Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Wie geht eigentlich Kranksein? Die Zeit zwischen Diagnose und Operation

Von meiner Hausärztin sofort bis auf Weiteres krankgeschrieben, tauschte ich nach meiner Diagnose das Klassenzimmer und Turnhalle gegen Arztpraxen, wo ich zum Dauergast wurde. In diesem Beitrag erzähle ich vom Untersuchungsmarathon, meinem exakten Tumorprofil und darüber, was in der Zeit in meinem Alltag und meinem Gehirn ablief.

3,2,1 und los!

Hast du Krebs, dann wird die Untersuchungsmaschinerie ohne dein Zutun in Gang gesetzt. Es sind dann sehr schnell verschiedene Untersuchungen nötig. So wurden sämtliche Arzttermine in rasender Geschwindigkeit für mich ausgemacht und zwei Tage nach der Diagnose ging es schon los.

Der Göttergatte begleitete mich zu jedem Termin. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die unkomplizierte Reaktion seiner Chefin – egal, welches Meeting er meinetwegen auch verpasste oder frühzeitig verließ! Coronabedingt konnte er nur beim Termin mit Frau Dr. F. nach der Diagnose sowie bei der Besprechung der Gesamtergebnisse teilnehmen. Ansonsten fungierte er als mein Chauffeur, der im günstigsten Fall in der Klinik-Caféteria, in der Regel aber auf Stühlen vor verschlossenen Türen auf mich warten musste. Er war mir durch sein Dabeisein dennoch eine große Stütze. Denn während ich das heute rückblickend alles ganz klar beschreiben kann, war ich als Krebs-Neuling alles andere als klar.

So kollabierte ich bei der ersten Blutentnahme (Bestimmung der Tumormarker und sonstiger Blutwerte) und es brauchte mehrere Anläufe, bis ein, zwei Röhrchen mit rotem Lebenssaft gefüllt waren. Beim anschließenden Gespräch mit Frau Dr. F. lag ich in Rückenlage auf dem Boden. Was da eigentlich besprochen worden war, verstand ich dann erst am Abend zu Hause so richtig, als mein Mann mir alles noch einmal erklärte. Währenddessen war ich viel zu sehr mit Atmen und Schwindelüberwinden beschäftigt gewesen.

Ich rate unbedingt jeder und jedem Betroffenen: Nimm zu den ersten Arztterminen und –besprechungen unbedingt eine Begleitperson mit, die dich sehr gut kennt und der du voll vertraust! Das muss nicht zwangsläufig dein/e Partner/in sein. Immerhin ist sie oder genauso wie du, erst vor Kurzem mit deiner Krebsdiagnose konfrontiert worden. Das wirft auch ihr/sein Leben durcheinander und stellt so manchen (gemeinsamen) Lebensplan erstmal aufs Abstellgleis. Je nachdem, wie ernst die Lage ist (prognostizierte Lebenserwartung), welche Konsequenzen das für euch als Familie/Paar hat, kann es sie/ihn ziemlich aus der Bahn werfen. Möglicherweise kann es also besser sein, deine Schwester oder deinen Bruder oder auch eine Freundin oder einen Freund mitzunehmen. Denn es ist wenig zielführend, wenn deine Begleiterin oder dein Begleiter genauso dünnhäutig ist wie du selbst.

Rein in die Praxis, raus aus der Praxis und rein in die nächste

Um festzustellen, wie mein Tumor tickt und mit welchen Behandlungen man gegen ihn vorgehen kann, hatte das Sekretariat von Frau Dr. F. mir einen Untersuchungsfahrplan vorgelegt, den ich binnen einer Woche absolvierte.

Meine erste Untersuchung war ein CT (Computertomografie) zur Suche nach Metastasen in Lunge, Niere und Leber. Hierzu wurde mir ein Kontrastmittel verabreicht. Anschließend musste ich mich auf eine Liege legen, die mich in einen etwa 70cm breiten rotierenden Ring hineinfuhr. Eine weibliche Computerstimme gab mir Kommandos: “Halten Sie die Luft aaaaaan.” “Atmen Sie normal weiter.” “Halten Sie die Luft aaaaan.” Zeitgleich wurden Aufnahmen meiner Organe gemacht. Nach etwa zehn Minuten war der Atemspaß vorbei und ein sympathischer junger Arzt in Turnschuhen und Polohemd gab Entwarnung: Keine Auffälligkeiten.

Die absolute Highlightuntersuchung war das Knochenszintigramm. Hierzu hatte Frau Dr. F. mich zu einem “äußerst reizenden Kollegen” in meine alte Studienstadt geschickt. Mir wurde ein radioaktives Mittel in die Vene gespritzt, die sich im Knochen anlagern sollte und dafür eine längere Einwirkzeit benötigte. Der Göttergatte und ich verließen die Praxis und machten einen schönen Spaziergang auf den Spuren unserer Vergangenheit. Wir unterhielten uns die ganze Zeit. Über das Leben, unsere Kinder, den Krebs und uns. Diese Stunde ist eine sehr schöne wertvolle Erinnerung aus Woche 1 meines Krebslebens.

Die Untersuchungen waren für mich, die ich mich in engen Räumen unwohl fühle, sehr gewöhnungsbedürftig. Ich verbrachte zwei Mal mehr als eine Stunde sandwichartig eingequetscht in eine immer wieder piepsende Maschine, die mich von den Füßen bis zum Kopf abscannte. Der Tipp, mir im Kopf Lieder vorzusingen, mag bei anderen funktionieren. Mir fiel nur das Kinderlied “Was klappert denn da mit den Kno-o-chen? Karl-Die-ie-ter, da-as Skelett.”(Volker Rosin)  ein. Und das erschien mir irgendwie doch etwas makaber als Begleitmusik bei der Suche nach Knochenmetastasen. Deshalb beschränkte ich mich lieber aufs Atmen. Der schlimmste Teil war die Kopfnummer, bei der ich ganz nah an eine über meinem Kopf befindliche Scheibe hingefahren wurde. Horrorminuten! Ich rief sogar zwei, drei Mal nach der Praxisangestellten, die mir dann freundlich ins Ohr flüsterte, dass es nicht mehr lange dauern würde. Die anschließende Besprechung mit Herrn Dr. M. – nebenei bemerkt tatsächlich ein “reizender Mann”-  läutete dieser mit den Worten: „Alles gut.“ ein. Auch hier: Keine Metastasen!

Insgesamt waren sämtliche Zusammentreffen mit Praxis- und Klinikangestellten, Ärztinnen und Ärzten wegen der parallel zu meinem privaten Drama ablaufenden Corona-Krise wenig charmant. Das ständige Tragen des Mundschutzes sowie der große Abstand zwischen den Ärztinnen/Ärzten und mir ließ nur schwer Patientennähe entstehen. Dennoch spürte ich bei sämtlichen Untersuchungen Freundlichkeit und Verständnis von Seiten der Göttinen und Götter in Weiß und ihren fleißigen Helferlein. Ich zolle Ihnen allen vollsten Respekt für Ihre Arbeit in diesem Corona-Wirrwarr!

Wie geht eigentlich Kranksein? Die Zeit zwischen Diagnose und Operation

Jetzt wird es ernst: Mein Tumorprofil

Im Anschluss an all diese Untersuchungen fand ein Tumorboard statt. Frau Dr. F. teilte dem Göttergatten und mir die Ergebnisse der Stagings in einem gemeinsamen Gespräch mit. Ich hatte, so ihre Aussage, „den Sechser in der Brustkrebs-Lotterie“ gezogen.

  • kleiner Tumor
  • hormonsensitiver Tumor
  • Krebszellen haben HER2-Rezeptoren (hohe Wachstumstendenz).
  • Kein erblicher Brustkrebs („Angeline-Jolie-Gen“)
  • keine Knochenmetastasen
  • keine Metastasen in Lunge, Herz, Niere, Leber
  • noch ausstehend bis nach der OP: Lymphknotenbefall ja/nein? (Ich nehme hier vorweg: nein!)

Vielleicht hat auch der „Glückspilz-Schal“, den ich zu jeder Staging-Untersuchung angezogen hatte, ein kleines bisschen beigetragen? Wer weiß!? Dankeschön auf jeden Fall an dich, mein Schwesterherz, die du ihn mir geschenkt hast! Er hat in der Krebszeit echt an Bedeutung für mich gewonnen.

Staging (Stadieneinteilung): Die Ergebnisse sämtlicher Untersuchungen, die nach der Feststellung eines bösartigen Tumors stattfinden, um dessen genaues Profil erstellen zu können.

Tumorboard: Bei dieser (Telefon-)Konferenz unterhalten sich Ärztinnen und Ärzte mehrere Fachrichtungen über die Ergebnisse der Biopsie und des Tumorprofils sowie der Staging-Untersuchungen. Daraus wird dann ein Behandlungsplan aufzustellen.

Nun stand fest, wie ich „meinem kleinen Brustkrebs“ aktiv in mehreren Schritten entgegentreten konnte.

Erster Schritt: brusterhaltende Entfernung des Tumors sowie des Wächterlymphknotens und ggf. weiterer Lymphknoten in der Achselhöhle

Zweiter Schritt: Ausgehend vom der endgültigen Grad meines Tumors nach seiner Entfernung und der Lymphknoten würde dann die Entscheidung zwischen alleiniger Bestrahlung oder Chemotherapie plus Bestrahlung getroffen.

Dritter Schritt: Auf jeden Fall stünden dreiwöchige Antikörperinfusionen über die Dauer eines Jahres aufgrund der HER2-Rezeptoren an.

Vierter Schritt: Nach Beendigung aller Therapiemaßnahmen besteht dann noch die Möglichkeit einer Anti-Hormontherapie in Tablettenform.

Während ich das alles zwar hörte, aber nicht wirklich realisierte, zückte Frau Dr. F. schon den Kalender und besprach sich kurz mit dem Sekretariat. Ich verließ die Klinik mit einem Termin für meine Brust-OP. Am 18. November 2020 sollte mein Klinikaufenthalt beginnen.

Bleibt festzuhalten: An diesem Krebs werde ich nicht sterben und ich habe gute Chancen, ihn als Episode in meinem Leben ad acta legen zu können. Vorausgesetzt alle Therapiemaßnahmen schlagen gut an und sämtliche „schlafende Krebszellen“ werden zerstört. Dass ich ausgehend von meinen Parametern lebenslang krebsfrei bleibe, ist statistisch gesehen, realistisch. Ob es so ist, werde ich definitiv in (hoffentlich vielen) Jahren wissen.

Zweite Meinung?!

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Frau Dr. F. mich ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass es mein Recht ist, eine zweite Meinung von einer Kollegin oder einem Kollegen einzuholen. Das rate ich jeder Betroffenen und jedem Betroffenen hier unbedingt, wenn sie oder er nicht hundertprozentig zufrieden bist mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Es ist wichtig, dass ein gutes Verhältnis zwischen euch herrscht, denn ihr werdet einen recht langen gemeinsamem Weg gehen. Ich selbst hatte von der ersten Minute an ein sehr gutes Bauchgefühl bei meiner Ärztin und mein Mann teilte dieses Empfinden. Deshalb begab ich mich mit gutem Gewissen in ihre Hände und eine Woche später auch unter ihr Messer.

Geistige Verwirrung, Familienalltag und Beerdigungspläne

Nach einer recht schweigsamen Heimfahrt, hatte ich kurz nach der Ortseinfahrt plötzlich das dringende Bedürfnis, aus dem Auto zu steigen und den restlichen Heimweg zu Fuß zurückzulegen. Ich spürte viele Tränen hinter meinen Augen und die wollte ich allein im Dunkeln loswerden und nicht vor meinen Kindern. Die drei Goldschätze waren während unseres Termins bei einer sehr guten Freundin untergekommen und hatten den Sankt-Martins-Tag in voller Perfektion ausgelebt: die Großen backten Martinsgänse, die Kleinen trugen ihre Laternen um die Häuser. Wieder mal waren Familienalltag und Krebstumult so nah beieinander und so sollte es in den nächsten Tagen auch bleiben.

Ich war konfus, ich war durcheinander, weinte viel und schlief wenig. Während ich für die Familie kochte, dachte ich an mein Testament: Wäre das jetzt nicht der passende Moment, um eines aufzusetzen? (Spoiler: Bis heute habe ich immer noch keines, wie auch immer man das deuten mag. Feigheit oder Lebenswille?)

Während ich radelte oder mit dem Goldkind puzzelte, bastelte ich an einer Gebrauchsanweisung für meine Beerdigung.

  1. Setzt keine Traueranzeige in die Zeitung.
  2. Und wenn ihr es nicht lassen könnte, dann bitte ohne Foto. Aber unbedingt mit schönem Spruch, aber ohne Bibelzitat.
  3. Untersteht euch in schwarzen Trauerklamotten zu meiner Beerdigung zu kommen.
  4. Singt keine langweiligen Kirchenlieder und auf gar keinen Fall„Hallelujah“ von Leonard Cohen. Und wenn ihr es unbdingt spielen möchtet, dann nehmt die Version von Bon Jovi oder zur Not auch Rea Garvey mit der blonden Schlagerröhre im Duett.
  5. Meine drei Goldkinder müssen auf keinen Fall eine Rede halten oder musizieren, wenn sie das nicht möchten.
  6. Serviert Sekt und Lachshäppchen für die Erwachsenen und für die Kinder Fanta und Würstchen.
  7. Streut Konfetti auf den Boden und lasst Leuchtluftballons steigen.
  8. Beerdigt mich nicht in einem Sarg, sondern verstreut meine Asche in den Bergen oder in der Nordsee.

Mancher Leserin oder manchem Leser mögen diese Gedanken befremdlich vorkommen oder ihm oder ihr vielleicht auch ein mulmiges Gefühl bereiten. Dann tut mir das Leid. Für mich war das zum damaligen Zeitpunkt eine logische Konsequenz meines Krebses, der nun mal potentiell mein Leben verkürzen kann. Ich rate sogar jeder und jedem anderen Betroffenen unabhängig von der jeweiligen Diagnose und Prognose, sich mit diesem Thema zu befassen. Es ist seltsam beruhigend zu wissen, dass der Schlusspunkt hinter dein Leben in deinem Sinne gesetzt werden wird und du deinen Angehörigen kein Kopfzerbrechen über die Wahl des Blumenschmucks oder der Playlist bereiten wirst. Im Übrigen: Die Gebrauchsanweisung hat ja kein Verfallsdatum, sie gilt dein Leben lang. Deshalb steht sie für mich deshalb in keinem Widerspruch zu einem positiven Blick auf die Zukunft. Sie nimmt dem Positiven vielleicht den träumerischen Anteil und überzuckert das Ganze mit etwas mehr Realismus. Der sei einer Krebserkrankten gestattet!

Kranksein oder funktionieren?

Mein Körper funktionierte einwandfrei und doch bekam ich bei Ärzten ohne Wartezeit einen Termin – musste diesen noch nicht mal selbst ausmachen. Ich blickte überall in ernste Gesichter, erntete Schweigen am anderen Ende der Telefonleitung und bekam mitfühlende Textnachrichten. Bei meinen Gegenübern löste ich Erschrecken, Traurigkeit oder auch Beklemmung aus, wenn ich das K-Wort in den Mund nahm. Ich war krank, fühlte mich aber nicht so.

Zwar war ich psychisch eindeutig neben der Spur, körperlich aber voll auf der Höhe. Ich hatte keinerlei Schmerzen oder äußere Anzeichen einer Krankheit zu vermelden. Zwischen den Untersuchungen und ein paar Telefonaten, riss ich weiterhin täglich meine Kilometer auf dem Mountainbike herunter und suchte Ablenkung in Spaziergängen. Einmal packten das Goldkind und ich noch das Patenkind mit ein und ausgehend von der Düsegeschwindigkeit, die die zwei Laufradprofis an den Tag legten, brauste ich ihnen an einem herrlichen mild-sonnigen Spätherbsttag hinterher. Nein, Kranksein ging anders!

Ganz pragmatisch stellten Gehirn und Körper bei mir auf „funktionieren“ um und ich stürzte mich in verschiedene Tätigkeiten. Wie vor den Geburten hatte ich aus einem inneren Drang heraus das dringende Gefühl, das Nest komplett sauber machen zu müssen, damit es der Familienbrut gut geht und ich in eine saubere Umgebung zurückkommen werde. Also  machte ich Hausputz. Aber nicht im kleinen, sondern im großen Stil. Also inklusive Kühlschrankputzen, Schränkeausräumen, Bettenabziehen und Bücherregaleabstauben. Außerdem füllte ich den Kühlschrank bis oben hin und kaufte so viele Fertig- und Tiefkühlprodukte, dass jede Ernährungsberaterin und jeder Ernährungsberater die Hände über den Köpfen zusammenschlagen würden. Diese würden dem Göttergatten auf jeden Fall möglichst wenig Stress zwischen Homeoffice, Kindern und Sorgen um die Ehefrau bereiten und für große Freude bei den Goldschätzen sorgen. Zudem setzte ich noch einen großen Topf Rinderbrühe auf, denn eine warme Suppe sorgt ja bekanntlich in allen Lebenslagen für volle Mägen und Seelenfrieden. Selbst wenn ich wochenlang hinter den Krankenhausmauern festgehalten werden würde: Für genügend Kalorien und wenig Staub hatte ich auf jeden Fall gesorgt und das muss in nervenaufreibenden Zeiten ja nicht das Schlechteste sein, oder?

Abschiedsszenario

Zwar standen ja eigentlich nur eine Operation und fünf Tage Krankenhausaufenthalt ins Haus, dennoch fühlte sich das für mich an wie ein richtiger Abschied. Von ein paar wenigen, sogar sehr wenigen, Malen abgesehen, war ich nie länger als eine Übernachtung von meinen Kindern getrennt gewesen. Für das Goldkind würde es sogar die erste Trennung über Nacht überhaupt bedeuten. Deshalb war ich traurig und auch besorgt, wie das hier ohne mich so werden würde. Keine Frage, der Göttergatte ist ein stattlicher Mann, der selbst denken und organisieren kann. Dennoch bin ich, da teilzeitarbeitende Mama, einfach mehr zu Hause und somit Dreh- und Angelpunkt für so vieles. Seien es die Pausenbrotdosen, das Geschenk für den Kindergeburtstag des besten Freundes, die Muffins für das Klassenfest oder die Nachrichten für die Großeltern.

Aber es führte kein Weg daran vorbei: Der Knoten musste raus und ich deshalb ins Krankenhaus rein. Deshalb packte ich meine Siebensachen, wobei das bei mir, die sich beim Packen nie entscheiden kann, „ob das Shirt mit soll oder doch lieber das andere oder vielleicht doch alle beide?“, wohl eher „Zwanzigsachen“ heißen müsste. Außerdem hängte ich Infozettel an die Pinnwand: Wer hat wann Flöten, Klavier, Trompete oder kann bei wem zum Spielen unterkommen? Wann wird die Altpapiertonne abgeholt? Wie ist die Telefonnummer unseres Kinderarztes?…

Am Vorabend meiner Abreise schrieb ich jedem meiner drei Goldschätze und auch dem besten Mann der Welt eine persönliche Karte. Die stellte ich auf das Sideboard und bat den Göttergatten darum, sie am Folgetag zu überreichen oder auch gemeinsam mit den Kindern zu lesen. Diese Zeilen waren mir ein immenses Anliegen.

Wer weiß, wie ich aus dieser Krebsgeschichte rauskommen würde? Ich wollte meinen Kindern neben schönen Erinnerungen auch etwas Handfestes hinterlassen. Ich versicherte ihnen, dass die Ärzte gut auf mich aufpassen und ich selbst mein Bestes geben würde, damit dieser Krebszustand bald ein Ende hätte. Ich versuchte Ihnen Zuversicht zu geben, auch wenn ich selbst diese am Vorabend meiner Operation nicht verspürte.

Wie geht eigentlich Kranksein? Die Zeit zwischen Diagnose und Operation

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