Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

80 Prozent

Kennt ihr die 80-Prozent-Regel? 20 Prozent des Aufwands sind nötig, um 80 Prozent des Ergebnisses zu erreichen. Für die restlichen 20 Prozent sind aber 80 Prozent des Aufwands nötig. Ich finde, 80 Prozent sind beruhigend. Zu 80 Prozent ist nämlich die Neubildung in meinem Knochen, die Anfang Februar bei einer Routinekontrolle aufgefallen ist, kein Tumor, kein Rezidiv meiner Krebserkrankung.

Das ist eine gute Nachricht, keine Frage. Aber ich möchte auch um Verzeihung bitten. Viele von euch sorgen sich und haben das in ihren Kommentaren und Nachrichten zum Ausdruck gebracht. Ich danke euch von tiefstem Herzen für eure Worte. Genau das ist es, was wir alle brauchen, wenn wir in einer Krise stecken, sei sie nun so kurz wie bei mir oder länger wie bei vielen anderen. Aufbauende Worte des Sich-Sorgens, und um Mut und Hoffnung zuzusprechen.

Eure Worte haben mich über die vergangenen Wochen getragen und ich möchte um Verzeihung bitten, dass ich euch erst heute die Entwarnung zukommen lasse. Ich weiß schon seit Montag, dass in der Gewebeprobe der Knochenbiopsie keine Krebszellen gefunden werden konnten. Die Woche war aber zu zeitintensiv, als dass ich schon früher etwas posten konnte. 6 Wochen nach der Diagnose sprechen nun also 4 von 5 Befunden gegen einen Rückfall. Es bleibt ein Unsicherheitsfaktor von 20 Prozent, aber mein Ärzt*innenteam meint, dass es kein Krebs ist. In 6 Wochen wird wieder eine MRT gemacht, zur Verlaufskontrolle.

Bis dahin freue ich mich sehr über den fürsorglichen Umgang miteinander, den ich in den vergangenen Wochen selbst erfahren habe und von dem ich hoffe, dass er auch anderen Menschen zuteilwird. Gerade in dieser Zeit der Distanz ist es wichtig, für die notwendige Nähe zu sorgen, so gut es eben geht. Das Foto mit der Nase ist vor genau einem Jahr in Island entstanden, kurz vor dem ersten Lockdown. Mögen wir alle, wenn es in unseren Leben gerade besonders hart ist, die rote Nase aufsetzen und die Sache mal ganz anders angehen. Ich wünsche euch alles Gute und bleibt gesund!

Schon gelesen? Einblicke in unser Magazin

Jetzt teilen