Wurmloch
Wurmloch
27.12.2025/04.01.2026
Kennt Ihr noch die Star Trek Serie? Mir hat es neben dem Original die Episoden von ‘Deep Space Nine’ angetan. Darin geht es um eine Aussenstation tief im Weltall, wo sich die verschiedensten Spezies tummeln. Neben dieser Raumstation befindet sich auch ein Wurmloch, ein Loch das zwei Galaxien, die Lichtjahre entfernt sind, wie eine Abkürzung verbindet.
So eine Abkürzung im Zeit Kontinuum beginne ich zu fühlen. Ich schliesse die Augen und bekomme den Eindruck, dass ich mich plötzlich an einem anderen Ort und zu einer Zeit befinde. Ich bin über ein Mail ‘gestolpert’ das mich daran erinnert, dass ich gestern vor einem Jahr nach Irland gereist bin. Und da fühle ich, was ich vor einem Jahr gefühlt habe, so wie das das Wurmloch die Galaxien verbindet, kann ich mich hinein versetzten in diese Ferien. Neben Vorfreude hatte ich auch mega Angst. Vor dem Fliegen (schafft mein Kopf 4 Starts und Landungen), kommen wir aus miteinander und was wird überhaupt möglich sein an Aktivitäten so nach 4 Monaten seit der OP?
‘Mein’ Arzt gibt mir Mut und grünes Licht, ‘meine’ Psychologin wertvolle Tipps, mein Mann ermuntert mich und freut sich selber auch.
Die Eltern von einer guten Freundin besitzen ein Häusschen im Südwesten von Irland und wir werden eingeladen und zusammen reisen wir zu viert nach Irland zu ihren Eltern im County Kerry.
Just vor 10 Jahren waren wir schon mal zusammen dort. Das Haus ist etwas auswärts und lauschig. Es hat nicht so viel Platz, was mich etwas unruhig werden lässt. Dennoch wurde es wunderbare Ferien, Irland im Winter ist wie verzaubert, es hat kaum Touristen und es ist weniger kalt, wie man denkt. Der Golfstrom sorgt für feuchte aber milde Luft. Wir sind viel am Wasser, bis zu den Knien wage ich es sogar ins Meer. Unsere Freunde gehen am Neujahr noch schwimmen, das traue ich mich wg. der Epilepsie dann noch nicht.
Nun anfangs Jahr 2026 sind die aktuellen Kurzferien auch schon wieder Geschichte und ich kann das Wurmloch wieder aktivieren. Ich denke an die Wanderungen, die ich machen konnte. Noch kurz vor der geplanten Reise erwischte mich mal wieder eine Welle von Fatigue. Wie sollte ich wandern gehen, wenn es mir nur nach Liegen ist? Ich versuche einmal mehr meinen Liebsten zu erklären, dass Fatigue was anderes ist, wie einfach müde sein. Es gibt so viele Infos dazu und wirklich gute Erfahrungsberichte, wie hier ein paar Blogs früher. Doch wenn ich ehrlich bin, kann ich es auch nicht so ganz erklären. Es ist wohl wirklich erst fühlbar, wenn man selber betroffen ist od. mit Menschen arbeitet, die professionell damit zu tun haben.
Item, die Welle ebbte wieder ab, ich konnte wie geplant in die Berge reisen. Sogar eine Wanderung über 900 Höhenmeter Steigung gelang mir. Wow, ich fasse es kaum selber, noch ein paar Tage vorher musste ich den Bus nehmen, weil ich nicht weiter konnte und danach nur noch auf dem Sofa lag.
Ich schliesse die Augen und sehe die Berge, den Weg, den wir gelaufen sind und das bei schönstem Sonnenschein und blauen Himmel.
Einmal mehr überkommt mich die Dankbarkeit, dass ich das noch erleben darf. Am folgenden Tag reichte es ‘nur’ für einen etwas kürzeren Spaziergang und Enttäuschung kam kurz auf, doch dann überkam mich wieder das gute Gefühl vom Vortag und schlussendlich war es dann doch noch eine rechte Runde.
Nun beginnt das neue Jahr. Ich habe Silvester verschlafen, weil ich zu müde war und die Zeiten für Parties schon früher nicht mehr so meine Sache war. Es ist auch eigentlich nur ein Datum, aber dennoch bekommt mich die Wehmut.
Was bringt das Jahr 2026? Werde ich noch weiter so leben können? Ich habe keine Kristallkugel, die mir die Zukunft weissagt, was wohl auch besser so ist. Es kommt, wie es kommt und dann sehe ich weiter.
Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.
