Unter dem Motto „talk about cancer“ beschäftigen wir uns mit den vielen Facetten einer Krebserkrankung.hello@kurvenkratzer.at

Kämpfen…?

09.10.2026 

Endlich Ferien!
Es gelang uns beiden, also meinem Mann und mir, anfangs September etwas los zu lassen. Der Monat begann mit einem Konzert der Band meines Mannes an einem Dorfanlass, wie schon vor zwei Jahren.
Ich war nervös, so hat es auch vor zwei Jahren begonnen mit meiner Krankengeschichte. Ich habe dieses Konzert damals nicht mehr selber erlebt, weil ich da bereits im Spital lag.
Nun also das Revival, alles stimmte. Es war ein wunderschöner Abend und ich konnte einfach nur geniessen. Meine Liebsten lebten mit, drückten mich und erinnerten sich auch, wie es damals vor zwei Jahren war. Sie freuten sich mit mir, dass es nun aber anders war. Die Tochter guter Freunde, eine angehende Psychologin 😉 und als Gast mit auf der Bühne, meinte nach dem Konzert warmherzig, nun hätte ich mein schlechtes Erlebnis ‘überschrieben’. Ja, das traf den Punkt, ich war mal wieder glücklich und konnte die Geister der Vergangenheit etwas vertreiben.

Nach dem Konzert ging es los mit den Ferien. Wir hatte noch etwas Anfangsschwierigkeiten mit Losfahren, aber dann reisten wir ab, einfach der Nase nach. Spontan cruisten wir von Ort zu Ort in den Alpen und nach etwas mehr als zwei Wochen kamen wir zwar etwas müde, aber mit tollen Erlebnissen und vielen unvergesslichen Erinnerungen wieder nach Hause zurück. Ich habe als Sozia die Töfftouren genossen, wir sind aber auch gewandert, gebummelt, haben relaxt und der Spätsommer/Frühherbst hat sich sehr Mühe gegeben. Wir hatten immer wieder Ecken gefunden, wo es warm und schön war.
Als Ausklang sind wir noch im Garten gewesen und haben einfach die Zeit noch etwas genossen, bevor es für meinen Mann wieder hiess, ab zur Arbeit.

Ich genoss weiterhin das tolle Wetter, traf meine Freundinnen und war happy, dass ich mich so gut erholte. Seit langem hatte ich wieder mal das Gefühl, dass es so mal bleiben dürfte.

Ha, das Schicksal hat seine eigenen Pläne. In meiner Erinnerung sassen wir am 30.09. noch auf dem Balkon, sprachen über irgendein banales Thema und die nächste Erinnerung war, dass ich nicht mehr sprechen konnte und nicht begriff, was da in meinen Hals steckte.
So langsam hörte ich Stimmen, die mir begreiflich machten, dass da ein Schlauch in meinem Hals steckte, ich noch beatmet werde und sie ihn nun langsam wieder rausziehen würden. Ich weiss nicht mehr, wie lange es ging, bis ich begriff, dass ich auf der Intensivstation lag. In der Folge realisierte ich peu à peu, dass es bereits der folgende Tag war, ich einen epileptischen Anfall hatte, mein Mann die Sanität holen musste und ich darum mich eben auf dieser Station befand.

Es waren etwas schwierige Tage, die ich irgendwie immer als Wartesituation empfand. Ich musste warten auf die Verlegung auf die Bettenstation, dann auf meinen Mann, der mir meine Sachen brachte, dann auf das MRT, dann auf die Berichte und schlussendlich auf die Entlassung.

Und zum ersten Mal begriff ich, was ‘kämpfen’ bedeuten kann.
Ich habe von mir immer gesagt, dass ich versuchen werde, nicht gegen den Krebs zu kämpfen. Aber das immer wieder aufstehen müssen, das immer wieder an die Grenzen kommen, fordert einem schon Vieles ab.

Ich möchte immer noch nicht gegen den Krebs ‘kämpfen’, aber das Leben mit Krebs kann schon ein Krampf sein. Vor irgendwo kommt wieder was hervor. Ich fühlte nach diesen tollen Tagen, wie wenn mir jemand in die Kniekehlen schlug.

Also, einmal mehr heisst es aufstehen, dankbar sein für die Zeit, die ich noch habe, einmal mehr dankbar sein für meine Liebsten, die mitleiden, mich ablenken, in den Arm nehmen und akzeptieren, dass ich erneut viel Zeit brauche um zu regenerieren.

Ja sch… Krebs.
Aber anscheinend ist das letzte Kapitel immer noch nicht geschrieben.
DANKE Schicksal, auch wenn mir die Zunge ab und an nicht nur runter hängt vor Müdigkeit, sondern ich sie auch gegen das Universum rausstrecke, bäh.

Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.