Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Schattenseiten

30.03.2026

Ich denke an das letzte Wochenende und das davor. Unterschiedlicher könnten die beiden Wochenenden nicht sein.
Ich war mal wieder unterwegs, mit einer Freundin gings nach Dresden, wo wir über das Wochenende 6 Tage verbrachten. Mir ging es recht ordentlich und zusammen mochten wir doch da und dort etwas anschauen. Eine Führung durch die Altstadt, etwas bummeln, zwei Ausflüge in die Umgebung und immer wieder Pausen in Cafés oder dank mildem Wetter auch in Biergärten.
Was toll war und auch wunderschön, doch auch sehr anstrengend. Ohne Fleiss, kein Preis…
Nein, fleissig wollte ich zwar nicht sein, aber eine schöne Zeit verbringen.
Doch schon während des Aufenthaltes mussten wir mal auch einen Tag einen Gang runterschalten. Städtetrips sind eh nicht die pure Erholung, aber mit meiner Diagnose ist es  intensiver. Natürlich könnte ich darauf verzichten und mich in einem Spa erholen, doch so ganz kann ich es einfach nicht lassen. Darum also Dresden. Eine tolle Erinnerung mehr und ich konnte den Gedanken an den Krebs weit, weit in eine Ecke drängen.
Die Rückfahrt war dank der deutschen Bahn ein Erlebnis für sich, 2.5 Stunden hatten wir letztendlich Verspätung. Total müde kamen wir schliesslich zu Hause an.
Zwei Tage hielt ich mich noch über Wasser, schaltete einen Gang runter, machte nur das Nötigste, doch dann am folgenden Samstag war es vorbei. Mein Akku war nicht nur im roten Bereich, sondern stürzte ab. Ich war noch etwas am Dorfmarkt, der zweimal jährlich stattfindet und ab dann ging nichts mehr.
Wie soll man Fatigue erklären. Die, die es selber haben, wissen selber, wie es sich anfühlt, doch wenn man das nicht kennt, ist es letztlich wohl nicht oder nur schwierig nachvollziehbar.
Und nein, auch wenn es sich wiederholt, es ist nicht einfach müde, es ist nicht einfach abgeschlagen und nein, es lässt sich nicht mich schlafen kurieren. Es ist nicht so einfach, doch es gibt mittlerweile gute Informationen über Fatigue.
Zwei Tage war mir das Sofa mein liebster Ort, weil ich einfach nicht immer im Bett bleiben wollte. Ich schaffte einen kurzen Ausflug mit dem Velo, danach hiess es wieder, müde, müde, müde, kaputt, Bildrauschen im Kopf, Akku immer noch im roten Bereich.
Ja, was ist nun die Quintessenz aus dieser Erfahrung? Städtetrips aussen vor lassen, immer versuchen im Gleichgewicht zu sein?
Ein NoGo für mich. Ich lag auf dem Sofa und dachte an die tollen Momente auf unserem Trip. Erinnerungen, die ein Schatz für mich sind, wenn es wieder mal in die Therapie gehen sollte. Ich möchte noch nicht nur immer im Gleichgewicht sein. Noch möchte ich Dinge erleben. Natürlich könnte ich einfach in ein Café gehen und dort Kuchen od. Brötchen essen, was ich by the way über alles liebe, doch es gibt noch soviel mehr zu erleben. Es muss ja nicht ein Marathon od. eine Bergwanderung auf den Kilimandscharo sein, ein Städtetrip tut es für mich auch.
Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.