Abschiede
Abschiede
28.08.2026
Der Sommer verabschiedet sich so langsam. Die Hitze war diesen Sommer extrem, was den Abschied etwas mildert.
Doch schon fehlen mir die ersten Dinge, die den Sommer so schön machen, auch wenn ich recht unter der Hitze gelitten habe. Es war derart heiss, dass ich, wir, oft gar nicht mehr raus wollten. Hinter den Sonnenstoren blieben wir in der Wohnung, sehnsüchtig wartend auf etwas Kühle.
Doch Wehmut taucht auf, als ich das erste Mal Socken anziehen musste, weil ich kalte Füsse bekam od. ich überlegen musste, ob ich nun eine Jacke brauchte für den Abend. Auch die kurzen Hosen werde ich wohl bald nicht mehr so oft brauchen.
Doch Abschiede gehören zum Leben, sagt sich’s so leicht.
Ich musste mich verabschieden von meiner Gesundheit, meiner Arbeitsstelle, die mir viel bedeutete, meinem Vater, der ja im Juni gestorben ist, von der Wohnung, in der meine Eltern lebten, weil meine Mutter ins Altersheim musste und so von den Dingen, die auch mir was bedeutet haben und überhaupt immer wieder von meinem ‘alten’ Leben, das ich vor der Diagnose lebte.
Wie viele Abschiede kann man ertragen? Und wohin geht nun der Weg?
Ich habe nach wie vor das Glück, relativ mobil zu sein und noch einiges an Bewegung möglich ist. Der Vorteil des heissen Sommers war, dass ich fast täglich schwimmen war. Mal mehr, mal weniger zog ich die Längen im Schwimmbad, je nach Lust und Kraft. Ich weiss noch, dass ich davon träumte, überhaupt je wieder schwimmen zu können.
Das letzte MRT zeigte nach wie vor kein Tumorwachstum, also sollte ich doch glücklich sein.
Und irgendwie bin ich das ja auch…
Doch von irgendwo her kriecht die Angst hervor. Wie soll es nun weitergehen? Wie lange darf ich noch so weiterleben? Wehmut beschleicht mich, ich fühle auch Trauer. Trauer tut weh, man will es weg haben. Die Trauer wiegt schwer, doch ich muss akzeptieren, dass sie dazu gehört.
Am 06.09.26 jährt sich mein 2. Jahrestag meines Knockouts. Laut Statistik gehöre ich zu einer kleinen Minderheit, die diesen Tag überhaupt noch erleben darf. Also, hopp, lebe!
Aber diese Angst, diese Wehmut, diese Trauer lässt sich nicht ganz so einfach abschütteln. Was soll ich jetzt mit meinem Leben noch anstellen?
Der Weg in die Zukunft ist sehr unklar. Doch ist es das nicht irgendwie immer?
Wenn ich so überlege, fehlt mir meine berufliche Identität. Ich bin froh in einem Land zu leben, das mir den finanziellen Rahmen gibt, dass ich überhaupt existenziell gesichert bin. Ich möchte meine Zeit noch sinnvoll verbringen. Freizeit zu geniessen, fällt mir zum Glück leicht. Und trotzdem…?
Es tönt undankbar, wenn ich mir so vorstelle, was ich aufgrund der günstigen Voraussetzung noch alles kann und darf. Doch Ungewissheit bedeutet auch Angst. Und eben, es tut auch weh.
Ich weiss nicht, ob und wie man das verständlich machen kann. Aber ich möchte doch noch was erleben, Sinnhaftigkeit fühlen. Es könnte so viel schlimmer sein, ich weiss das ja.
So stärke ich mich mit dem Gedanken, dass Abschiede auch bedeuten, dass neue Türen sich öffnen können. Wehmut beschleicht mich.
WEH-MUT
Es tut weh und es braucht Mut sich dem zu stellen.
So möchte ich mich für das also öffnen, was noch kommt, mit Mut weitergehen, im Wissen, dass meine Zeit begrenzt ist. Wir wissen ja eigentlich nie, wann unser Leben zu Ende geht. Also kann ich versuchen wieder zumindest etwas Einfluss nehmen und weiterhin versuchen loszulassen, was nicht zu ändern ist.
Accept what is; let go of what was; and have faith in what will be.
