Toxisch
Geburtstagswunsch
Prognosen, hoffnungsvolle Worte, Versprechen etc. waren Schall und Rauch. Die Sorge in den Augen von ihm, empfangend im Wartezimmer, das sind Fakten. Und das schlimmste; ich konnte sie nicht nehmen. Was wünschst du dir zu deinem Geburtstag? Der wichtigste Tag musste doch gebührend gefeiert werden. Schließlich wurde ein „vielleicht“ Lebensretter geboren. Ich konnte seinen Herzenswunsch nicht erfüllen. Der Anruf kam eine Woche nach der Biopsie; Frau Baldus, können sie heute nochmal vorbeikommen?
Alles war so irreal. Er hatte seinen freien Tag, ich war zuhause, fast so, als ob es vorbestimmt war. Natürlich war er an meiner Seite. Ich bin gleich da! Warte auf mich. Kurz darauf sitzen wir im abgedunkelten Zimmer des Krankenhauses vor dem Professor.
„Sie haben ein Mammakarzinom.“
Dieser eine Satz der mein Leben verändert hat. Für immer.
Ich habe nicht geweint, nicht gebrüllt; nur gefragt; wie geht’s jetzt weiter? Was soll ich tun?
Meine grösste Angst war, meine Haare zu verlieren und für mich war klar; Chemo bedeutet das Ende der Beziehung, die gerade erst Knospen bekam. Diese Belastung wollte ich niemandem zumuten.
Ich funktionierte wie mechanisch. Keine Träne habe ich aufgrund der Diagnose bis heute vergossen; es waren andere Tränen.
Versbschiedwt wurden wir mit den Worten: „Sie beide, sie sind ein tolles Team!“…
Mit dem OP Termin vier Tage später fuhren wir zurück. Schweigend. Es war ein Gefühl der absoluten Leere in mir. Ein hohler Raum in meinem Kopf. Bis heute.
Was er dachte weiß ich leider bis heute nicht.
