Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Auslassversuch gescheitert

Es läuft im Krankenhaus selten nach Plan. Das musste ich gerade wieder am eigenen Leib erfahren. Eigentlich sollte meine Harnleiterschiene wegen eines Keims gewechselt werden. Die Ärzte hatten jedoch einen anderen Plan: einen sogenannten „Auslassversuch“. Das bedeutet: Die alte Schiene kommt raus, und es wird erst mal keine neue eingesetzt, um zu sehen, ob es auch ohne geht.

Spoiler-Alarm: Es ging nicht.

Die unendliche Geschichte der Verschiebungen

Geplant war der Eingriff für Dienstag. Aber wie es eben so ist: Bereits zum zweiten Mal bei insgesamt sechs Eingriffen hieß es kurzfristig: Verspätung, wir verschieben auf morgen. Man braucht im Krankenhaus vor allem eins: Geduld.

Als ich am Mittwoch nach dem Eingriff aufwachte, die Überraschung: Mir wurde doch wieder eine Schiene eingesetzt. Die Ärzte hatten an der Stelle des Tumors eine Biopsie entnommen, weil das Gewebe gerötet war. Damit das Ganze aber trotzdem ein Auslassversuch bleibt, wendeten sie einen Trick an: Die Schiene wurde mit einem Faden direkt am Katheter befestigt. Die Idee dahinter: Wenn der Katheter gezogen wird, kommt die Schiene direkt mit raus. Klingt im ersten Moment absolut unangenehm – war es zum Glück aber überhaupt nicht.

Dass mein Harnleiter extrem schmal ist, macht die Sache nicht einfacher. Vermutlich ist das eine Spätfolge der Bestrahlung nach meiner Prostata-Operation. Der Operateur war deshalb von Anfang an skeptisch und glaubte nicht, dass der Auslassversuch klappt. Der Oberarzt sah das anders und überstimmte ihn.

Der Rückschlag und das Kofferpacken

Am Donnerstag wurde ernst gemacht: Katheter und Schiene kamen raus. Am Freitag folgte die Quittung in Form der Blutwerte. Mein Kreatininwert war angestiegen. Kein gutes Zeichen. Der anschließende Ultraschall brachte Gewissheit: Harnstau in der Niere. Der Auslassversuch war offiziell gescheitert.

Ab diesem Moment ging es nur noch um die Frage: Wann kommt die neue Schiene rein? Die Aussichten für das Wochenende standen denkbar schlecht. Frustriert beschloss ich, übers Wochenende nach Hause zu gehen und den Eingriff in der darauffolgenden Woche machen zu lassen. Mein Koffer war bereits gepackt, meine Frau schon auf dem Weg, um mich abzuholen.

Eine Achterbahnfahrt der Entscheidungen

Doch die Unsicherheit blieb. Ich suchte noch einmal das Gespräch mit dem Arzt. Er machte mir Hoffnung, dass der Eingriff vielleicht doch schon am Sonntag klappen könnte, sodass ich am Montag entlassen werden könnte. Also warf ich meine Pläne über den Haufen, packte die Koffer wieder aus und blieb.

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell: Zur Mittagszeit hieß es, dass es eventuell sogar noch am Samstag klappt. Um 18:30 Uhr wurde ich tatsächlich in den OP geschoben. Dieses Mal reichte eine Sedierung, und um 20 Uhr war ich schon wieder zurück auf meinem Zimmer.

Endlich Land in Sicht?

Am Sonntag hieß es dann: Katheter raus. Die Erleichterung folgte prompt: Die Blutwerte sind wieder besser, und der Ultraschall zeigte keinen Stau mehr in der Niere. Endlich durfte ich nach Hause!

Kurzfristig ist das Problem damit gelöst. Aber glücklich bin ich mit der Situation nicht. Eine solche Harnleiterschiene muss spätestens alle sechs Monate gewechselt werden. Als dauerhafte Langzeitlösung ist das ein ewiges Hin und Her, das an den Nerven zehrt. Ich werde mich jetzt definitiv schlau machen müssen, welche alternativen Lösungen es für mich noch gibt.

Jetzt teilen