Mutmachbrief
Mutmachbrief
Oktober ist nicht nur ein Monat. Oktober ist Pinktober! Der Moment, der ganz im Zeichen der Brustkrebsaufklärung steht.
Selbstverständlich ist der Oktober die Zeit, auch hier auf meinem Blog ein Zeichen für Brustkrebs zu setzen.
In den vergangenen Tagen habe ich mich oft damit beschäftigt, was mir auf meinem Weg mit Brustkrebs Mut macht. Denn es gibt Tage, an denen mir alles zu viel wird: Die Gedanken kreisen, der eigene Körper fühlt sich fremd an und manchmal ist es schwer, den Blick wieder nach vorn zu richten.
Deshalb habe ich einen Mutmach-Brief geschrieben – an eine unbekannte Schwester im Geiste. Einen Brief, der nicht nur mir selbst hilft, meine Gedanken zu sortieren und neue Kraft zu finden, sondern auch anderen Mut machen soll.
Vielleicht kann ich dir mit meinem Brief Mut machen? Vielleicht kennst du jemanden, dem mein Brief Mut machen könnte? Dann teile ihn, dann teile den Link zu meinem Blogtext so, so gerne.
Denn eins ist sicher: Gemeinsam erträgt sich dieser Krebsmist um einiges leichter. Da muss keine alleine durch.
Liebe unbekannte Schwester,
ich kenne weder deinen Namen noch dein Alter. Weiß nicht, wie dein Leben gerade aussieht. Weiß nicht, ob du heute einen guten oder einen verdammt schweren Tag hast.
Aber ich weiß etwas anderes.
Ich weiß, wie es ist, wenn da jeden Tag diese kleine Tablette liegt. Weiß wie es ist, wenn man alle paar Wochen eine Spritze bekommt. Beides zu deinem Schutz. Aber beides mit einem Preis.
Vielleicht fragst du dich manchmal: Wie lange noch?
Vielleicht vermisst du deinen Körper, wie er einmal war. Vielleicht erkennst du dich selbst manchmal nicht wieder.
Und vielleicht gab es schon Momente, in denen du dachtest: “Ich kann nicht mehr. Ich will das alles hinschmeißen.”
Damit bist du nicht allein.
Ich weiß genau wie es ist.
Es gibt Tage, an denen ich laut fluche. Tage, an denen ich weine. Tage, an denen ich fluche. Tage, an denen ich mich selbst bemitleide. An denen das Mutigste, was ich tue ist, meine Medikamente zu nehmen.
Und trotzdem gibt es auch diese anderen Momente.
Wenn ich einen großen Kaffee mit viel Milchschaum genieße.
Eine Radtour, bei der mein Kopf endlich leiser wird.
Wenn ich beim Autofahren lauthals singe.
Fröhliches Kindergeschrei hier im Haus.
Ein Sonnenaufgang vor meiner Terrasse.
Ein Lob von meinem Chef.
Ein Fernsehabend mit meinem Mann.
Diese kleinen Dinge machen nicht alles wieder gut. Nehmen mir nicht alle Ängste. Aber sie erinnern mich ans Leben. Mein stinknormales Leben. Mit Familylife und Jobhighlights. Mit Haushaltskram und Terminen.
Ich wünsche dir, liebe unbekannte Schwester im Geiste, dass du solche Anker in deinem Leben findest.
Vielleicht hast du Menschen, die dich tragen? Und wenn da keine Menschen sind, dann vielleicht dein Hund oder deine Katze. Gute Musik, ein Lieblingscafé, dein Garten, ein gutes Buch oder der wunderschöner Himmel über dir?
Die dich daran erinnern, warum du Stimmungsschwankungen, Gelenkschmerzen, Hitzewallungen und Panikattacken in Kauf nimmst. Warum es sich lohnt dranzubleiben.
Wenn du gerade zweifelst und nicht weißt, wie du durch deinen Tag kommen sollst, dann leih dir für einen Moment meinen Mut. Ich geh ein paar Meter für dich mit.
Und wenn deine Kraft zurückkommt und dein Mut wieder lauter wird, dann gehen wir gemeinsam weiter. Hinein ins Leben. Mit seinen unendlich vielen Möglichkeiten.
Deine unbekannte Schwester im Geiste
Hat dich mein Brief berührt, hat er dich erreicht? Dann schreib doch auch einen Mutbrief. Deinen eigenen Mutbrief. An eine unbekannte Schwester. An dein früheres Ich. An dein zukünftiges Ich. Oder einfach an jemanden, der ihn gerade braucht.
Schicke ihn mir gerne per E-Mail an annette@jung-und-krebs.de. Ich teile ihn dann gerne hier auf meinem Blog. Dann können wir uns uns gegenseitig daran erinnern: Wir gehen diesen Weg nicht allein.
