Fantasie, Freiheit und faule Eier

Wenn die Wanderköchin mit Herz über Freiheit fantasiert

  1. Fantasie

An Fantasie mangelte es mir ja nie – aus Problemen wurden so im Handumdrehen Herausforderungen, aus Langeweile spannende Unternehmungen und aus einer Sackgasse sehr oft ein wunderbarer, neuer Weg. Früher, als Modedesignerin, war meine Fantasie Motor meiner Kreativität, Grundlage meines Schaffens. Beim Kochen hilft sie mir, aus einem erprobten Rezept eine neue, kulinarische Kreation zu entwickeln, wenn beispielsweise Zutaten oder Gewürze fehlen.

Auch jetzt während dieser neuen, beunruhigenden, uns alle sehr fordernden Zeit mangelt es mir nicht an Fantasie, wie ich aus der dramatischen, existentiellen Situation mit eigener Kraft wieder herausfinden könnte – hätte ich die freie Wahl! Wir sitzen alle in einem “Corona-Boot”, jeder/jede hat jedoch so seine/ihre ganz persönliche Challenge damit. Viele trifft es finanziell hart, andere arbeiten rund um die Uhr, manche sind Risikogruppe und bangen um ihr Leben und und und.

2. Freiheit 

Mir fehlt jetzt die freie Wahl massiv! Freiheit ist im Laufe meins 53-jährigen Lebens für mich so selbstverständlich geworden wie sauberes Wasser oder wie der Wechsel von Tag auf Nacht. Selbst kluge Bücher, die sich mit dem Freiheitsgedanken beschäftigten konnten mir nicht das Gefühl geben, wie es ist, ohne Freiheit leben zu müssen. Diese harte Nuss, nämlich Freiheit zu realisieren, knackt man wahrscheinlich nur, wenn sie einem genommen wird.

Ich bin überzeugt, wenn ich könnte, so wie ich wollte, dann würde ich es schaffen, auch diese berufliche Challenge zu meistern und mich an den eigenen Haaren aus dem Morast zu ziehen. Doch plötzlich werden Optionen auf ein Minimum eingeschränkt, Möglichkeiten scheinen in weiter Ferne und eine freie Wahl hat man auch nicht mehr. Meine Idee, für kranke, und alte Menschen zu kochen und sie zu beliefern wurde abrupt wieder gestoppt. Bürokratismus geht vor Freiheit, selbst in diesen Zeiten. Das stinkt irgendwie zum Himmel!

3. Faule Eier

“Jeder kocht sein eigenes Süppchen.”, “Zu viele Köche verderben den Brei.”, und “Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.” Drei markige Sprüche, die eigentlich alles aussagen. Derzeit versuchen viele, ihr eigenes Süppchen zu kochen, auch wenn alle Zeichen auf Zusammenhalten und gegenseitige Unterstützung stehen. Dann hat man wieder das Gefühl, dass zu viele Köche an einem Brei rühren, und man vor lauter Kochlöffeln den Brei nicht mehr sieht. Oder wird es ohnehin nicht so heiß hergehen?  Wer hat Recht, welche Vorhersage wird eintreffen? Und wo bitteschön zum Teufel befindet sich das faule Ei?!?

Ich gehe jetzt in die Küche und koche – das beruhigt mich. Ich brauche etwas Süßes gegen den Gestank der faulen Eier: Kaiserschmarren mit Preiselbeeren! Tipp: Mascarpone statt Milch verwenden und einen Schuss Orangensaft dazu.

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