Chemofatigue und der Umgang damit

Chemofatigue und der Umgang damit

Fatigue: Was ist das eigentlich?

Nun ja, einer der vielen Nachwirkungen einer Krebstherapie. Diese nicht beschreibbaren Erschöpfungs- und Müdigkeitszustände die bei mir aus heiteren Himmel kommen. Tage, an denen ich zu nichts im Stande bin. Wo wieder alles zu viel ist. Wo der Körper einem merken lässt, “Hoppala, da war doch mal was schlimmes, er zeigt dir wieder deine Grenzen auf!” 

Mit schlafen und Erholung kann man diese Zustände kaum ausgleichen. Es ist auch nicht vergleichbar mit einer normalen Müdigkeit. Fatigue ist eine übermäßige Erschöpfung- Energielosigkeit, die über das Empfinden “normaler Müdigkeit” hinausgeht. Die Leistungsfähigkeit im Alltag sind dadurch stark beeinträchtigt.

Fatigue tritt oft noch Jahre nach einer Krebsbehandlung auf und kann Tage, Wochen, Monate andauern. Eine Besserung gelingt nur in minimalsten Schritten, es braucht also Geduld, Geduld, Geduld.

Es ist also ein Teil von uns Krebsi`s, manchmal mehr, manchmal weniger. Es macht uns den Alltag und die Wiedereingliederung in ein Arbeitsleben aber extrem schwer. Denn nach Außen hin sieht man nichts. Die Gesellschaft denkt sich, wir sind gesund und sehen wieder gut aus. Lachen, haben wieder Spaß am Leben. Doch wir sind nicht mehr so belastbar wie vor dem Krebs. Die extrem schweren Therapien haben unseren Körper gezeichnet. Und die Fatigue erinnert mich dann oft daran, wie schwer es wohl für meinen Körper war.

Die Symptome: Extreme Energielosigkeit, Erschöpfung, Antriebsverlust, Reizbarkeit, Schwäche, Energiemangel, Konzentrationsstörungen, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. 

Ich finde es wird Zeit, dass auch die Gesellschaft darüber Bescheid weiß und Verständnis aufbringt. Und auch die Arbeitswelt Rücksicht nehmen sollte auf uns ehemaligen Krebspatienten.

Die ständigen Fragen, was machst du so den ganzen Tag? Warum arbeitest du noch nicht? Ich arbeite täglich an meiner Leistungsfähigkeit in Form von Sport, Gedächtnisübungen sowie Entspannungsverfahren. Ich übe mich in Geduld, die mein Körper braucht, um sich von meinem 2,5 jährigen Martyrium zu erholen. Um selbst nicht zu verzweifeln, wenn mir mein Körper die Grenzen aufzeigt, dann versuche ich wieder gezielt mich wieder mental aufzubauen. Ich denke, dass ist für uns alle die größte Herausforderung. Sich selbst nicht aufzugeben und sich selbst immer und immer wieder aufzubauen und nach vorne zu blicken. Sich an den kleinsten Schritten zu erfreuen und diese anzuerkennen. Wir haben ein Martyrium an Therapien hinter uns und sind einfach nur dankbar, noch am Leben sein zu dürfen. Jeden Tag aufstehen zu dürfen, wieder lachen zu dürfen, nach vorne blicken zu können. Das ist das größte Geschenk für mich. Aber es braucht Zeit. Der Körper braucht diese Erholung um wieder zu funktionieren.

Meine Tipps gegen Fatigue-Zustände:

  • Meditationen und Entspannungsverfahren: Die Akkus unserer Körper sind nach den Therapien am Nullstand, also aufgebraucht. Durch Entspannungsverfahren kann man schrittweise die Akkus wieder aufladen.
  •  Spaziergänge im Wald und an der frischen Luft
  •  Sport generell, auch wenn es noch so schwer fällt. Aber die Leistungsfähigkeit des Körpers wird durch Ausdauer- und Kraftsport erhöht. Dadurch stellt der Körper wieder mehr Energie zur Verfügung.
  •  Dinge tun, die einem gut tun und diese wiederholen 🙂
  •  Lerne, diese Situation anzunehmen. Gib dem Körper die Zeit die er braucht. Wir brauchen uns vor niemanden rechtfertigen. Und sollte jemand urteilen, dann leihe ihm seine Schuhe. Niemand außer uns selbst, kann verstehen, wie wir uns fühlen und wie unfassbar schwer die Therapien waren (Körperlich als auch Psychisch). Und es ist unser gutes Recht, dem Körper die notwendige Erholung zu geben, die er braucht. Schließlich hat unser Körper all diese schrecklichen Therapien überstanden und wir müssen ihm nun auch was zurückgeben.
  •  Holt euch Psychoonkologische Unterstützung. Ich kann nur bestätigen, wie unfassbar hilfreich es war, das ganze Trauma Krebs aufzuarbeiten und den Schockzustand aus dem Körper professionell zu lösen. Auch das brachte mir mehr Kraft und Energie.
  •  Hilfe anzunehmen von Freunden und Familie ist kein Zeichen der Schwäche. Es ist notwendig und völlig okay. Ich blicke oft zurück und vergleiche den Zustand vor einem Jahr oder vor 2 Jahren. Das zeigt mir dann wieder, wie weit ich schon gekommen bin und dass es besser wird.
  •  Wir müssen lernen, unsere Kräfte einzuteilen. Und auch gezielt NEIN sagen.
  •  Zu Ängsten und Sorgen sage ich mir selber dann immer: Es ist nur ein Gedanke, verschwinde wieder. Ich lass ihn wieder los und ersetze diese Gedanken mit positiven Affirmationen und trainiere mein Unterbewusstsein bewusst mit positiven Affirmationen.
  •  Lenke den Fokus gezielt auf deinen Atem oder positiven Affirmationen, Mantras
  •  Die EFT-Klopftechnik hilft mir ebenfalls erfolgreich bei Ängsten und Sorgen.

Auch ich fühle mich oft überfordert und habe große Sorgen darüber, wie ich mal einem Arbeitsalltag gerecht werden sollte. Es wird besser, zwar in kleinen Schritten, aber es wird besser. Geduld, Geduld, Geduld, Geduld – der wohl größte Lernprozess während und nach einer Stammzellentransplantation.