Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Was mich nicht umbringt…?

18.01.2026

Was mich nicht umbringt, macht mich stark.
Auch schon mal gehört? Oder ‚Nur aus Fehlern kann man lernen und weiterkommen‘, auch so ein Spruch.

Solche Weisheiten werden oft kritiklos weitergegeben und auch ich habe daran geglaubt.

Doch ist das eigentlich wirklich so? Kommt man im Leben wirklich nur weiter, wenn man aus Fehlern lernt?

Je älter ich werde, desto mehr komme ich vermehrt zu einem anderen Schluss, v.a. seit meiner Diagnose.
Nicht, dass es auch stimmt, dass man aus Fehlern lernen kann, doch ich frage mich, was stärkt mich wirklich? Was lässt mich resilient sein, so dass ich mit dieser unheilbaren Krankheit irgendwie klarkomme und mich nicht verzweifeln lässt?

In mir reift die Erkenntnis, dass wenn ich schlechte Tage habe od. stundenweise traurig bin, mir gerade die glücklichen Momente, die sonnigen Tage, die Tage, die mich alles Schwere vergessen lässt, hilft.

Sind es nicht auch die glücklichen Erfahrungen aus der Kindheit, die uns doch zu starken Erwachsenen reifen lassen? Ich denke an die unbeschwerten Momente, zeitlos, schwerelos ohne Gedanken an das Morgen.

Gerade jetzt zehre ich aus den Momenten, wo es mir gut ging od. geht. Auch gerade die kleinen Momente lassen uns Glück erleben oder das Schwere etwas leichter werden lassen.

Ich bin froh, dass ich schon länger angefangen habe kleine Genussinseln zu schaffen. Der Kaffee am Morgen, den ich nicht einfach aus der Kapselmaschine raus lasse sondern frisch mahle und auf den ich warten muss. Das selber gemachte Brot, das wir regelmässig seit Corona selber backen, die Pause auf dem Balkon, wenn die Sonne scheint, der Spaziergang am kleinen Teich, wo bald die Kaulquappen wieder schlüpfen. Ich bin überzeugt, es gibt bei jedem sollte Momente, doch geniessen wir sie auch? Schätzen wir die Qualität, die aus solchen Momenten passiert? Tanken wir nicht Kraft aus solchen Zeiten, in welchen alles so leichter scheint?

Schlechte Erinnerungen, Traumatas, Krankeiten lassen uns traurig, auch krank machen. Ich höre und lese viel, dass man was dagegen tun soll, daraus lernen und um aktiv was zu ändern.

Doch vorher kommt das Wissen, die Erfahrung, die mir den Weg weisen sollen?

Ja, es ist für mich eindeutig so, es stimmt nicht, dass ich nur aus Fehlern lerne oder ich nicht auch stark sein kann, wenn ich glückliche, schöne Momente erlebt habe.

Ich habe den Eindruck, dass man das Glück eher dem Zufall überlässt und die Fehler aktiv und reflektiv begangen hat, respektiv daraus was lernt.

Meine Überzeugung ist darum immer mehr, manchmal ist man auch weitergekommen, weil man aktiv was Gutes gemacht hat. Dem Tüchtigen hilft das Glück.
Zwar auch so ein Sprichwort, bei dem leider etwas Moralisches mitschwingt. Im Kern geht es für mich aber so, dass Zufälle passieren können, ob gut od. schlecht und dass man aktiv was lernen kann, auch wenn man Fehler beging od. was Gutes getan hat. Noch ein Spruch des Tages: ‚Glück ist die Summe schöner Momente‘.

Es ist neblig draussen und so schreibe ich meine Gedanken auf, die mir beim Wäsche aufhängen, beim Duschen, beim Sinnieren auf dem Sofa kommen.

Immer noch besser, als an den nächsten MRI-Termin zu denken und mir zu überlegen, was da passieren kann.

Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.