psychotherapiesitzungen. In Rezidivangst erstarrt oder nach befundloser Nachsorgeuntersuchung vor Erleichterung und Glückseligkeit lachend. Ich BLEIBE DRAN.

Langstrecke statt Kurzsprint

Ja, auf kurzen Sprintstrecken ist mein Leben nach Krebs definitiv hart und anstrengend. Aber diese kurzen Beißmomente zahlen sich aus. Denn auf Langstrecke gesehen, wartet da ein großartiges Leben auf mich, das so viel für mich bereithält.

Wie zum Beispiel das coole Kampagnen-Shooting im Sommer letzten Jahres in Frankfurt.

EINFACH DIE ANNETTE hätte gezögert. Die hätte noch nicht mal “Ja” zur Kampagne an sich gesagt. Und spätestens beim Punkt „Wir werden Sie dann professionell fotografieren, machen Interviews und Videos mit Ihnen.” hätte ich mich gefragt: „Kann ich das überhaupt? Die lange Fahrt, alleine im Hotel sein, vor der Kamera stehen?“ Vielleicht wäre ich auch direkt DAVONgeLAUFEN.

Die DRANBLEIBERIN in mir rief „Wird schon gut gehen“ und sagte zu.

Ich gebe zu, dass ich dann aber kurz vor der Abfahrt dann doch noch Muffensausen bekam. Würde die Fahrt gutgehen? Würde ich das Hotel finden? Vorallem: Würde ich in der Frankfurter Großstadtenge einen Parkplatz finden und noch spannender dort auch einparken können? – Wer mich kennt, weiß, dass ich lieber hundert Mal um den Block fahre oder kilometerweit entfernt fahre, um einen möglichst breeeeeiten Platz für mein Auto und mich zu ergattern.

Tja, was soll ich sagen… Nachdem ich leicht nervös gestartet war, lief die Fahrt dann von ein paar Baustellendurchfahrten im Langsamfahrmodus abgesehen, bombastisch und ich war früher als gedacht in Frankfurt. Während der Fahrt tauchte ich unverhofft ziemlich tief in die Vergangenheit ab. Denn in Vorbereitung auf das Shooting und die Videos, die dort gedreht werden sollten, hatte ich Fragen erhalten. Die war ich zu Hause schon durchgegangen und während der Fahrt spulte ich geistig nochmal so einiges ab und hatte den ein oder anderen Flashback.

Das Navi leitete mich zur Location in einer unerwartet schönen Straße. Nicht unerwartet waren allerdings die Enge in der Straße und der nicht vorhandene Parkplatz und ich wurde leicht nervös “Wo um Himmelswillen kann ich hier halten?”… Bei meiner x-ten Runde um den Block (Jaaaaaaaa, so war es tatsächlich…) stand plötzlich eine Dame am Straßenrand, die winkte und mit diesem Winken wohl mich meinte. Es stellte sich heraus, dass dies eine Novartis-Mitarbeiterin war, die mich mit Handzeichen äußerst souverän in einen Innenhof einwies. Nochmals danke, liebe S., dass du mir aus der Einparkbredouille geholfen hast! Damit zauberst du mir ein fettes Grinsen ins Gesicht.

Nach einer sehr freundlichen Begrüßung startete bei über 30 Grad in einer schönen Altbauwohnung mit offener Küche und knarzendem Boden ein megasspannender, hochemotionaler und erinnerungsschaffender Samstag mit supernetten, äußerst professionellen und absolut herzlich-warmen Menschen.

Ich gebe zu: Ich fühlte mich schon ein bisschen star-a-like. Immerhin gab es da eine Stylistin, eine Visagistin und einen echten Star-Fotografen und zig andere Personen, die sich nur um mich und meine Geschichte kümmerten. Außerdem wurde den ganzen Tag Essen aufgetischt, ich bekam zweimal eine wundervollen Cappucino mit genialem Milchschauem kredenzt – viel mehr braucht die Annette ja eigentlich sowieso nicht zum Glücklichsein.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Personen von Novartis und Peixhealth, die im Vorfeld, während des Shootings und auch im Nachgang so überaus freundlich und höchst professionell mit mir und dem Thema umgingen. Ich bin mir sicher, dass die Dranbleiberinnen-Kampagne dem Krebs einen Raum gibt, der absolut ehrlich und dabei nicht erschreckend, sondern überaus mutmachend ist. Ich bin dankbar, dass ich ein Teil davon sein darf.

Im Anschluss an das Shooting checkte ich durchgeschwitzt, aufgedreht und voll mit neuen Eindrücken in ein nettes Hotel ein. Und dann beendete ich den Tag mit einer einer langen Joggingrunde am Main und fühlte mich einfach nur guuuuut. Kraftvoll. Mutig. Lebendig.

Danach genoss ich einen Abend für mich allein im Hotelzimmer. Ein bisschen Schokolade essen, ein bisschen lesen, ein bisschen weinen und ein bisschen nachdenken. Und dabei plötzlich ganz viel kapieren:

Ja, der Krebs war einfach nur bescheiden doof und es ging mir einfach kacke. Das kann man nicht anders sagen. Aber hey, heute im Hier und Jetzt hatte ich ein cooles Shooting gehabt. Heute war doch alles supi gewesen. Das galt es zu feiern!

Es galt das Leben, mein Leben, mein wiedergeschenktes Leben zu feiern. Und das tat ich. Indem ich am nächsten Vormittag erneut joggte, dann in einem netten Café frühstückte und die ersten Zeilen dieses Textes hier schrieb (den ich erst ein paar Monate später, am 1.1.2026 beenden sollte). Indem ich auf der Rückfahrt stundenlang sang. Indem ich mantramäßig in meinem Kopf immer wieder etwas vom DRANBLEIBEN erzählte.

JA! Ich würde auf jeden Fall an der Antihormontherapie, am Sport, an der gesunden Ernährung, an der Alkoholabstinenz und an der mentalen Arbeit DRANBLEIBEN, um noch ganz lange im Leben DRIN zu BLEIBEN.

Und plötzlich spürte ich noch etwas anders. Vielleicht war das ja doch EINFACH DIE ANNETTE, die da im Auto saß?

Dranbleiberin von Haus aus

Denn je länger ich seitdem über den Begriff der DRANBLEIBERIN nachdachte, desto klarer wurde mir, dass ich doch eigentlich schon immer eine DRANBLEIBERIN gewesen war.

Schließlich war der Tag meiner Diagnose war nicht der erste Kontakt mit der Endlichkeit des Lebens, mit meiner eigenen Endlichkeit.

Als Grundschulkind wurde ich von einem Auto angefahren. Der Fahrer flüchtete, ich stand mit ein paar Kratzern wieder auf und GING WEITER.

Ich verlor meinen Bruder bei einem Unfall. Ich tauchte aus der Trauer wieder auf.

Meine erste Schwangerschaft endete mit einem HELPP-Syndrom und Notkaiserschnitt. Ich schlug auf der Intensivstation die Augen wieder auf.

Auch beruflich BLIEB und BLEIBE ich DRAN. So bin ich seit vielen Jahren bin ich als Autorin tätig. Das Schreiben geht mir locker von der Hand, aber ab und an geraten auch meine Fingerlein ins Stocken. Doch bisher habe ich noch jedes Manuskript fristgerecht abgegeben.

Auch meinen Beruf der Lehrerin übe ich seit fast 20 Jahren mit großer Motivation aus und mittlerweile darf ich meine Begeisterung in der Lehrerfortbildung weitergeben. Ich BLEIBE DRAN, weil es mir Freude macht.

Ich stand immer wieder auf. BLIEB immer DRAN. Am Leben. Manchmal ging es nur einen miniminikleinen Schritt voran. Aber ich blieb nie stehen. Irgendwas in mir, meinem Naturell, Charakter oder wer auch immer dieser innere Antreiber ist, hat mich immer WEITERGEHEN lassen.

Wahnsinn, da hatte wohl in der EINFACHen ANNETTE schon immer eine DRANBLEIBERIN GESTECKT.

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Foto @Torben Conrad www.torbenconrad.com

Das Jahr 2025 – doch DAVONLAUFEN?

Auch in punkto Partnerschaft war ich eine echte DRANBLEIBERIN. Seit 29 Jahren gehe ich mit demselben Mann durchs Leben. Wir sind Eltern dreier wundervoller Kinder. Bauten zusammen ein Haus. Teilten Schicksalsschläge. Machten gemeinsame Erfahrungen.

Aber machen wir uns nichts vor: In 29 Jahren war nicht jeder Tag rosarotglitzernd und wir nicht immer superhappy. Nein. Wir kennen die schönen und auch die weniger schönen Tage in einer Beziehung. Doch wir GINGEN immer gemeinsam WEITER.

Im letzten Dreivierteljahr waren wir im Talbereich unterwegs, das lässt sich nicht leugnen. Es gab viel zu hinterfragen, zu klären und hatte wenig von fröhlichem Liebestaumel.

Ich fühlte mich häufiger doof als happy. Vergoss mehr Tränen als zu lächeln. Lernte die nachtschwarze und salzige Seite des Beziehungslebens kennen und stellte vieles in Frage.

Ja, auf weiten Strecken war mein Jahr 2025 einfach zum DAVONLAUFEN. Es schmerzte, es strengte an, machte mich traurig, ließ mich zweifeln und fühlte sich oft einsam ein.

Es zwang mich an vielen Tagen in die Knie. Ließ mich zu Boden schauen. Mental auf dem Zahnfleisch gehen. Mehr als einmal kam es mir in den Sinn, einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und aufzugeben. Oder gar stehen zu bleiben.

Aber mein innerer Antreiber ließ mich immer wieder aufs Neue meine Sportschuhe anziehen, meine Jogging- und Mountainbikerunden drehen. Verhinderte, dass ich stehenblieb.

Stattdessen rannte ich. Rannte, rannte, rannte. Rannte ich schnell.

Ich wollte weg von allem. Wollte nicht drandenken, was los war. Wollte abschalten und einfach vergessen. DAVONLAUFEN.

Doch das hohe Tempo machte müde. Ich drosselte es. Ich lief nicht mehr. Ich ging. Sagte Termine ab. Zog mich auf Social Media zurück. Konzentrierte mich auf meine Herzensgang und auf mich. Dachte nach, dachte sehr viel nach. War viel bei mir und mit mir. GING WEITER: Langsamer war, aber ich GING WEITER. Zum einen schlicht und ergreifend, weil das Leben, in dem ich drinsteckte, es einforderte. Zum anderen, weil es da immer irgendetwas gab, was mich motivierte, DRAN zu BLEIBEN.

Denn im WEITERGEHEN kam ich zu mir. Richtete ich den Blick nach vorne. Sah ich, dass es da inmitten all dem Stress, der Ungewissheit und den Sorgen es spaßige, liebevolle, leckere, lustige und absolut lohnenswerte Momente gab.

Ich durfte tolle Momente mit meinen Kindern erleben. Eine berufliche Chance ergreifen.2 neue Bücher von mir in die Welt entlassen. Begegnungen mit Menschen aus dem echten und virtuellen Leben machen.Eine Städtereise nach Paris, eine Radtour am Bodensee und einen Strandurlaub auf Kos genießen. Mit 2 weiteren Tattoos meinen Körper schmücken. Neue Freundschaften schließen und alte vertiefen. Mich auf Livekonzerten großartig fühlen. Unauffällige Nachsorgeuntersuchungen durchlaufen .Geniale Romane lesen, Kinofilme sehen und Serien bingen.

Für all dies, was sich da neben und inmitten dem privaten Wirrwarr tat, bin ich überaus dankbar. Und all das war Grund immer und immer wieder WEITERzuGEHEN.

Vom Universum gut geplant, verließen die ersten Texte und Fotos der  DRANBLEIBERIN-Kampagne den geschützten Raum genau in dieser privat recht krassen Zeit und wurden in der Öffentlichkeit geteilt.

Der Zeitpunkt des Kampagnen-Starts hätte kein passenderer sein können. Denn beim Betrachten meines eigenen Gesichts auf den Anzeigen, beim Korrekturlesen der Texte, die ich für die Webseite geschrieben hatte, beim Anschauen der Videos mit mir selbst in der Hauptrolle, erfuhr ich selbst Motivation. DAVONLAUFEN? Nicht mit mir.

Ich schöpfte Motivation fürs DRANBLEIBEN an meinem Leben, das sich inmitten der traurigen Hoffnungslosigkeit immer häufiger auch wieder einhornmäßig-rosa und zuckrig-süß anzufühlen begann.

Und so BLIEB ich immer DRAN. Am Sport und meinem sehr bewegten Alltag trotz oder gerade wegen intensivem privaten Struggle.

Und wisst ihr was? Das DRANBLEIBEN lohnte sich. Denn auf den letzten Metern des Jahres entspannte sich manches, löste sich einiges, wendete sich vieles zum Guten.

Nachdem es mich privat einmal komplett durchgewirbelt hatte, tauchte ich schlussendlich aus der partnerschaftlichen Krise auf und hörte auf die pragmatisch-bodenständige und dabei überaus wunderschöne Stimme, die sich immer lauter meldete. Sie raunte mir zu „BLEIB DRAN. BLEIB DRAN. BLEIB DRAN an euch. Es lohnt sich.“

Und ja…. Es lohnte sich definitiv! Auf der Zielgeraden des Jahres 2025 kam das Glück zu mir zurück. Zwar war ich wie eine Marathonläufern erschöpft und müde, aber gleichzeitig auch glücklich und stolz. Auf mich. Auf uns.

Es GEHT WEITER. Und womöglich wird es besser denn je! Ich erkannte, dass ich zwar gerne auf die eine oder andere Herausforderung in meinem Leben verzichten hätte können, aber dass dennoch in jeder von ihnen, so auch in meiner persönlichen 2025er-Challenge eine Chance steckt.

Nein, mein Jahr 2025 war nicht einfach. Und dennoch BLIEB ich DRAN. Weil sich mein Leben vor dem Krebs lohnte. Weil sich das Leben mit Krebs ebenso lohnte. Und das Leben nach Krebs allemal. Egal, ob schnell oder langsam, traurig oder glücklich, allein oder zusammen. Immer. Ich bin dankbar, es erleben zu dürfen. Dankbar, leben zu dürfen.

Auf ein neues Blogjahr!

Hast du Lust, liebe Leserin und lieber Leser, auch im Jahr 2026 an mir DRANzuBLEIBEN? Meinen Weg in weiteren Texten zu begleiten und von meinem Leben in all seinen Farben, mit all seinen Emotionen und all seinen Herausforderungen zu erfahren? Ja?! Wie wunderbar.

Ich freu mich auf viele Begleiterinnen hier auf meinem Blog bei Influcancer.com und auf der Dranbleiberinnen-Seite.

Lasst uns gemeinsam am Leben DRANBLEIBEN und es feiern. Euer, mein und dein Leben!

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