Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Magere Zeiten – vom Verzicht zum Genuss

Weniger ist mehr

Die Karwoche ist quasi der Höhepunkt der Fastenzeit. Reinigung, Loslassen, Verzichten, Erleichterung, Vorbereitung – all das wird mit Fasten verbunden. So richtig magere Zeiten gab es in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr, und so ist die Fastenzeit für unsereins oft die einzige Möglichkeit, ein Gefühl für “weniger ist mehr” zu erlangen.

Für Menschen mit Krebs jedoch kommt es während der verschiedenen Phasen der Therapie und nach Operationen zu extremen Veränderungen der Geschmacks- bzw. Geruchsnerven, bis hin zu ständiger Übelkeit oder täglichem Erbrechen. Oft ist der Gedanke an Essen nur noch eine Belastung, ganz zu schweigen von der Vorstellung, sich etwas selbst kochen zu müssen. Logischer Weise kommt es dadurch zu einer sozusagen unfreiwilligen Fastenzeit, die ab einem gewissen Grad jedoch zu einem extremen Energieverlust führt.

Essen für das Immunsystem

Es gibt wissenschaftlich belegte Hinweise darauf, dass sich eine spezielle Ernährungsweise jedoch positiv auf den Heilungsverlauf auswirken kann. Das Weglassen von Zucker, Kohlehydraten, rotem Fleisch und Kuhmilchprodukten beispielsweise hilft Krebszellen quasi auszuhungern. Stattdessen wird geraten, mehr von Gemüse, Hülsenfrüchten, pflanzlichen Fetten wie Leinöl oder Olivenöl, Fisch und hochwertigen Nüssen zu sich zu nehmen, und so das Immunsystem zu stärken. Die Kunst liegt darin, eine gute Mischung zu finden.

Nicht nur für Krebspatient*innen sondern auch für Menschen mit einem erhöhten Krebsrisiko empfiehlt es sich, über diese natürlichen Ressourcen, die man aus der Nahrung zu sich nehmen kann, Bescheid zu wissen. Es geht vor allem darum, den überwiegenden Teil des Speiseplans danach auszurichten, und dabei von dem Gefühl des Verzichtes zu einem Gefühl des Genusses zu kommen. Statt Chips oder Soletti könnte man abends zum Glas Wein Paranüsse oder Pekanüsse knabbern – die schmecken übrigens köstlich!

Kochen für mentale Gesundheit

Und dann gibt es da noch ganz besondere positive Energielieferanten wie die Tonkabohne zum Beispiel. Rohkakao beinhaltet viele wertvolle Mineralstoffe wie Magnesium und Eisen sowie Antioxidantien, Flavonoide, Tryptophan,  Monoaminooxidase, Serotonin und Melatonin. Bitterschokolade macht also wirklich glücklich, solange sie einen Kakaoanteil von mindestens 70 %, besser mehr hat. Ungerösteter Rohkakao ist auch besonders gut für das Herz, steckt doch bis zu 612 mg Magnesium/100g darin.

Ich verwende gerne Rohkakao-Nibs der Firma Chocofalla, und zwar nicht nur im Müsli oder Porridge in der Früh, sondern gerne auch in pikanten Speisen wie im Linseneintopf oder im Chili sine Carne (dabei verwende ich außerdem statt Fleisch geräucherten Tofu!). Und mit Bitterschokolade lassen sich herzhafte Saucen zu Wild oder Rind hervorragend verfeinern, was ein ganz spezielles, interessantes Aroma verleiht.

Vom Verzicht zum Genuss

Hier ein Rezept von mir, das unglaublich klingt, weil es ganz ohne Kohlehydrate und Zucker auskommt und trotzdem köstlich süß schmeckt.

Karottentorte ohne Zucker und Kohlehydrate

Zutaten für eine Tortenform von 20 – 23 cm Durchmesser

200 g Karotten fein gerieben

200 g Mandeln oder Haselnüsse gerieben

100 g Buchweizenmehl

150 g Alternasweet *)

4 Eier getrennt

½ Packung Backpulver

1 Messerspitze Vanilleextrakt

1 Messerspitze Nelkenpulver

1 gestrichener Teelöffel Zimt

1 Prise Salz

1 Schuss Rum (kann man auch weglassen)

½ Zitronensaft

*) Alternasweet von Raab Vitalfood bei Drogeriemarkt Prokopp: Erythrit + Stevia, 1:1 dosieren wie Zucker, ideal zum Backen. Im Gegensatz zu reinem Erythrit hat es eine größere Süßkraft, und im Gegensatz zu reinem Stevia keinen Eigengeschmack.

Zubereitung – Dauer ca. 75 Minuten

Die Eier trennen und das Eiweiß zu Schnee schlagen. Mehl und Backpulver vermischen, alle anderen Zutaten miteinander verrühren, dann die Mehl-Backpulver-Mischung untermengen und den Eischnee unterheben. Die Masse in die eingefettet und bemehlte Backform füllen (man kann natürlich auch eine Kastenform verwenden) und im auf 160 ° Heißluft vorgeheiztem Backrohr ca. 45 – 50 Minuten backen. Auf mindestens lauwarm auskühlen lassen und mit Mandelsplittern bestreuen.

Ich wünsche gutes Gelingen!

Eure Wanderköchin mit Herz

Mehr über das Kochen für Menschen mit Krebs findet ihr hier: https://wanderkoechin.at/kochen-fr-krebspatientinnen

Foto von Birgit Indra: Carolina Strasnik

Magere Zeiten – vom Verzicht zum Genuss

“Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.” (Voltaire)

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